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TRABANT: Von der »Rennpappe« zum schnieken Cabriolet

Das hätte sich selbst Erich Honecker nicht träumen lassen: Zwölf Jahre nach der Wende erlebt der »Trabi« seinen zweiten Frühling und wird zum Luxus-Cabriolet.

Kaum ist der Trabant auf den Straßen Ostdeutschlands selten geworden, avanciert das Standardauto aus DDR- Tagen zum Sammlerobjekt. Der Leipziger Immo Warnecke hat seine »Zwickauer Rennpappe« längst durch einen Westwagen ersetzt. Weil der Zweitakter für den Schrottplatz zu schade gewesen war, baute der Bastler das Auto in zwei Monaten zum Luxuscabrio um. »Ich wollte eine farbliche Komposition aus sonniger Orange, Zitrone und einem Schuss saurer Limette«, sagt Warnecke. Auf der am Samstag beginnenden Leipziger Automesse wird das auf 20 000 Euro geschätzte Unikat erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vom Muff der DDR-Zeit blieb wenig übrig

Von der ursprünglich papyrusweißen Karosse des 26 PS starken Wagens ist nicht mehr viel geblieben: Die hellen, mit Stoff bezogenen Sitze glänzen jetzt in neonfarbenem gelbem und grünem Leder, die Plastik-Außenspiegel sind längst durch chromfarbene Plagiate ersetzt. Die Windschutzscheibe wurde bis auf ein Drittel gestutzt, vorne strahlen tief liegende Halogenleuchten, und der zweifache Auspuff blitzt vor Chrom. Nur das für den Zweitakter typische Gemisch aus Benzin und Öl sorgt für den Geruch aus alten Tagen. »Das Geniale beim Trabant ist, dass die Abwärme des Motors zum Belüften des Innenraums dient«, sagt Warnecke und gerät ins Schwärmen.

Was lange währt, wird endlich gut

Rund zwölf Jahre mussten die Bürger der DDR zum Schluss auf ihren Trabant warten. »Meiner wurde genau zur Wendezeit im November 1989 gebaut.« Im 13. Jahr nach dem Mauerfall hat der »Trabant Limousine« 38.925 Kilometer auf dem Tacho. Und sogar das »Original-Mäusekino«, besser bekannt unter Verbrauchsanzeige, funktioniert noch. »Nach der Wende habe ich meinen Trabi für 26 Mark pro Tag an Touristen vermietet. Für jede PS eine Mark«, sagt Warnecke.

Tuning-Set verhalf zu Trabi-Revival

Später wurde es ruhig um den DDR-Wagen, bis im Herbst vergangenen Jahres der bekannte Designer Luigi Colani ein aerodynamisches Tuning- Set für Trabis entwarf. Sofort dachte der hauptberufliche Spediteur an seinen in die Jahre gekommenen »Trabant 601 S«.

»Trabant IW Speedster«

»Idee und Gestaltung sind schön, aber leider nicht praxistauglich«, meint Warnecke. In seiner Werkstatt entwarf der Leipziger die erste Version des »Trabant IW Speedster« - IW steht für Immo Warnecke - der noch im April vom TÜV zugelassen werden soll. »Er ist besser als das Original«, sagt Warnecke über den schrillen Zweisitzer. Derzeit rollen noch mehr als 160 000 Trabis über deutsche Straßen, ein Drittel allein in der Hersteller-Heimat Sachsen. Obwohl Warnecke auf sein Cabrio schwört, hält er eine Serienproduktion für unwahrscheinlich.

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