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"Common Ground": Wie es wäre, wenn die Seuche ausbricht

Die EU spielt den Ausbruch einer gefährlichen Grippe-Epidemie in einer groß angelegten Computersimulation durch. Die Ergebnisse sollen helfen, die Folgen eines ausgebrochenen Supervirus berechenbar zu machen.

Das komplexe Computerprogramm soll vor allem die möglichen richtigen wie mangelhaften Reaktionen in den Ländern der EU erkennen. Für die Koordinierung der Notfallübung "Common Ground" ist die britische Behörde für Gesundheitsschutz zuständig, wie die Nachrichtenagentur PA am Donnerstag berichtete. Großbritannien hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Bei der PC-Simulation geht es vor allem darum, die Fähigkeit nationaler und regionaler Dienststellen zur Krisenreaktion zu stärken. Den Teilnehmern sollen simulierte Katastrophenwarnungen nicht zuvor angekündigt werden, damit Lücken und Fehler bei den Reaktionen auf die Alarmauslösung möglichst realistisch erfasst werden können, hieß es bei der britischen Health Protection Agency.

EU-Gesundheitsminister und Seuchenexperten besprechen Gefahren

Derweil trafen Gesundheitsminister und Seuchenexperten der EU-Staaten zu einem informellen Treffen in Chandler’s Cross unweit von London ein. Die zweitägigen Gespräche waren lange vor den jüngsten Vogelgrippe-Fällen im Rahmen der routinemäßigen EU-Konsultationen vereinbart worden. Sie sollten sich nun aber vor allem mit der Gefahr einer Grippekatastrophe beschäftigen. Die britische Gesundheitsministerin Patricia Hewitt kündigte für den späten Donnerstagabend eine Pressekonferenz zur Vogelgrippe mit ihren EU- Kollegen und EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou an.

Viele Experten befürchten, dass sich das Vogelgrippevirus oder ein anderes Grippevirus genetisch verändert und dann eine weltweite, extrem gefährliche Epidemie folgt. Dies war im vergangenen Jahrhundert drei Mal geschehen, unter anderem im Fall der Spanischen Grippe 1918.

Derweil schätzt das Gesundheitsministerium in London, dass im Falle des Ausbruchs einer solchen Pandemie jeder vierte britische Bürger - rund 15 Millionen Menschen - angesteckt wird. Der oberste Gesundheitsbeamte des Königreichs, der Chief Medical Officer Sir Liam Donaldson, bekräftigte seine umstrittene Voraussage, dass eine Pandemie "unvermeidlich" sei. Die Frage sei nur, wann sie ausbreche, erklärte Donaldson. Er rechne damit allerdings noch nicht für den bevorstehenden Winter. Nach seinen Schätzungen müsste allein in Großbritannien bei einer Pandemie mit 50.000 Grippe-Toten gerechnet werden.

DPA / DPA
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