"Ninja Gaiden: Sigma" Der Ninja aus der Konserve


Neben dem USK-Siegel "Keine Jugendfreigabe" fehlt die Warnung vor akutem Frust: "Ninja Gaiden Sigma" ist wie seine Xbox-"Vorgänger" der Inbegriff von "unglaublich schwierig".

"Ninja Gaiden Sigma", das bei Eidos erscheint, ist keine Fortsetzung der altehrwürdigen Reihe (die wird gerade exklusiv für die Xbox 360 entwickelt), sondern vielmehr das Remake des Remakes eines Xbox-Games, das eine Kult-Spieleserie fortsetzte, die im Jahre 1989 ihr Konsolendebüt auf dem Nintendo Entertainment System gab. Anders formuliert: Mit geringem Aufwand und zusätzlichem Content versucht Eidos, PS3-Besitzern ein olles, aber grandioses Game erneut schmackhaft zu machen.

An der Geschichte hat Entwickler Tecmo nichts geändert: Damals wie heute dreht sich alles um Ryu Hayabusa, seines Zeichens aufrechter Ninja. Nachdem mysteriöse Gestalten sein Heimatdorf angriffen und das "grausame dunkle Drachenschwert" entwendeten, ist der Held gefordert. Und da Rache für einen Ninja kein schlechtes Motiv ist, schnappt sich Ryu Hayabusa eine zweite legendäre Klinge und macht sich auf den Weg in das geheimnisvolle Vigurische Reich. An seinem Ziel angekommen, merkt Ryu gleich, worum es geht: Kämpfen, kämpfen und noch mal kämpfen. Und das in insgesamt 19 riesigen Spielabschnitten, von denen drei nebst neuer Heldin Rachel exklusiv der PS3-Version spendiert wurden.

Die bevorzugt in Grüppchen bis Horden anrückenden Feinde bestechen durch ihre Hartnäckigkeit, Unfairness und Intelligenz. Es reicht also nicht aus, jeden Gegnertyp nach der stets gleichen Vorgehensweise zu bekämpfen. Vielmehr muss sich Ryu für nahezu jede Auseinandersetzung eine neue Taktik einfallen lassen und die richtige Mischung aus Defensive und Offensive wählen.

Doch der Held ist dem Gesindel nicht hilflos ausgeliefert. Neben der Katana zückt der Rächer gerne auch mal sein Nunchaku, die neuen Doppelschwerter, den vigurischen Rabenschnabel oder den Bogen. Darüber hinaus ist der Ninja aber auch mit "Ninpo" genannten Zauberkräften gesegnet: Feuerball, Elektroblitz, Eisstürme - das Übliche eben. Und wer im rechten Moment den Sixaxis-Controller der PS3 schüttelt, lässt einen besonders mächtigen Angriff vom Stapel.

Nett: Durch stetes Ableben aktiviert sich irgendwann mal der "Easy"-Mode dieses traditionsgemäß bockschweren Games, der die speziell für "Sigma" erweiterte Gegnerschar zwar nicht dümmer agieren lässt, aber immerhin für mehr Heiltränke sorgt. Die erweisen sich vor allem in den ziemlich fordernden und imposanten Bossfights als Segen.

Neben der bunten Location-Auswahl - vom japanischen Dorf bis hin zum High-Tech-Zeppelin - sorgen kleinere Rätseleinlagen und übermenschliche Akrobatik für reichlich Abwechslung. Ryu sprintet ansehnlich an Wänden entlang, erklimmt mit Doppelsprüngen luftige Höhen und kann sogar über das Wasser laufen - was überlebenswichtig ist, würde er doch sonst einen Großteil der versteckten Power-Ups und Artefakte verpassen, die seine Angriffskraft und Zähigkeit erhöhen.

Technisch ist "Ninja Gaiden Sigma" ein zweischneidiges Schwert. Dank plastischer Texturen, detaillierten Objekten, höherer Auflösung und schicken neuen Effekten sieht Ryus Racheakt im Vergleich zum zwei Jahre alten Xbox-Vorgänger grandios aus. Mit aktuellen Next-Gen-Titeln kann "Sigma" allerdings nicht ganz mithalten. Schade auch, dass die Kameraführung stellenweise immer noch zu wünschen übrig lässt und die Sache mit den ständig wiederkehrenden Gegnern nicht zu den Akten gelegt wurde.

Ninja Gaiden: Sigma

Hersteller/Vertrieb

Tecmo/Eidos

Genre

Action

Plattform

PlayStation3

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Fazit: Wer eines der Xbox-Games besitzt, kann sich eine erneute Anschaffung sparen. 60 Euro für ein paar frische Levels mit einer drallen Dämonenjägerin sind einfach zu viel des Guten. Alle anderen frustresistenten PS3-Zocker dürfen mehr als nur einen Blick riskieren ...

Bernd Fetsch/Teleschau TELESCHAU

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