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Salon Rétromobile: Alte Liebe rostet nicht

Sie sind Feuer und Flamme für ihre historischen Vehikel, um die sich ihr Leben dreht, und die sie mit inniger Liebe pflegen. Oldtimer-Fans treffen sich regelmäßig auf Messen und historischen Veranstaltungen. Kein Weg ist zu weit für das heilige Blech.

Von Christian Gebhardt/Paris

"Ich liebe wirklich alte Autos", erzählt Henry Brooks, während er voller Ehrfurcht ein altertümliches Mobil besteigt. Mit den dünnen Rädern und den ledergepolsterten Hochsitzen ähnelt das Vehikel allerdings mehr einer historischen Kutsche als einem Automobil. Kein Wunder, Brooks Lieblingsfahrzeug ist ein Panhard B1. Baujahr 1901. Vier Zylinder. 50 Pferdestärken. 95 Spitze.

Zwei Hangars reichen gerade noch als Garage

Viel mehr als schnelle Fuhrwerke mit einem Verbrennungsmotor waren die ersten Fahrzeuge der Firma Panhard & Levassor noch nicht. Als erste Firma begannen die Franzosen 1891 mit der Serienfertigung von Automobilen. "Faszinierend, dass mit so einem Fahrzeug bereits Rennsport betrieben wurde", strahlen Brooks Augen. "Für mich ist das der absolute Traumjob." Besitzen tut er die Raritäten zwar nicht, aber "neben der Pflege und dem Polieren müssen alte Autos auch bewegt werden. All das ist meine Aufgabe". Der Brite ist zusammen mit einer Schar von Mechanikern für den privaten Fuhrpark von Pink Floyd-Drummer Nick Mason zuständig. Auf der historischen Automobil-Messe Rétromobile in Paris müssen nur zehn Wagen aus dem Privatbestand des Schlagzeugers gewienert werden. In der Nähe von Bristol reichen zwei Flugzeug-Hangars gerade noch aus, um die kostbaren Rennwagenschätze des Musikers zu beherbergen. Vom Panhard aus dem Jahr 1901 bis zu aktuellen Rennwagen hat Mason ein lebendiges Calendarium der Rennsportgeschichte des 20. Jahrhunderts gesammelt. "Und diese Fahrzeuge müssen eben gewartet, aber vor allem auch gefahren werden." Eine Lebensaufgabe für Henry Brooks. Sein Chef sieht das ähnlich. "Die wahre Schönheit und Eleganz von historischen Rennfahrzeugen wird erst sichtbar, wenn man auch sie am Limit bewegt!", fügt Nick Mason hinzu.

Transport-Versicherung im Wert eines Reihenhauses

Damit die historischen Aggregate ein Leben lang im Renntempo marschieren können, hat die richtige Wartung der Liebhaberstücke oberste Priorität. "In unserer Classic-Abteilung kümmern wir uns um alle historischen Formel 1-Motoren von 1960 bis heute", beschreibt Jean-Francois Weber, Managing Director von Mader Racing, ein Aufgabengebiet der Motorenschmiede aus dem schweizerischen Gland. Die Pflege der edlen Hightech-Herzstücke rund um die Uhr ist wichtig. "Bei historischen Rennveranstaltungen sind dann unsere Motoren-Mechaniker vor Ort und unterstützen unsere Kunden." Allein für die Transport-Versicherung der historischen Rennmotoren würde der Kredit für das 08/15-Reihenhaus nicht reichen. Ganze 250 000 Euro schlagen zu Buche. "Wir haben sehr besondere Kunden und unser Ziel ist es, seit 30 Jahren den besten Job überhaupt zu machen." Mader-Chef Weber weiß daher, dass seine Kundschaft nicht enttäuscht werden darf.

Für den Zündschalter nach Paris

Wie Adler auf der Jagd lassen Mike und Bill ihre Blicke über die unzähligen Verkaufstände mit historischen Zubehörteilen des Salon Rétromobile in Paris schweifen. "Einen Zündschalter für einen Austin Light 12 suchen wir." Deswegen extra nach Paris, in die Stadt der Liebe? "Ja, aber nicht nur deswegen. Hier gibt’s noch viel mehr gute Ersatzteile als den Zündschalter." Ein Baujahr 1933 soll es übrigens sein. Für das passende Ersatzteil reisen die beiden Briten von der Ilse of White auch auf die weltweiten Oldtimer-Messen. Hauptsache, der Austin läuft wie früher.

Liebe auf den ersten Blick

Dass die historische Messe-Karawane der Oldtimerszene auch in Paris stoppt, kommt Andreas Kunert entgegen. Seit Jahren lebt der selbstständige Dolmetscher in der französischen Hauptstadt. Seine automobile Zuneigung gilt jedoch einem deutschen Fabrikat. "Das war Liebe auf den ersten Blick", erzählt der gebürtige Kölner, wie er zu seinem alten Boliden kam. "In einer historischen Porsche-Werkstatt hier in Paris habe ich den 911er gefunden." Da war es um ihn und den weißen Sportwagen mit dem goldenen Rennstreifen geschehen. "Von einem Elfer und dann auch noch ein frühes 65er Baujahr, habe ich schon immer geträumt." Seit einem Jahr startet der Wahl-Franzose mit dem Stuttgarter Sportwagen im historischen Motorsport. Verziert mit Startnummern lebt nun auch der verehrte Porsche von Dolmetscher Kunert nach dem Motto von Pink Floyd-Star Nick Mason: "Die wahre Schönheit und Eleganz von historischen Rennfahrzeugen wird erst sichtbar, wenn man auch sie am Limit bewegt!"

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