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"Siren: Blood Curse": Heulsusen aus dem Jenseits

"Siren Blood Curse" zieht alle schaurig-schönen Register des Survival-Horror-Genres. Erschreckend ist allerdings auch das Ruckeln der PS3-Neuauflage des bereits 2004 erschienenen "Forbidden Siren".

Wie das Oldschool-Original "Forbidden Siren" ist der nur für Erwachsene erhältliche Titel im Stil einer Fernsehserie in Episoden aufgeteilt. Und ganz wie im TV üblich steht am Ende erfolgreich absolvierter Horrortrips eine Vorschau auf die nächste Folge, während das nächste Kapitel mit einem "Was bisher geschah"-Vorspann beginnt.

Die Handlung ist lose mit dem PS2-Vorbild verbunden, doch bietet "Siren Blood Curse" nicht nur eine aus naheliegenden Gründen bessere Grafik als das Original, sondern auch neue Charaktere. Allen Figuren gemeinsam ist, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind - in dem von Dauernebel umwaberten Dörfchen Hanuda an der japanischen Küste. Das schlechte Wetter wäre noch annehmbar, würde es hier nicht gewaltig spuken, wie die Leidensgenossen bald feststellen müssen. Zombies stapfen ächzend durch den Bodennebel, ältere Damen mit blutverschmierten Gesichtern tragen Küchenmesser mit sich herum, und seltsame Mischwesen aus Mensch und Schmetterling trachten den Protagonisten nach dem Leben.

Survival-Horror-Fans bekommen alles geboten, was die besten Titel des Genres auszeichnet: beklemmende Albtraum-Szenarien, die nur vom schwachen Licht einer Taschenlampe beleuchtet werden. Einen ausgewogenen Mix aus Schleich-, Adventure- und Actionelementen, untermalt von einem atmosphärischen Soundtrack und gruseligen Geräuschen, die den Spieler tief in die Schattenwelt eintauchen lassen. Und schließlich eine Storyline, die - wie bei einer gelungenen Fernsehserie - neugierig auf die nächste Folge macht.

Gute Ideen sorgen für Abwechslung. Beispielsweise schlüpft man von Kapitel zu Kapitel in die Haut einer anderen Figur, was sich auch auf taktische Überlegungen auswirkt. So kann man in etwa der Rolle des kräftig gebauten Studenten Howard Wrights mutig den Kampf mit den Untoten aufnehmen, während man als kleines Mädchen Bella besser leise durch die schaurigen Locations schleichen und sich schnellstmöglich im nächstbesten Schrank verstecken sollte. Die akute Bedrohung durch Untote wird optisch durch eine Art Blaulichteffekt und akustisch durch Gruselsounds verdeutlicht, was die Stealth-Einlagen umso spannender macht. Erst wenn die Warnsignale ausbleiben, sollte man sich wieder aus dem Versteck wagen.

Ein weiteres Merkmal der "Siren"-Reihe ist das sogenannte "Sightjacking". Bedeutet: Man kann die Welt für eine Weile aus den dunklen Augenhöhlen der Monster betrachten. Diese ungewöhnliche Sicht über den Heldentellerrand liefert nicht selten sachdienliche Hinweis für die Lösung einer Aufgabe. Allerdings geht dabei die Bildwiederholungsrate merklich in die Knie.

Siren: Blood Curse

Hersteller/Vertrieb

Sony/Sony

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation3

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Von der schaurig-schönen Grafik ist leider nicht viel zu sehen, da ein Filter die Texturen bewusst im Nebulösen versinken lässt und man ohnehin kaum weiter blicken kann, als es die Taschenlampe zulässt. Der Schwierigkeitsgrad ist teils recht anspruchsvoll und wird durch die zickige Steuerung zusätzlich erschwert. So kann es passieren, dass man beim Versuch, sich in einer Toilette einzusperren, den abzuwehrenden Untoten gleich mit einschließt, anstatt ihn vor der Tür schmoren zu lassen. Der blanke Horror ...

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU
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