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Games Convention 2006: Mögen die Spiele beginnen

Europas größte Messe für Computer- und Videospiele öffnet in diesem Jahr zum fünften Mal ihre Pforten in Leipzig. stern.de sprach mit der Messeleitung über den Stellenwert der Ausstellung, heiße Hallen und enge Gänge.

Während der vergangenen fünf Jahre ist das Interesse an der GC stetig gestiegen. Alleine im vergangenen Jahr kamen an den vier Messetagen rund 30.000 Besucher mehr als im Vorjahr. Sollten die Besucherzahlen weitersteigen, stellt sich angesichts der bereits im vergangenen Jahr prall gefüllten Hallen die Frage, ob die Ausstellungsfläche in diesem Jahr nicht gnadenlos überfüllt sein wird.

Angela Schierholz: Aufgrund des erwarteten Zuwachses insbesondere im Publikumsbereich haben wir die Hallen zur GC 2006 neu strukturiert: Erstmalig sind die Plattformen auf unterschiedliche Hallen aufgeteilt - ebenso wie die eSports-Ligen und dazu die Publisher. Von der "Entzerrung" der Aussteller versprechen wir uns eine deutlich verbesserte Besucherführung - innerhalb der Hallen wie auch an den Fußgängerröhren.

Zusätzlich ist die belegte Fläche gestiegen, so dass ohnehin mehr Besucher Platz finden. Darüber hinaus öffnen wir zwei weitere Eingänge, die es Besuchern mit Karte erlauben, von den Parkplätzen direkt in die Hallen 4 und 5 zu gelangen, und wir öffnen erstmals das Freigelände hinter der Halle 4.

Das bauliche Konzept des Messegeländes ist ansprechend. Jedoch ergibt sich aufgrund der Glaskonstruktion zu Spitzenzeiten eine extreme Hitzeentwicklung innerhalb der Hallen. Planen Sie dahingehend Verbesserungen?

Josef Rahmen: Die Ausstellungshallen und das Congress Center Leipzig (CCL) sind selbstverständlich klimatisiert. Wir werden während der GC die maximale Kühlung und Luftleistung zur Verfügung stellen, so dass es hier keine Klimatisierungsprobleme geben sollte. Für die Eingangshalle West, welche über keine separate Kühlung im Hallenbereich verfügt, werden wir die Fußbodenkühlung sowie die Wasserberieselung der Glasflächen in Betrieb nehmen, so dass auch hier akzeptable Bedingungen herrschen. Die Eingangshalle West dient nur als Eingang. Es werden dort keine Aussteller in größerem Umfang vertreten sein.

Welche Bedeutung hat die Games Convention für die Leipziger Messe GmbH?

Josef Rahmen: Die GC ist Europas größte Veranstaltung für die Computer- und Videospieleindustrie und neben der E3 die wichtigste Veranstaltung für die Branche weltweit. Sie hat somit eine entsprechende Bedeutung für die Leipziger Messe und die Stadt Leipzig. Eine besondere wirtschaftliche Bedeutung hat sie für die Leipziger Messe aufgrund ihrer inzwischen beachtlichen Größe, vor allen Dingen aber durch ihr Zukunftpotenzial, welches sich sicherlich gemeinsam mit der Industrie weiterentwickeln lässt.

Es halten sich hartnäckig Gerüchte, die GC könnte zukünftig an einem anderen Standort stattfinden. Berlin wird dabei häufig genannt. Was sagen Sie dazu?

Angela Schierholz: Dass eine derart erfolgreiche Veranstaltung wie die GC Begehrlichkeiten weckt, ist nur natürlich. Wir arbeiten jedoch seit Jahren sehr eng und sehr gut mit der Industrie und den Verbänden zusammen. Angesichts der in jedem Jahr zufriedenen Aussteller, Besucher und Medien ist es eher unwahrscheinlich, dass sich eine ganze Industrie dazu entschließt, an einem anderen Messestandort eine neue Messe ins Leben zu rufen. Denn die Games Convention ist eine eingetragene Marke der Leipziger Messe.

Die bislang weltweit größte Spielemesse, die E3 in Los Angeles, wird sich verändern. Neuheiten werden der Presse und dem Handel künftig nur noch in einem kleinen Rahmen vorgestellt. Zudem soll die Messe nicht mehr im Mai, sondern im Juni oder Juli stattfinden. Was bedeutet dies die GC? Reagieren Sie auf die Veränderungen?

Angela Schierholz: Die GC wurde als Veranstaltung für den deutschsprachigen Raum konzipiert und hat sich über die vergangenen fünf Jahre zur führenden Veranstaltung Europas entwickelt. Sie wird allgemein als Leitmesse für Europa bezeichnet. Insbesondere wer im deutschsprachigen Raum etwas bewegen möchte, kommt an der GC nicht vorbei.

Wir haben für die GC gemeinsam mit der Industrie ein völlig eigenständiges Konzept entwickelt und uns nie als Wettbewerber zur E3 verstanden. Welche Auswirkungen die Konzeptänderung oder -anpassung der E3 letztendlich auf die GC haben wird, hängt nicht unwesentlich davon ab, wie dieses Konzept aussehen wird. Die aktuell vorliegenden Informationen sind aus unserer Sicht zu dürftig, als dass man darauf Prognosen für die Entwicklung einer eigenständigen Veranstaltung wie der GC aufbauen sollte.

Videospiele werden nicht selten kritisch betrachtet. Kann die Messe helfen, Vorurteile gegen das Unterhaltungsmedium abzubauen?

Angela Schierholz: Die GC hat ganz sicher eine beträchtliche imagebildende Komponente. Bevor die Branche mit der GC über eine eigene Plattform verfügte, herrschte bei vielen das Bild des Gamers als dicklichem und nicht sehr kontaktfreudigen Einzelgänger vor. Die GC beweist in jedem Jahr wieder sehr anschaulich, dass dieses Bild nicht passt. Die Erfolgsgeschichte der Veranstaltung zeigt auch, das Computer- und Videospiele nicht die Beschäftigung einer kleinen Gemeinde von Computerfreaks sind, sondern schon fast in jedem Haushalt zu finden sind: Ein Drittel der Deutschen spielt!

Interview: Udo Lewalter