"Turning Point - Fall of Liberty" Alternatives Amerika


Obwohl der Shooter "Turning Point - Fall of Liberty" mit einem äußerst interessanten Szenario aufwartet, will der Funke nicht überspringen.

Winston Churchill gilt als eine der Schlüsselfiguren für den Verlauf des Zweiten Weltkriegs. Der britische Premierminister trug entscheidend zum Sieg der Alliierten über Deutschland bei und ist als kompromissloser, aber bedeutender Staatsmann in den Geschichtsbüchern verewigt. In Codemasters Multiplattform-Titel "Turning Point - Fall of Liberty" wird nun davon ausgegangen, dass der Brite den Taxiunfall, den er am 13. Dezember 1931 tatsächlich an der 5th Avenue in New York hatte, nicht überlebte. Als Konsequenz dessen gewinnen die Achsenmächte den Krieg in Europa und starten im Jahr 1953 den Angriff auf Amerika. Allerdings wurden die grundlegende Idee und die daraus resultierenden Möglichkeiten von den Entwicklern völlig verschenkt.

Dies beginnt schon mit der Einführung des spielbaren Hauptcharakters. In der Haut von Danny Carson wird der Angriff der deutschen Flieger auf New York quasi aus erster Reihe miterlebt. Dabei wird auch die Wolkenkratzerkonstruktion, auf der Danny als Bauarbeiter malocht, kräftig in Mitleidenschaft gezogen. Also rennt dieser Kerl, der so viel Charme und Ausstrahlung besitzt wie ein Betonmischer, munter über Stahlträger, während ihm Kugeln um die Ohren pfeifen, Kollegen in die Tiefe stürzen und Zeppeline sich ihren Weg durch die Hochhausschluchten bahnen.

Hört sich spektakulär an, ist aber - wie die Sprengung der Freiheitsstatue und der Einsturz des Chrysler Buildings - nur biedere Effekthascherei. Ein Blick nach unten reicht, um auf dem Boden der tristen Tatsachen zu landen: Die Autos und Busse auf den Straßen drehen nach wie vor gemütlich ihre Runden ziehen - ist ja nur Krieg über ihren Köpfen.

Nachdem Danny die ersten, streng linearen Meter hinter sich gebracht hat, fällt schon die nächste Macke auf: Um Leitern zu besteigen, Knöpfe oder Schalter zu drücken, muss der Protagonist pixelgenau positioniert werden, damit das "Benutzen"-Symbol in Form einer Hand erscheint. Ein bisschen zu weit vorne oder hinten, schon ist sie wieder verschwunden. Nervig.

Beim Widerstand gegen die Invasoren, der sich im späteren Spielverlauf auf Washington und letztlich London ausweitet, kann Danny entweder auf Waffengewalt oder auf den Nahkampf setzen. Letzteres funktioniert erstaunlich gut, da die Künstliche Intelligenz der Gegner ihren Namen schlicht nicht verdient. Gefährlich wird es nur, wenn sie Granaten werfen. Dann ist Hektik angesagt, denn die Anzeige, wo das explosive Ei gelandet ist, ist äußerst unzuverlässig geraten.

Turning Point - Fall of Liberty

Hersteller/Vertrieb

Spark Unlimited/Codemasters

Genre

Action

Plattform

PC, PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Darüber hinaus überrascht "Turning Point - Fall of Liberty" immer wieder mit Einbrüchen bei der Bildwiederholungsrate, einer ungenauen Steuerung und nicht vorhandenen Physik-Effekten. Die hässliche Grafik, die alles andere als Next-Gen-würdig ist, sowie die teils seltsam gesetzten Speicherpunkte und das innovationsarme Gameplay setzen dem Ganzen die Krone auf, weshalb dieser blutleere Titel trotz alternativer Realität keine echte Alternative ist.

Jens-Ekkehard Bernerth/Teleschau TELESCHAU

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