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Microsoft: Die zweite Karriere des Bill Gates

Microsoft steckt in der Krise, der Gründer geht trotzdem. Am 30. Juni hat Bill Gates seinen letzten Arbeitstag, nach über 33 Jahren an der Spitze des Unternehmens. Ab 1. Juli will er vorwiegend Wohltäter sein. Ist der Wachwechsel ein schlauer Schachzug?

Von Karsten Lemm, San Francisco

Am 1. Juli wird der drittreichste Mann der Welt aufstehen und zur Arbeit gehen. Wie immer - nur mit einem kleinen, feinen Unterschied: Statt 80 Prozent seiner Zeit Microsoft zu widmen und 20 Prozent der Bill & Melinda Gates-Stiftung, wird es fortan genau umgekehrt sein: 80 Prozent Einsatz für die Wohltätigkeit, 20 Prozent für das Wohl der Firma, an deren Spitze er seit über 33 Jahren stand, erst als Mitgründer und Vorstandschef, seit 2000 dann als Aufsichtsratsvorsitzender. "Es ist einfach nur ein Umschalten", erzählte Gates, ganz Programmierer, der in Einsen und Nullen denkt, einer Gruppe von Zuhörern vor wenigen Wochen bei einem Cocktail-Empfang am Rande der "D: All Things Digital"-Konferenz in Carlsbad bei San Diego.

Wer den 52-Jährigen dort so stehen sah - mit offenem Kragen, in der Linken ein Glas Weißwein, rechts das Jackett locker über den Arm geworfen, die Haare wie immer zerzaust -, der konnte den Eindruck bekommen, das Umschalten liege schon hinter Gates. Entspannt plauderte der Multimilliardär über Software-Welt und Familie, erzählte von E-Mail-Memos, die er schreibe, und den Kindern, die er dreimal pro Woche zur Schule bringe; berichtete von Plänen, nächstes Jahr mit seiner Frau Melinda und den drei Sprösslingen eine ausgedehnte Europa-Reise zu unternehmen, und spielte, ganz nebenbei, seinen Quasi-Rückzug aus dem Tagesgeschäft bei Microsoft herunter, so gut es eben ging.

Den 1. Juli habe er "schon vor vielen Jahren" als Stichtag für seinen Rollenwechsel ins Auge gefasst, versicherte Gates, und niemand müsse sich Sorgen um das Wohlergehen des Unternehmens machen. Schließlich stehe mit Vorstandsboss Steve Ballmer ein erfahrener Mann an der Spitze: "Steve ist genauso sehr Microsoft-Gründer wie ich", sagte Gates. "Er fing bei uns an, als der Umsatz kaum mehr als ein Rundungsfehler war." Gates gründete die Firma 1975 mit seinem Schulfreund Paul Allan, Ballmer stieß 1980 dazu. Damals kam Microsoft auf 8 Millionen Dollar Jahresumsatz, heute sind es über 50 Milliarden (etwa 32 Milliarden Euro), immer noch mit wachsender Tendenz - und doch stellt sich die Frage, ob Gates womöglich genau in dem Moment abtritt, in dem ihn sein Unternehmen und dessen 79.000 Mitarbeiter am meisten brauchen.

Microsoft verliert zunehmend an Bedeutung

"Microsoft steht am Scheideweg", sagt der Finanzexperte Paul Kedrosky, ein langjähriger Kenner der Firma. "Und von allen Seiten rasen Schwerlaster heran." Zwar dominiert der Softwaregigant nach wie vor das Geschäft mit PC-Software, doch das verliert in der vernetzten Welt des 21. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Windows und Office sind Microsofts Goldesel, mit ihnen verdient der Software-Riese zwei Drittel seiner Einnahmen - und beide sehen plötzlich sehr verwundbar aus. Vista, Nachfolger des derzeitigen Windows XP, gilt trotz 140 Millionen verkaufter Exemplare als Reinfall: Anderthalb Jahre nach Verkaufsstart zögern immer noch viele Unternehmen, ihre Rechner auf das aktuelle Microsoft-Betriebssystem umzustellen. Selbst Intel, traditionell einer der engsten Partner der Softwareschmiede aus Redmond bei Seattle, verzichtet auf Vista und will lieber auf den Nachfolger "Windows 7" warten, der im Januar 2010 auf den Markt kommen soll.

"Vista hat sich als enorme Enttäuschung erwiesen", urteilt Roger Kay, Präsident der Unternehmensberatung Endpoint Technologies Associates. Zu schwerfällig sei dieses neue Windows, klagen Nutzer, zu umständlich, und noch immer funktionierten nicht alle Drucker und andere Geräte. "Falls Windows 7 nicht besser wird, droht ein zweiter Flop in Serie", sagt Kay. Und das kann Microsoft sich nicht leisten, weil Windows längst nicht mehr so unentbehrlich ist wie früher: Wer E-Mails schreiben, Online-Videos schauen oder Flickr-Fotos ansehen will, kann das genauso gut auf einem Rechner mit Macintosh- oder Linux-Betriebssystem - oder sogar auf seinem Mobiltelefon.

