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"Madden NFL 07": Reif fürs Geschichtsbuch

Electronic Arts legt die nächste Version des American-Football-Klassikers "Madden" vor und bestätigt erneut: Ein besseres Sportspiel als dieses gibt es nicht.

Seit 1997 gibt es dieses nach dem berühmten Football-Trainer John Madden benannte Sportspiel. Seither hat er sich zu einem der besten Vertreter der gesamten Branche entwickelt. Wer auf die authentischen Spielzüge, die Zugriffsmöglichkeiten auf den Ablauf, die Grafik und nicht zuletzt auch auf das gesamte Gameplay blickt, kann so gut wie jedes andere Sportgame seither nur mit einem müden Lächeln hinnehmen. Klar, die "Madden"-Reihe gehört zu den wichtigsten Spielen von Electronic Arts in den Vereinigten Staaten. Ihm wird demnach ein Höchstmaß an Akribie zuteil. Was sich bereits in der ersten Verkaufswoche auszahlte. Mehr als 100 Millionen Dollar wurden in diesen ersten Tagen umgesetzt. Weit mehr als die meisten, selbst die erfolgreichen Hollywood-Filme im gleichen Zeitraum schaffen. Umso tragischer ist es, dass es die Reihe in Deutschland traditionell schwer hat. Hier versteht ja kaum einer die Regeln.

Dabei sind die, zumindest grob betrachtet, so schwer nicht: Der Ball, in diesem Fall nicht rund, sondern in der Form eines Eis, muss in maximal vier Spielzügen stets um zehn Yards weiter in Richtung Endzone des Gegners gebracht werden. Wenn sie erreicht ist, wird man mit einem Touchdown (der ist sechs Punkte wert) belohnt. Wer die zehn Yards nicht schafft, verliert den Ball an den Gegner, der seinerseits versucht zu punkten.

Klar, das war doch etwas sehr vereinfachend. Football ist weit komplizierter, und "Madden NFL 07" setzt wie all seine Vorgänger schon ein gewisses Grundwissen voraus. Denn eine echte Spielanleitung gibt es im Begleitbooklet nicht. Und schon gar kein Regelwerk. Doch wer sich auf die Herausforderung einlässt, der wird mit Perfektion belohnt. Und die Anhänger des Sports sehnen ohnehin Jahr für Jahr die Neuauflage des Klassikers herbei, der diesmal übrigens nicht mehr für die Xbox erscheint. Stattdessen werden nun Besitzer der Xbox 360 beliefert- und das auf grafisch höchstem Niveau. Wer einen HD-Fernseher sein Eigen nennt, kann eine Spielpause auch mit dem Zählen einzelner Grashalme verbringen. Bei der PS2-Fassung müssen diesbezüglich erwartungsgemäß Abstriche gemacht werden, die PC-Fassung befindet sich irgendwo dazwischen.

EA besitzt noch über Jahre hinaus die Lizenzen für die NFL (auch die NFL Europe ist vertreten), sodass ein wesentlicher Kaufgrund für die Neuauflage stets das aktualisierte Personal ist. Darüber hinaus ließ es der Branchenprimus bei den Neuerungen diesmal ruhig angehen. Durchaus gelungen ist der so genannte Lead-Blocking-Befehl, der es erlaubt, jeden Offensivspielzug in einer gänzlich und in der 2006er-Version noch nicht spielbaren Rolle zu begleiten. Man wählt einen eigenen Blocker aus und räumt für den Läufer den Weg frei. Neu hinzugekommen sind zudem einige Moves in der Offensive.

Der Franchise-Modus, in dem Teams entwickelt und fleißig gehandelt werden kann, erlaubt nun das Begleiten eines einzelnen potenziellen Superstars auf seinem Weg in die Hall of Fame, die Ruhmeshalle der NFL, in die übrigens in diesem Jahr auch John Madden selbst einziehen durfte. In zehn Jahren gewann er 75,9 Prozent aller Spiele. Wie beachtlich diese Zahl ist, wird "Madden"-Anfängern schnell deutlich werden. Denn die KI der Kontrahenten bleibt weiterhin außergewöhnlich gut. Umso größer fühlen sich freilich die Momente an, in denen einer der begehrten Interceptions gelingt, dem Gegner also bei einem Passpiel der Ball in der Luft weggefangen wird.

Madden NFL 07

Hersteller/Vertrieb

Electronic Arts/Electronic Arts

Genre

Sport

Plattform

PlayStation2, PC, Wii, Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

o.A.

"Madden NFL 07" liegt wie gewohnt nur in einer englischen Sprachausgabe vor. Hier würde man sich schon wünschen, eines Tages von einem fachkundigen deutschen Kommentator, der vielleicht auch Erklärendes für Laien beizutragen hat, begleitet zu werden. Doch das Spiel soll Jahr für Jahr stets pünktlich erscheinen zum Start der neuen Saison, die in diesem Jahr von den Pittsburgh Steelers und den Miami Dolphins am 7. September eröffnet wird. Und da wie auch schon 2005 kein frei verfügbarer Fernseher Live-Bilder von diesen Partien zeigen wird, bleibt ohnehin das Spieleglück an der heimischen Konsole. Der bestmögliche Ersatz - für Fans und alle, die es werden wollen.

Christopher Zallmann/Teleschau / TELESCHAU