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Microsoft: Nach der Vista-Party droht ein Kater

Microsoft feiert den Marktstart seines neuen Betriebsprogramms Vista, begleitet von großem Marketingaufwand. Experten haben aber schon erste Sicherheitslücken entdeckt. Und auch aus Brüssel droht Microsoft Ärger.

Akrobaten entfalteten hoch über den Straßen von New York das Windows-Logo und in einem Theater am Times Square sorgten zwei explosiv laute Rockbands für Partystimmung: Der Software-Gigant Microsoft hat am Montag von New York bis Redmond den lange verzögerten Start seines Betriebsprogramms Windows Vista gefeiert. Der Microsoft-Vorsitzende Bill Gates verwies nach den diversen Rückschlägen in der Entwicklung darauf, dass Windows eine Evolution von einer verbesserten Schreibmaschine zum mit einem Netzwerk verbundenen Unterhaltungszentrum, persönlicher Medienbibliothek und Tor zum Internet hinter sich habe. "Wenn die Leute an ihren PC denken, dann mehr an Windows als den Hersteller (des Geräts)", sagte Gates.

Acht Wochen nach dem Start für Unternehmenskunden können sich ab Dienstag auch Privatleute Vista auf den Computer spielen. Menschenschlangen vor Software-Geschäften werden allerdings nicht erwartet. In der Regel kaufen Endverbraucher das Betriebssystem zusammen mit einem neuen Computer. Den dürften die meisten Kunden wegen der großen Ansprüche, den die Software an den Rechner stellt, allerdings auch brauchen. Um problemfrei zu laufen und alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können, fordert Vista mindestens ein Gigabyte Arbeitsspeicher - ungefähr doppelt so viel, wie die meisten Geräte auf dem Markt bislang haben.

Vista kostet bis 549 Euro

In Deutschland wird Microsoft die verschiedenen Vista-Vollversionen für einen Preis zwischen 259 und 549 Euro den Privatkunden anbieten, wie das Unternehmen am Montagabend in München mitteilte. Die Vollversionen des Anwendungssoftwarepakets Office 2007, das gleichzeitig mit Vista auf den Markt kommt, kosten zwischen 169 und 849 Euro.

Wie schnell und zahlreich die Nutzer aber auf Vista - und damit wahrscheinlich auch auf neue Computer - umsteigen, will Microsoft selbst nicht voraussagen. Der Konzern verweist auf die Marktforscher von IDC, die damit rechnen, dass im ersten Jahr weltweit etwa 100.000 Computer mit Vista ausgerüstet werden. In Deutschland soll die Markteinführung des Systems 14.000 neue Arbeitsplätze schaffen, prognostiziert IDC.

Microsoft warb am Montagabend damit, das Betriebssystem so stark gegen Viren und Hackerangriffe abgeschottet zu haben wie kein anderes Produkt zuvor. "Bei den Sicherheitsfeatures sind wir einen Riesenschritt vorangekommen", sagte der designierte Deutschland-Chef Achim Berg. Ob Vista tatsächlich aber so viel sicherer gegen Attacken von außen ist wie Microsoft hofft, ist fraglich. Medienberichten zufolge haben Experten vier Wochen nach der Einführung der Version für Unternehmenskunden eine erste größere Lücke entdeckt. Demnach können normale Nutzer in Firmennetzwerken Zugriffssperren im System umgehen und sich zum Administrator aufschwingen. Mit den damit verbundenen weitreichenden Änderungsbefugnissen könnten Hacker vor Ort Daten abrufen oder ganze Systeme lahmlegen.

Beschwerde gegen Microsoft

Eine Gruppe von IT-Firmen hat die EU-Kommission mit Blick auf die Einführung des neuen Betriebssystems Windows Vista aufgerufen, gegen die "llegalen Praktiken"von Microsoft einzuschreiten. Die EU-Kommission solle so schnell wie möglich über eine Beschwerde vom Februar vergangenen Jahres entscheiden, in der Microsoft vorgeworfen wurde, seine bisherige Monopolstellung auszubauen und die Dominanz auf andere Bereiche des Internets auszudehnen. Praktiken, die schon vor drei Jahren für illegal erklärt worden seien, würden mit Vista vorgesetzt, erklärte das Europäische Komitee für Interoperable Systeme (European Committee for Interoperable Systems - ECIS).

ECIS vertritt IBM, Nokia, Sun Microsystems, RealNetworks und Oracle sowie den norwegischen Browser-Hersteller Opera und die Linux-Firmen Red Hat und Linspire. Microsoft hatte gegen die Entscheidung der EU-Kommission Einspruch eingelegt. Erwartet wird nun ein Urteil des Europäischen Gerichts Erster Instanz.

Konkret bemängelte ECIS den Einsatz der Microsoft-eigenen Standards für die Veröffentlichung von Dokumenten im Internet. Diese Programmiersprache ziele darauf ab, den branchenweiten Standard HTML abzulösen. Die Sprache basiere aber auf Windows und bringe damit Konkurrenzsysteme wie Linux ins Hintertreffen.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters