"Sonic the Hedgehog" Einfach mal blau machen


Mit "Sonic the Hedgehog" bricht auch für den hyperaktiven Igel das Next-Generation-Alter an. Am ureigenen Spielprinzip hat sich jedoch in den letzten 15 Jahren nichts geändert. Noch immer geht es um Tempo, Tempo, Tempo - und goldene Ringe.

Sonics geistiger Vater, der Programmierer Yuji Naka, zeichnet auch verantwortlich für die neueste Mission des Igels und seines Freundes Tails, dem zweischwänzigen Fuchs. Diesmal gilt es, die leuchtend schöne Prinzessin Elise zu befreien. Nicht aus den Klauen eines Drachen, sondern aus der Gewalt von Dr. Robotnik, der mit Zwirbelbart und rotem Frack an einen preußischen General erinnert.

An Venedig dagegen erinnert Soleanna, das Reich der Prinzessin. Nur eine von vielen farbenfroh und mit Liebe zum Detail gestalteten Kulissen, durch die Sonic und seine Freunde springen, rollen und fliegen.

Der hochauflösenden Grafik, der Tiefenschärfe und dem Tempo ist es zu verdanken, dass die Sprünge und Sprints des pfeilschnellen Igels auf der Xbox 360 rasanter und spektakulärer denn je wirken. Wenn Sonic durch die Lüfte wirbelt, lässt sich getrost von schwindelerregenden Höhen sprechen. Die größten optischen Leckerbissen bieten allerdings die animierten Zwischensequenzen, deren Qualität selbst für Next-Gen-Verhältnisse ganz weit vorn liegt.

Auf seinen Reisen sammelt Sonic - wie in klassischen Jump and Runs üblich - Gegenstände ein. In seinem Fall hat er es auf dasselbe abgesehen wie Heiratsschwindler: jede Menge goldene Ringe. Wird er von den Schergen Dr. Robotniks beschossen, verliert er diese nach und nach. Aber wehrlos ist Sonic nicht: Im Kampf igelt sich der kleine Kerl ein und wird zur lebenden Kanonenkugel. Nur bei den teils riesigen Boss-Gegnern muss er zu etwas ausgefuchsteren Mitteln greifen ...

Apropos: In manchen Sequenzen wechselt plötzlich die Perspektive. Als Sonic sich beispielsweise an die Flosse eines Riesen-Wales klammert, muss sein Gefährte Tails ein Tor schließen, um zu verhindern, dass sein Kumpel auf dem Wal-Rücken aufs offene Meer entführt wird. Tails kann seine Schwänze als Rotoren nutzen und fliegen. Wenn er allerdings aus der Puste gerät, ergeht es ihm wie Ikarus und er schmiert ab. Als Waffe gegen die Roboter kann er Ring-Bomben werfen und Ringe als Projektile abschießen. Am Ende jeder Mission wird die Leistung bewertet. Bonus gibt es für Schnelligkeit und die Anzahl der gesammelten Ringe.

Den Machern ist es gelungen, das altbekannte Jump&Run-Muster so zu erweitern, dass Sonics Abenteuer zu einem abwechslungsreichen Spielerlebnis wurden. So muss Sonic sich beispielsweise, wie in RPGs (Role-Playing-Games) üblich, manchmal mit Leuten unterhalten, um wichtige Informationen zu bekommen. In einem Shop lassen sich Gegenstände kaufen, die Sonics Fertigkeiten verbessern.

Die Vielzahl an unterschiedlichen Kulissen - von Wüste über Traumstrand und Mittelalter-Romantik bis zu Felsformationen und einer Gladiatoren-Arena - trägt zu anhaltendem Spielspaß bei. Für die Kameraführung gilt das leider nicht: Die pfeilschnellen Bewegungen Sonics sind scheinbar zu hektisch für den "virtuellen Kameramann": Oft muss mit dem rechten Analogstick die Perspektive nachjustiert werden, um nicht den Überblick zu verlieren oder ins Leere zu springen. Während des Tests ist Sonic vereinzelt sogar durch Wände gelaufen oder unwiderruflich an ihnen hängen geblieben. Die Folge: Neustart und verständnisloses Kopfschütteln angesichts der Tatsache, dass solche Programmierfehler die Qualitätssicherung von Sega passieren konnten. Letzter Kritikpunkt: So flott Sonic auch über den Bildschirm rast, so elendslang sind die Ladezeiten ...

Sonic the Hedgehog

Hersteller/Vertrieb

Sega/Sega

Genre

Jump & Run

Plattform

Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Alles in allem überwiegt jedoch der Spaß an Sonics neuestem Abenteuer. Nicht nur junge Igel-Schützer werden sich mit dem Old-School-Game tagelang zu Hause einigeln und blau machen.

Michael Eichhammer/Teleschau TELESCHAU

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