"ArchLord" Diktator auf Probezeit


Es kann nur einen geben! Einmal im Monat kämpfen "ArchLord"-Spieler um den Posten des alleinigen Herrschers im Fantasy-Reich.

Kein Witz: Wer ein richtiges "Archloch" ist, darf gut 21 Tage lang Feuer und Schwefel vom Himmel regnen lassen. Oder sich hemmungslos bereichern. Oder mit seinen herbeigerufenen Monstern marodierend durch die Lande ziehen. Wer will, kann aber auch ganz Gutmensch sein, immer die Sonne scheinen lassen und überhaupt prima Stimmung verbreiten. So oder so: Am Ende der Regentschaft winkt eine Statue in der Hall of Fame.

Das alles ist momentan aber noch reine Theorie. Denn es gibt im frisch gestarteten Online-Rollenspiel von Codemasters noch keinen Alleinherrscher. Erst in ein bis zwei Monaten werden die Spieler die nötige Stufen erreicht haben, um sich mit ihrer Gilde an die Eroberung von fünf Burgen machen zu können. Darin warten nämlich die verlorenen Archeon-Artefakte - die Schlüssel zum Aufstieg. Doch spätestens hier kommt eine nicht zu unterschätzende politische Komponente ins Spiel: Wer soll eigentlich "ArchLord" werden? Schließlich kann es nur einen geben. Aber im Alleingang ist das Ganze unmöglich ...

Es ist ein demokratischer Feldversuch im virtuellen Raum, den die koreanischen Entwickler hier starten. Setzen sich bei der Wahl zum Alleinherrscher die Aufrichtigen durch - oder doch die intriganten Machtversessenen? Brechen Gilden auseinander, wenn es zu internen Kämpfen kommt? Was zählen dann noch Bündnisse zwischen einzelnen Spielergruppierungen? Kippt durch Tyrannei und übermäßige Besteuerung der NPC-Händler das Warenwirtschaftsystem? Und wie gehen all die Hobby-Zocker mit der Motivationshürde um, eigentlich nie der Obermufti werden zu können? "ArchLord" scheint erst in wenigen Wochen so richtig spannend zu werden ...

Bis dato hat man es jedoch mit einem ziemlich gewöhnlichen Online-Rollenspiel zu tun, das alle üblichen Features bietet und seinen Schwerpunkt auf Player-vs-Player-Kämpfe (inklusive Massenschlachten und Burgenbelagerungen) gelegt hat. Soll heißen: Jeder kann hier jeden meucheln - das Erreichen von Level 15 vorausgesetzt. Prima: Wer sich an deutlich Schwächeren vergreift, erntet so genannte Schurken-Punkte, die ihm in Abstufungen gehörige Nachteile bescheren (Erfahrungspunkte-Abzug, höhere Händlerpreise, Angriff durch Stadtwachen). Nur: Siege gegen Gleich- oder Höherrangige werden nicht belohnt. Zur Stufensteigerung müssen deshalb stinknormale Quests der Marke "Erschlage 47 Trolle" (im Jargon auch "Grinding" genannt) oder "Besorge für Person X den Gegenstand Y" absolviert werden.

Kaum Neues auch bei den Rassen: Menschen, Orks und Monfelfen bevölkern Chantra, sind aber nicht wie bei "World of Warcraft" verfeindet. Ritter, Jäger, Zauberer stehen als Klasse zur Auswahl. Wer es ein wenig exotischer mag, wird Waldläufer oder Elementarmagier der Mondelfen. Natürlich besitzt jede Figur seine typischen Vor- und Nachteile, Fähigkeiten und Reittiere. Apropos: Man darf hier auch hoch zu Ross kämpfen!

Wenigen Handwerken lässt sich ebenfalls nachgehen - kein Vergleich jedoch zur Job-Flut im Genre-Primus "WoW". Spaßiges Feature: Durch das Schlucken von Tränken dürfen sich Spieler in allerlei Kreaturen verwandeln. Wer also seines Ork-Beserkers überdrüssig ist, wütet eben als Golem weiter. Oder als Bär. Oder ...

Grafisch bewegt sich "ArchLord" im soliden Mittelmaß. Nette Zauber- und Angriffseffekte stehen hier etwas tristen Landschaften gegenüber. Angesichts metrosexueller Ritter in Plattenrüstungen und Magierinnen in knappen Röckchen wird schnell klar, dass der Titel vornehmlich für den asiatischen Markt entwickelt wurde.

ArchLord

Hersteller/Vertrieb

NHN Games/Codemasters

Genre

Online

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Ungewöhnlich und nicht ganz unproblematisch: das Abo-Zahlungssystem. "PlayPlus" heißt es und wird von Codemasters als "revolutionär" angepriesen. Grund für die PR-Euphorie: Über "PlayPlus" erwerben Kunden nicht nur Spielzeit, sondern auch Credits für In-Game-Items wie Waffen, Zaubertränke und Teleport-Zauber. Drei Pakete stehen zur Auswahl: Das "Junker"-Einsteigerangebot für rund zehn Euro im Monat enhält 1.500 Credits, das 40 Euro teure Königspackage protzt indes mit 8.000 virtuellen Goldstücken. Klingt prima, nur: Droht da nicht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, weil betuchte Gamer durch dieses System bevorteilt werden? Wie gesagt: Spannend wird das bis jetzt etwas schnöde Ganze erst in ein paar Wochen und Monaten ...

Bernd Fetsch/Teleschau TELESCHAU

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