Das zweite Microsoft-Standbein, Office, wackelt ebenfalls, weil viele Aufgaben, für die man bisher Word, Excel oder PowerPoint brauchte, sich neuerdings mit Hilfe von Internetdiensten wie Google Docs erledigen lassen. Das kostet in der Regel keinen Cent - während Microsoft für sein Büropaket Hunderte von Euro verlangt. "Es ist absehbar, dass Microsofts Kerngeschäft immer mehr an Wert verlieren wird", sagt Roger Kay. Der Firma bleibe "nur noch eine begrenzte Zeit", um sich neu zu erfinden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum der Zeitpunkt des Rückzugs nicht perfekt gewählt ist und wie man sich in der Zukunft an Bill Gates erinnern wird.

Fehlschläge in der Online-Welt

An Versuchen mangelt es nicht: Die Xbox soll Microsoft helfen, das Wohnzimmer zu erobern; Windows Mobile steckt mittlerweile in jedem fünften US-Smartphone; die "Server and Tools"-Abteilung mischt im Geschäft mit Internet-Großrechnern mit. Doch all das verblasst im Vergleich zu Microsofts Fehlschlägen in der Online-Welt. "Obwohl die Firma seit Jahren Milliarden investiert, kommt sie nicht vom Fleck", sagt Paul Kedrosky. Der Versuch, Yahoo zu schlucken, wirkte da fast schon wie ein Verzweiflungsakt: Mehr als 40 Milliarden Dollar bot Microsoft für den Internetrivalen aus dem Silicon Valley, weil seine eigenen Dienste MSN und Live.com weit hinter Google, YouTube, MySpace und anderen Dot-com-Stars zurückbleiben. Am Ende, als Yahoo sich zu sehr zierte, zog Microsoft-Boss Steve Ballmer sein üppiges Angebot zurück.

Dennoch hält niemand den Übervater davon ab, ausgerechnet jetzt zu seiner Stiftung zu wechseln. Für Beobachter keine Überraschung - sie zweifeln, dass Gates der Richtige wäre, sein Unternehmen neu auszurichten. "Bill ist in einer Zeit aufgewachsen, in der Software in Regalen stand und in Pappkartons verkauft wurde", sagt der Zukunftsforscher Paul Saffo, der Gates seit langem kennt. "Sein Instinkt, wenn es um das Internet geht, ist nicht besonders gut. Es hilft eher, dass er zur Seite tritt." Paul Kedrosky stimmt zu: "Bill Gates hat viele Gaben, aber er ist kein Visionär", sagt der Finanzexperte. "Seine Zeit als Firmenlenker liegt hinter ihm." Microsoft-Kenner vermuten ohnehin, dass Gates sich seit langem Stück für Stück von seinem Unternehmen entfernt hat. "Steve Jobs stürzt sich in jeden neuen Tag, weil er es liebt, an der Spitze von Apple zu stehen", sagt Roger Kay. "Bill Gates dagegen hat inzwischen viele andere Interessen: seine Familie, Politik, Soziales, Philanthropie."

Gemeinnützige Arbeit lief bisher nebenbei

Mit einem Vermögen von über 37 Milliarden Dollar gehört die Bill & Melinda Gates-Stiftung zu den größten gemeinnützigen Einrichtungen der Welt. Gates selbst besitzt noch einmal 58 Milliarden Dollar und landet damit aktuell auf Platz drei der "Forbes"-Liste der Superreichen, hinter seinem Freund Warren Buffett und dem Mexikaner Carlos Slim. Die Stiftung hat bereits Hunderte von Millionen in Programme zur Malaria-Impfung in Afrika, Geburtshilfe und Fortbildung von Minderheiten gesteckt, aber ihre Arbeit lief für Gates bisher eher nebenbei - 20:80 eben, sie bekam ein Fünftel seiner Aufmerksamkeit. Das war nicht genug, glaubt Paul Saffo. "Die Stiftung leistet gute Arbeit, aber sie hat sich bisher nicht besonders kreativ gezeigt", sagt er. Künftig jedoch bestehe die Hoffnung, dass die wohltätige Einrichtung von ihrem Gründer mehr bekomme als nur Geld, damit die Milliarden sinnvoll investiert würden.

"Geld zu verschenken ist schwer, es ist harte Arbeit", erklärt Saffo, denn angesichts der Probleme, die sich der Welt stellen, könnten selbst Gates' Milliarden schnell verpuffen. "Bills Ziel muss es sein, dass seine Spenden messbare Erträge liefern - andernfalls würde er nur seine Zeit verschwenden." Doch Saffo ist optimistisch, dass Mr Microsoft eine blühende zweite Karriere als Wohltäter bevorsteht - vielleicht sogar eine, die später einmal seine ursprüngliche überstrahlen wird. "In hundert Jahren wird man sich an Bill Gates erinnern, so wie wir uns heute an Andrew Carnegie erinnern", sagt der Zukunftsforscher voraus.

Das heißt: Der Menschenfreund mit tiefen Taschen überstrahlt den Unternehmer. Carnegie wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit Stahl zu einem der reichsten Männer der Welt, widmete sich dann der Aufgabe, seinen Reichtum gemeinnützig unters Volk zu bringen. Heute lebt sein Name unter anderem in Form der Carnegie Hall in New York und der Carnegie Mellon University in Pittsburgh weiter. Bill Gates könnte es einmal ähnlich gehen, glaubt Saffo. "Er wird als der Mann gelten, der Philanthropie für das 21. Jahrhundert neu erfunden hat."

Wenn das kein Grund ist, am 1. Juli frisch und fröhlich zur Arbeit zu gehen - selbst wenn das Bankkonto es nicht unbedingt verlangt.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.