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"Der Goldene Kompass": Nicht alles, was glänzt ...

Das Spiel zum Film "Der Goldene Kompass" ist kein schlechtes geworden. Dennoch sollte man lieber zur Büchervorlage greifen.

Oxford-Dozent Philip Pullman zählt neben Tolkien, Lewis und Rowling zu den ganz Großen der modernen englischen Fantasy-Literatur. Seine Romantrilogie "His Dark Materials: Der Goldene Kompass, Das Magische Messer, Das Bernstein-Teleskop" hat sich seit dem Erscheinen des ersten Buchs im Jahr 1995 millionenfach verkauft. Kein Wunder also, dass Hollywood nach Blockbuster-Erfolgen wie "Herr der Ringe" und natürlich "Harry Potter" diesem Umstand mit einer Verfilmung Tribut zollte - und auch die Spieleindustrie nicht widerstehen konnte. Mit der Umsetzung wurde Shiny Entertainment beauftragt, die bereits für das mittelmäßige "Enter the Matrix" verantwortlich zeichneten und auch bei "Der Goldene Kompass" wenig Innovationsfreude zeigen.

Als Action-Adventure ausgelegt, bietet das Spiel Elemente, die scheinbar bei keiner Filmumsetzung fehlen dürfen: Quicktime-Events sind ebenso vorhanden wie simpel gehaltene Kämpfe und Mini-Spiele. Das alles präsentiert Shiny in einer etwas lieblos wirkenden Optik, die vor allem auf den Next-Gen-Konsolen PS3 und Xbox 360 deutlich spektakulärer hätte ausfallen dürfen. Auch die Kameraführung ist alles andere als optimal und sorgt vor allem bei kniffligen Sprungeinlagen für Frust. Dafür darf man sich über mangelnde Abwechslung nicht beklagen. Das Spiel hangelt sich am Story-Faden des Films durch die unterschiedlichsten Locations - vom College über Eislandschaften bis hin zur Forschungsstation.

Der Goldene Kompass

Hersteller/Vertrieb

Shiny Entertainment/Sega

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation2, PC, PSP, PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 30 bis 60 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Dennoch bietet "Der Goldene Kompass" zu wenig, um den Kaufpreis von 60 Euro bei den Next-Gen-Fassungen zurechtfertigen. Weder technisch noch spielerisch noch erzählerisch überzeugt "Der Goldene Kompass" vollends. Ohne Vorkenntnisse ist der Einstieg in die Handlung wirr, Hintergründe werden - wenn überhaupt - nur notdürftig in sporadischen Zwischensequenzen vermittelt. Unser Vorschlag deshalb: die 60 Euro für einen Kinoabend mit der Familie und eine Ausgabe der Büchertrilogie verwenden.

Jens-Ekkehard Bernerth/Teleschau / TELESCHAU