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Sibilla Pavenstedt: Die feminine Provokateurin

Sibilla Pavenstedt, 38, liegt die Modewelt zu Füßen. Stars wie Sarah Ferguson, Franka Potente und Laetitia Casta tragen die Mode der Designerin.

Die weltweit erfolgreiche Modedesignerin besitzt Ateliers in Paris und Hamburg. Ihre Mode lässt sich von den Frauen und der weibliche Psyche inspirieren. Ihr Markenzeichen: ausgefallene Materialien und Stoffe. Entweder steht ein raffinierter Schritt im Vordergrund, dann ist das Material zurückhaltend, schlicht oder der Stoff ist ausgefallen, dann reduziert sie den Schnitt. Ihr Motto: feminine, subtile Provokation. Sibilla Pavenstedt sagt "Ich male mit Stoffen." Was sie bietet, ist eine Maßkonfektion, angesiedelt zwischen Prêt-à-Porter und Haute Couture. Die Pavenstedt- Kollektion besteht aus Einzelstücken, die erst im Atelier auf die Maße der Kundin anfertigt werden. Damit schafft sie ein einzigartiges Zusammenspiel von Person und Kleidung. Eine Symbiose, die auch von der Trägerin eine große Offenheit und einen starken Charakter erfordert. Pavenstedt Kleider sollen Frauen nicht "verkleiden", sie sollen sie dabei unterstützen, das Beste in sich zum Vorschein zu bringen.

Wann hatten Sie die Idee?

Ich wollte schon immer etwas Künstlerisches machen. Zuerst dachte ich an Malerei und wollte Kunst studieren. Aber mein Hang zum Dekorativen war zu stark, ich war immer mit Schmücken beschäftigt. Für die reine Kunst genügte das meinen Ansprüchen nicht. Dann hatte ich die Idee meine Kunst auf Mode zu übertragen. Damals besuchte ich in Venedig eine Ausstellung von Mariano Fortuny. Er war ein Stoffkünstler der Jahrhundertwende. Er hat Stoffe gefaltet, ein eigenes Plissee erzeugt. Fortuny hat zu seiner Zeit mit vielen Künstlern gearbeitet und er hat seine Kleider zur Kunst gemacht. Da ist bei mir der Groschen gefallen und ich wusste, ich will beide Welten miteinander verbinden.

Wann wussten Sie, daraus wird etwas?

Noch während meines Studiums. Ich konnte 1990 an der "Avantgarde" Messe in München teilnehmen. Für die Ausstellung hatte ich Kleider aus Gummifäden gehäkelt. Wie eine Spinne habe ich tagelang eine Freundin eingesponnen. Ohne je daran zu denken, habe ich damals meinen ersten Preis gewonnen, den "Mode-Oscar" der "Avantgarde". Das bedeutete eine große Anerkennung, außerdem war ein Geldpreis damit verbunden. Und ich hatte noch auf der Messe meine ersten Aufträge. Okay, dachte ich, nimm das Geld, um die Kollektion zu verwirklichen und die Kleider ausliefern zu können. Aus diesem kleinen Test entstand die Selbstständigkeit. Damit setzte ich eine Erfolgspirale in Gang. Ich habe weitere Preise gewonnen, an Wettbewerben und internationalen Messen teilgenommen und ich hatte immer mehr Aufträge.

Wussten Sie immer, was Sie in der Zukunft machen wollen?

Manchmal habe ich mich gefragt, wie konntest du nur so dickköpfig und verbohrt sein, dass du ausgerechnet Mode machen wolltest. Aber meine Dickköpfigkeit hat mir die Kraft gegeben durchzuhalten. Heute brauche ich ein Ziel, eine Vision. Ich will wissen, wohin es geht. Dazu brauche ich Offenheit und Freiheit, wie ich zu dem Ziel komme. Das sieht man auch in meinem Design. Ich will mich nicht total verplanen.

Gab es Stolpersteine auf dem Weg?

Natürlich, viele! Manche Hindernisse sahen unüberwindlich aus. Aber: Man wird mit allem fertig! Am Anfang expandierte meine Firma viel zu stark. Ich wusste überhaupt nicht, dass Wachstum auch finanziert werden muss. Plötzlich lieferte ich für 40 Boutiquen. Zum Teil wurden die Kleider überhaupt nicht bezahlt. Das war eine furchtbare Erkenntnis: auf der einen Seite bist du wahnsinnig erfolgreich und gerade das bricht dir fast das Genick. Aber ich hatte einen Glückstern. Im richtigen Moment hat immer jemand seine Rechnung bezahlt. Meine Konsequenz: Ich habe mich damals radikal reduziert, in der nächsten Saison gab es dann nur 15 Boutiquen.

Was soll man tun um sein Ziel zu erreichen?

Ich habe immer unheimlich gut und viel gearbeitet. Picasso spricht von einem Prozent Genie und neunundneunzig Prozent Arbeit. Jetzt muss ich sagen, vorher hätte ich nicht gedacht, wie viel Arbeit es tatsächlich ist. Man braucht unglaublich viel Disziplin. Kreative verstehen heute häufig nicht, dass es nicht ausreicht, vor Ideen zu sprühen. Es gibt den Traum und es gibt die Verwirklichung des Traums, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Man muss seine Visionen umsetzen. Für künstlerische Berufe ist es enorm wichtig, sich nicht im eigenen Ideen-Kosmos zu verlieren. Nur die Verwirklichung bringt die Idee wieder zurück in einen menschlichen Kreislauf. Man braucht den festen Willen, am gesellschaftlichen Prozess teilzunehmen, seine Spuren zu hinterlassen. Man muss träumen können, kreativ sein, aber dann man muss man einen Schnitt machen und die Sache einfach durchzuziehen. Gerade die Modebranche lebt unter Zeitdruck. Es muss gut sein und es muss schnell sein. Am Wettlauf mit der Zeit muss man Spaß haben.

Sind Sie schon einmal dem falschen Stern gefolgt?

"Learning by Doing" heißt meine Methode. Dieses System war in der Anfangszeit mit großen Schwierigkeiten verbunden. Wenn ich einem falschen Stern gefolgt bin, dann immer mit voller Überzeugung. Ich dachte, ich mache etwas Tolles und habe total daneben gegriffen. So etwas kommt vor. Wenn es Rückschläge gab, war mir klar, das war ganz allein meine Schuld. Aus den Rückschlägen habe ich sehr viel gelernt.

Hatten Sie ein echtes Erlebnis mit einem Stern?

Mein Logo ist ein Stern. Er strahlt nach innen und nach außen. Das ist ein unendlicher Kreislauf der Energie. Ein Stern ist für mich ein ganz starkes Symbol. Meine Firma heißt Sirio, benannt nach dem Stern Sirius.

Worauf sind Sie nicht stolz?

Oh, keine Sternstunden? Die muss es auch gegeben haben, aber ich habe sie total verdrängt.

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