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"Timeshift": Die Zeit heilt alle Wunden

Die Manipulation der Zeit kann zwar gefährlich für den Fortgang der Geschichte sein, aber auch wahnsinnig hilfreich, um mit einer Übermacht an Gegnern fertig zu werden.

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Wissenschaftlers, der den sogenannten "Quanten-Anzug" testen darf und sich nach dem verunglückten Jungfernflug mit der Zeitmaschine in einer totalitären Parallelwelt wiederfindet, die nichts mit der ihm bekannten Realität gemein hat. Die Ursache allen Übels ist ein gewisser Dr. Krone, der - ganz im Stile von "Zurück in die Zukunft" und diverser "Star Trek"-Folgen - ebenfalls einen Time-Trip wagte, dabei das Raumzeit-Kontinum durcheinander und sich selbst an die Macht gebracht hat. In diesem düsteren Endzeit-Szenario - und das darf man dank des grauen Himmels und ständigen Regens durchaus wörtlich verstehen - schlägt der Spieler sich in einem permanenten Häuserkampf auf Seiten der Rebellen.

Im Kampf gegen Heerscharen von gepanzerten Cyber-Soldaten und stahlharten Mechs hat der Protagonist neben Plasma-Granaten, Maschinengewehr, Flammenwerfer, Armbrust und Co. einen mächtigen Verbündeten: die Zeit. Mit seinem Hightech-Ganzkörperanzug ist es ihm möglich, sie kurzfristig zu manipulieren. Nur so hat er eine Chance gegen die Übermacht des Diktators Krone und seiner Schergen, welche die Welt mit ihrem Terror-Regime unterjochen wollen. So kann er beispielsweise die Zeit anhalten, um etwa eine Überzahl von Gegnern in aller Ruhe zu dezimieren oder andere Gefahrenquellen wie Feuer und Elektrizität umgehen. Alternativ lässt sich der Lauf der Dinge auch nur verlangsamen, was sich ebenfalls in Feuergefechten und bei bei der Regeneration von Lebensenergie empfiehlt. Um kleinere Rätsel zu knacken, muss die Zeit jedoch für ein paar Sekunden zurückgespult werden - etwa, um eine von Explosionen erschütterte Passage unversehrt zu durchqueren.

Ganz neu erscheint das Zeitmanipulations-Gimmick nicht, wenn man an Spiele wie "F.E.A.R." oder "Prince of Persia" denkt. Ganz zufällig ist erstere Parallele nicht: Die Spieleschmiede Saber Interactive hatte den ehemaligen Art Director von "F.E.A.R." an Bord. Durch die drei Varianten der Zeitbeeinflussung und die beeindruckende optische Umsetzung verdient "Timeshift" allerdings Respekt und ist alles andere als eine billige Kopie. Ohnehin zählt die mehrfach überarbeitete Optik zu den großen Stärken des Games. Licht- und Wettereffekte, Figurenanimation, Texturen - das alles ist vom Feinsten. Dank Tiefenschärfe und detaillierten Texturen haben insbesondere riesige Übergegner wie gigantische Mechs eine beeindruckende realistische Plastizität. Die neue Havok- Engine 4.5 sorgt für eine ausgefeilte Physik, der ständige Regen für schöne Wassereffekte.

Auch der Sound unterstreicht die Atmosphäre perfekt. So hallen beispielsweise propagandistische Lautsprecher-Durchsagen des Dikators Krone von den Wänden, wenn der Zeit-Jongleur sich durch Ruinen, Schutt und Asche kämpft. Die Möglichkeit, die Zeit als Waffe einzusetzen, sorgt auch im Multiplayer-Modus für ein zusätzliches Gimmick im Baller-Genre. Shooter-Fans kommen mit "Timeshift" voll auf ihre Kosten, wer dagegen kleine Rätsel liebt, wird den Titel als arg actionlastig empfinden.

Timeshift

Hersteller/Vertrieb

Saber Interactive/Sierra

Genre

Action

Plattform

PC, PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 50 bis 70 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Zeit spielt übrigens nicht nur eine zentrale Rolle im Gameplay, sondern auch in der Vorgeschichte des Titels, der auf eine fast sechsjährige Entwicklungsdauer zurückblicken kann. Ursprünglich sollte "Timeshift" schon 2006 erscheinen, doch um die Grafik auf Vordermann zu bringen, bekamen die Programmierer ein weiteres Jahr Aufschub. Das Ergebnis beweist allerdings: Gut Ding will Weile haben. Zum zeitlosen Klassiker reicht es allerdings nicht, weil "Timeshift" nach fulminantem Einstieg rasch an Fahrt verliert und letztlich doch ein paar Innovationen vermissen lässt. Darüber hinaus könnte das Release-Timing kaum schlechter sein. Derzeit buhlen Titel wie "Halo 3", "The Orange Box", "Unreal Tournament 3", "Call of Duty 4" und nicht zuletzt "Crysis" ebenfalls um die Gunst der Käufer.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU
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