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Collien Fernandes: "Ein Videospiel-Verbot bringt nichts"

Viva-Moderatorin Collien Fernandes hat immer ihre tragbare Playstation dabei. Dabei hatte sie als Kind striktes Daddelverbot.

Frau Fernandes, Sie spielen gerne Videospiele. Wann hat Sie die Begeisterung gepackt?

Ich habe als Kind angefangen, Videospiele am PC zu spielen. Irgendwann aber war es meinen Eltern zu viel. Sie haben den Computer weggesperrt und mich an die frische Luft geschickt. Vor rund einem Jahr habe ich nach einem Fotoshooting eine PSP-Konsole mit nach Hause nehmen dürfen - und da war sie dann wieder, die gute alte, längst vergessene Videospielbegeisterung.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit Games?

Im Moment nicht mehr so viel, da ich vor lauter Arbeit nicht dazu komme. Aber bis vor einem halben Jahr war es noch richtig heftig. Ich habe zwei Stunden täglich gezockt. Manchmal sogar länger.

Welche Spiele gefallen Ihnen am besten?

Sportspiele wie "Everybody's Golf" gefallen mir eigentlich am besten. Und Rennspiele. Grundsätzlich mag ich Spiele, bei denen logisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen gefordert und geschult werden. "Mädchenspiele" eben. (lacht)

Spielen Sie alleine oder lieber gemeinsam mit Freunden?

In der Regel zocke ich alleine. Meine Kollegen bei MTV interessieren sich ohnehin nicht für den virtuellen Spaß. Die spielen immer nur Tischkicker. Und das den ganzen Tag lang. Da frage ich mich manchmal schon, wann und ob die eigentlich auch mal arbeiten. Zusammen mit meinem Ex-Freund habe ich mal gezockt, aber das gab nur Streit. Wir haben das am Ende einfach zu ernst genommen. Seitdem bin ich Solospieler. Und Online-Games habe ich mir bis jetzt noch nicht angeschaut

Welche Elemente sind für Sie in einem Spiel wichtig?

Ganz klar: die Grafik. Man kann einfach viel besser in das Spielgeschehen abtauchen, wenn die Grafik realistisch ist.

Die Popularität von Videospielen steigt stetig. Sehen Sie in Zukunft ein Format im Bereich des Videospiels in einer der großen deutschen Sendeanstalten? Etwa eine Preisverleihung im Stile der MTV Music Awards?

Absolut. Mittlerweile gibt es doch für alles und jeden einen Award. Warum noch nicht für Games? So ein Format ist meiner Meinung nach längst überfällig, gerade wenn man bedenkt, wie viele junge Menschen spielen. Man müsste den Event auch gar nicht so groß aufziehen wie die MTV-Music- oder die MTV-Movie-Awards, da Musik und Film noch immer deutlich emotionalere Themen sind. Gerade was die Stars und Sternchen angeht.

Könnten Spiele Unterhaltungsmedien wie dem Fernsehen, dem Kino oder dem Radio in Zukunft den Rang ablaufen?

Das glaube ich nicht, da diese Unterhaltungsmedien viel zu unterschiedlich sind.

Computer- und Videospiele werden in der Gesellschaft sehr kritisch betrachtet. Wie sehen Sie die Diskussion?

Ich halte generell nichts von Verboten, auch ein Videospiel-Verbot bringt nichts. Denn selbst auf Spiele, die auf dem Index stehen, haben die jüngeren Jugendlichen durch ältere Freunde oder Geschwister Zugriff.

Zum konkreten Beispiel Emsdetten: Ich denke in diesem Fall haben sehr viele Faktoren zum Amoklauf geführt. Die Videospiele waren meiner Meinung nach nicht der Auslöser. Vermutlich fängt es - ein entsprechend labiler Charakter und ein negatives Umfeld vorausgesetzt - immer mit einer allgemeinen Frustration und Sinnleere an. Dann wird düstere, aggressive Musik angehört und es werden Ballerspiele gespielt. Was im Rückschluss aber nicht automatisch bedeutet, dass jeder, der diese Dinge tut, auch zu Aggressionen neigt. Wenn man ein zufriedenes Leben führt, ist man für so etwas nicht anfällig, denke ich.

