HOME

Kinder im Visier von Microsoft: Internet, freigegeben ab sechs Jahren

Mit einem neuen PC speziell für Kinder wollen Microsoft und Samsung Lerncomputer vergessen machen. Doch einfacher wird es für die Erwachsenen nur, wenn sie Datenschutz und internet in die Händer des Softwareherstellers legen.

Von Nikolaus Hammerschmidt, Hannover

Eltern sein kann hart sein. Vor allem wenn es darum geht, die eigenen Kinder vom Internet wegzuzerren. Wenn laut einer Studie 71 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen zuhause das Internet nutzen und schon 27 Prozent der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren einen eigenen Kindercomputer haben, dann ist jeder Versuch zwecklos.

Der neue Kinder-PC, den die Hersteller Microsoft und Samsung am Montag auf der Cebit präsentierten, könnte aber Abhilfe schaffen: Hier richten die Eltern ein Nutzerkonto für ihre Kinder ein und bestimmen selbst die Nutzungszeit. Ein elektronischer Filter soll außerdem dafür sorgen, dass die Kinder nur Webseiten aufrufen können, die von den Eltern freigegeben worden sind. Das Gerät ist nach Angaben der Hersteller speziell auf Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren zugeschnitten und soll in der zweiten Jahreshälfte exklusiv in Deutschland auf den Markt kommen. Ein Preis steht noch nicht fest.

Microsoft und Samsung wollem mit dem Kinder-PC einen kaum entwickelten Markt erschließen. Wachsende Jugendschutzbedenken der Eltern und das zugleich steigende Bedürfnis der Kinder, das Internet zu nutzen, öffnen die Marktlücke. "Das A und O für den Erfolg dieser Kinder-PCs ist der Jugendschutz", sagt Werner Lenzner, Direktor für Zentraleuropa beim Marktforschungsunternehmen NPD Group. "Viele Eltern wären beruhigt, wenn es wirksame Schutzmechanismen gäbe." Der Kinder-PC von Microsoft und Samsung soll als Vertreter einer neuen Generation von Kindercomputern solche Sorgen zerstreuen.

Ablösung der Lerncomputer

Internetfähige und "jugendfreie" Netbooks könnten die alten Lerncomputer-Laptops ablösen, die den Gipfel der Beliebheit Ende der 90er-Jahre erreichten. Der Kinder-PC läuft mit dem Betriebssystem Windows 7. Es ist mit einer speziellen Software ausgestattet, mit der die Eltern den Freiraum für die Internetnutzung individuell anpassen können. Dazu gehört der Windows-Live-Kindermessenger, mit dem Kinder nur mit Kontakten chatten können, die vorher von den Eltern freigegeben wurden. Mit Fragfinn, einer eigens für Kinder entwickelten Suchmaschine, sollen die Kinder zudem ohne Bedenken der Erziehungsberechtigten surfen können.

Darüber hinaus gibt es weitere Programme, die Eltern für ihre Kinder installieren können. Wem das allerdings zu kompliziert ist, kann auch die automatische Konfiguration nutzen. Dazu muss er beim Einrichten des Kontos nur Alter und Namen des Kindes eingeben. Dann wäre Eltern sein doch nicht ganz so hart. Doch wer sich nicht auf Microsofts Gespür für Datenschutz und Internetsicherheit verlässt, muss auch weiterhin alles persönlich anpassen.

FTD
Themen in diesem Artikel