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Straßenverkehr: Wohlfühlzone Hauptstraße

Ganz Deutschland ist von einem Wald aus Verkehrsschildern besetzt und zementiert das Image der Odnungsliebhaber. Ganz Deutschland? Nein, ein Dorf bei Osnabrück leistet Widerstand und will alle Regeln abschaffen - hier entscheidet das Herz über die Vorfahrt.

Die Gemeinde Bohmte im Osnabrücker Land ist im Grunde ein malerisches, rund 13.000 Einwohner zählendes Örtchen. Wenn da nicht der Verkehr wäre: Täglich rollen auf der Hauptverkehrsachse, der Bremer Straße, etwa 12.000 Autos durch die Gemeinde. Bis zu zwölf Prozent davon sind Lastwagen. Wenn ein Bohmter Bürger mal vom Schuhgeschäft auf der einen Seite der Bremer Straße in den Haushaltswarenladen auf der anderen Seite will, braucht er dazu viel Geduld.

Trennung zwischen Autos, Radfahrern und Fußgängern aufgegeben

Bis 2008 soll es eine Lösung geben, die vielleicht nicht den Verkehr verringert, aber das Leben für die Menschen in Bohmte angenehmer macht. "Shared Space", zu deutsch geteilter Raum, nennt sich das Projekt der Europäischen Union, an dem Bohmte als einzige deutsche Kommune teilnimmt. In Kurzform heißt es: Die Trennung zwischen Autos, Radfahrern und Fußgängern wird in einem zentralen Abschnitt der Bremer Straße aufgegeben. Bürgersteige, Zebrastreifen, Ampeln oder Verkehrsschilder soll es künftig nicht mehr geben oder nur noch auf ein sehr kleines Maß reduziert. "Ein Dorf soll aussehen wie ein Dorf und nicht wie der Nürburgring", bringt es der Projektvater und niederländische Verkehrsplaner Hans Monderman auf den Punkt.

"Ursprünglich gab es hier eine Diskussion über die Ortsentwicklung. Über den Verkehr und die Frage, wie der Ort in 30 Jahren aussehen soll", sagt Bohmtes Bürgermeister Klaus Goedejohann (CDU). Ein Planungsbüro brachte das EU-Projekt ins Spiel, stellte "Shared Space" bei mehreren Bürgerveranstaltungen vor. Inzwischen laufen hinter den Kulissen die Planungen.

Verkehrsstraße mit Campingplatz-Flair

Wer mit Verkehrsplaner Monderman, der am Keuning Institut in Groningen arbeitet, über "Shared Space" spricht, hört unweigerlich Philosophisches. Seiner Ansicht nach treffen bei der modernen Verkehrsplanung zwei prinzipiell miteinander unvereinbare Dinge aufeinander: Der Mensch mit seinem alltäglichen Sozialverhalten und das Verkehrssystem mit seinen Regeln. "Wenn Sie auf einen Campingplatz fahren, dann fahren Sie doch ganz langsam. Warum? Weil es ein Campingplatz ist. Die Leute gucken Sie an, Sie haben Augenkontakt zu den Leuten, Sie gehören eigentlich zu diesem Platz", beschreibt Mondermann seine Idee.

Für "Shared Space" bedeutet das, auf so viele Regeln wie möglich zu verzichten. Eigentlich gibt es auch nur zwei wichtige: Auf der rechten Seite zu fahren und von rechts Kommenden die Vorfahrt zu gewähren. Selbst diese Regel muss nicht unbedingt gelten, sagt Monderman. Wenn es regnet, und eine ältere Frau komme auf dem Fahrrad von links, habe sie zwar nach den Verkehrsregeln keine Vorfahrt. "Im sozialen Sinn würde man aber doch sagen, zuerst darf die Großmutti fahren", sagt Monderman. Er ist überzeugt: Je mehr Regeln es gibt, desto mehr geht das auf Kosten der Fußgänger und Radfahrer. "Das einzige, was ich wissen muss, wenn ich in eine Stadt hineinfahre, ist, dass es eine Stadt ist."

Niederlande sind Vorreiter

Wer wissen will, wie gut das Konzept funktioniert, muss ins nordniederländische Drachten reisen. Dort wurde vor sechs Jahren eine große Kreuzung nach der "Shared-Space"-Philosophie umgestaltet. Rund 22.000 Autos pro Tag passieren problemlos die Kreuzung, sagt Monderman. Der Verkehr fließe sogar schneller als vorher. Mittlerweile gibt es sechs Kommunen und Regionen in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und Dänemark, die sich neben Bohmte an dem EU-Projekt beteiligen. Nicht gezählt die vielen Vorläuferprojekte in zahllosen niederländischen Städten und Gemeinden.

Sogar der ADAC schaut auf das Projekt mit positiver Erwartungshaltung. "Es passt gut zu unserer Initiative, den Wald an Verkehrsschildern auf unseren Straßen auszudünnen", sagt Hans-Jürgen Kummert, Vorstandsmitglied des ADAC Weser-Ems für Verkehr und Technik. Selber mehr Verantwortung zu übernehmen, sei besser, als immer alles im Vorfeld regeln zu wollen.

Weniger Regeln, mehr Eigenverantwortung: Dass sich viele damit schwer tun, hat Bohmtes Rathauschef auf einer Bürgerversammlung erlebt. Da wurde für eine Anliegerstraße der Wunsch nach einer Tempo- 30-Zone laut. "Ich habe nur gesagt: Dafür braucht man doch keine Zone, es reicht doch, wenn ihr nicht schneller als 30 fahrt." Da seien alle still gewesen, sagt Goedejohann. "So hatte noch keiner gedacht."

Elmar Stephan/DPA / DPA
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