Generell sind in kritischen Fällen die Eltern und Lehrer gefragt.

Was erwarten Sie von Computerspielen der Zukunft, und wie sieht Ihr Wunschspiel aus?

Meiner Vorstellung nach wird es schon sehr bald Videospiele geben, in denen man mitspeziellen Brillen und Ganzkörperanzügen noch tiefer in die Spielewelten abtauchen kann, sie förmlich am eigenen Leib spürt. Außerdem werden sich durch den raschen technischen Fortschritt natürlich Grafik und Design der Games rasend schnell weiter entwickeln.

Kommen wir zu Ihrer zweiten Leidenschaft, der Musik: Ray Cokes, einstiger Kultmoderator bei MTV, sagte kürzlich, dass Musikfernsehen heute vollgepackt mit "Pimp My Ride"-Formaten und dämlichen Datingshows sei. Es habe dadurch an Bedeutung verloren. Wie beurteilen Sie seine Aussage?

Musikfernsehen ist eben nicht mehr nur noch Musikfernsehen, sondern hat sich in Richtung Jugendfernsehen verändert. Wenn niemand diese Formate anschauen würde, dann würde es sie auch nicht geben. Der Zuschauer entscheidet letztlich. Bei vielen Formaten frage ich mich aber auch, wer sich diesen Blödsinn anschaut. Aber so funktioniert nun mal die Marktwirtschaft, die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Der Großteil der Sendezeit geht sowohl bei Viva als auch bei MTV immer noch an Musikvideos. In Amerika sieht die Situation völlig anders aus. Es gibt zwar MTV-Spartenkanäle, auf denen den ganzen Tag lang nur Musik läuft, aber auf dem Hauptsender MTV zeigen sie keine Videos mehr. Da muss man sich in der Tat schon fragen, wofür das "M" in MTV eigentlich noch steht.

Was halten Sie von Casting-Shows?

Das ist echt ein schwieriges Thema. In erster Linie geht es den Sendern natürlich darum, mit diesen Sendungen eine gute Quote zu erzielen. Der Sänger oder die Band, die gewinnen, bekommen eine gewisse Plattform. Doch von Staffel zu Staffel wird es schwieriger werden, langfristigen Erfolg zu erzielen. Ein Beispiel: Sowohl Album als auch Single von Tobias Regner sind auf Platz eins eingestiegen. Trotzdem hat sich schon vor der Veröffentlichung seiner zweiten Single kaum noch jemand für ihn interessiert. Vielleicht wäre die zweite Single mit mehr PR nicht gefloppt, aber die Medien waren zu diesem Zeitpunkt bereits inhaltlich weiter gezogen - zur vierten DSDS-Staffel, Mallorca-Castings und den aktuellen Gemütszuständen im Sexualleben des Dieter Bohlen. Es geht im Endeffekt eben nicht unbedingt um eine gute Stimme. Kernpunkt ist es, das satte, schnell gelangweilte Publikum zu unterhalten und Formate auszustrahlen, die das Interesse der Medien und der Fans langfristig an sich binden. Genau in diesem Prinzip begründet sich der Erfolg von Robbie Williams. Er ist ja wirklich nicht gerade der beste Sänger...

Ist also auch Monrose zum Scheitern verurteilt?

Ja, klar. Vor allem jetzt, da die No Angels zurück sind, wird es Monrose sehr schwer haben. Ich denke, dass es die Gruppe schon in einem Jahr nicht mehr geben wird. Dafür, dass ihr Sieg bei Popstars noch gar nicht so lange her ist, ist es doch jetzt schon verdächtig ruhig um sie geworden, oder?

Interview: Udo Lewalter