"GTI Racing" GTI: Gerase trotz Innovationslosigkeit?


Optisch ansprechendes Rennspiel, das sich schnell als einfältige Bildschirm-Raserei entpuppt. Schade um das kultige Gefährt!

Ferraris, Lamborghinis und Mercedes gab es auf PCs und Konsolen zur Genüge. Nun soll das Auto für jedermann, der Volkswagen, die virtuellen Straßen für sich alleine haben. Eine nette Idee, die aufgrund der unterschiedlichen original VW-Modelle auch beste Chancen gehabt hätte, in ein spannendes Spiel umgesetzt zu werden. Die 30 verschiedenen Autos, unter denen sich Klassiker wie der Käfer, der New Beetle, der Golf R32 und der W12 Roadster befinden, tragen zwar nicht alle die "GTI"-Plakette, sorgen aber für Abwechslung - und die kann das Spiel gebrauchen.

Denn leider sind die rund 70 Strecken in nur sechs verschiedenen Regionen angesiedelt, weshalb sich die Umgebung häufig wiederholt. Obwohl die Gegenden um die Renn-Parcours für die jeweilige Lage charakteristisch gestaltet sind, ähneln sich die Straßenläufe sehr: Im Alpen-nahen Bayern fährt es sich extrem ähnlich wie in Texas oder Sizilien. Mit der Detail-Liebe des Genre-Primus "Need For Speed Most Wanted" kann sich "GTI Racing" ohnehin nicht messen. Ebenso nicht in der Tuning-Werkstatt, die zwar mit Original-Zubehör renommierter Hersteller glänzt, aber bei Aufmotz-Vielseitigkeit und Auto-Design nicht an das Vorbild herankommt.

In puncto Grafik verdient der VW-Raser jedoch Lob, obgleich Techland für das "Gran-Tourismo-Injection"-Wettrennen die aufgewärmte Engine des Geschwister-Produkts "XPand Rally" (2004) verwendet hat. Doch nicht nur an den Kisten wurde seitdem geschraubt, sondern ebenso an der Darstellung, die auch 2006 mit enormer Weitsicht, schönen Reflexionen und realistischem Schadensmodell - das die Fahrtauglichkeit jedoch kaum beeinträchtigt - beeindrucken kann. Bedauerlicherweise scheint dafür aber der Sound vernachlässigt worden zu sein: Man kann die eintönigen Technolieder, denen jeglicher Druck fehlt, an einer Hand abzählen.

Die Steuerung, die anfangs noch einsteigerfreundlich wirkt, entpuppt sich schnell als zu simpel und durchschaubar. So hat man früh raus, wie sich die Ideallinie finden lässt - und Regen sowie Reifen haben darauf leider wenig Einfluss. Auch das Verhalten der maximal drei Gegner (!) enttäuscht mit allen negativen Eigenschaften, die eine Rennspiel-KI aufweisen kann: Die Kontrahenten fahren fast immer im Pulk und sind leicht abzuhängen (besonders, wenn die eigene Karre über einige Tuning-Gimmicks verfügt), aber holen beim kleinsten Patzer innerhalb weniger Sekunden auf.

GTI Racing

Hersteller/Vertrieb

Techland / Deep Silver/Koch Media

Genre

Rennspiel

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

o. A.

Für einige unterhaltsame Stunden sorgt "GTI Racing" dank der Beschleunigungswettbewerbe und der Drift-Contests dennoch. Ein Langzeit-Vergnügen verspricht das Spiel wohl hingegen auch für eingefleischte VW- und GTI-Fans nicht zu werden. Denn die setzen wahrscheinlich - und zurecht - lieber auf das Modell zum Anfassen.

Gregor Jossé/Teleschau TELESCHAU

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