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Neues Mac-Betriebssystem "Lion" Gut gebrüllt, Löwe


Apples neues Betriebssystem "Lion" ist da. Mit an Bord: automatisches Speichern, neue Fingersteuerungen, iPad-Ansicht. stern.de erklärt die wichtigsten Neuerungen und worauf Nutzer achten müssen.
Von Christoph Fröhlich

Lange wurde über den Termin gerätselt, jetzt lässt Apple den Löwen aus dem Käfig: Das neue Macintosh-Betriebssystem OSX 10.7, besser bekannt als "Lion", ist ab sofort exklusiv im Mac App Store erhältlich. Damit beweist Apple Mut: Das Betriebssystem wird nicht mehr auf DVD verkauft, sondern nur noch im hauseigenen Softwareladen. Rund 4 Gigabyte umfasst das Softwarepaket, Interessenten sollten über eine schnelle Internetleitung verfügen. Doch der Umstieg lohnt sich: Knapp 250 neue Funktionen und Änderungen spendierte Apple seinem neuen Flaggschiff, dass zum Kampfpreis von 23,99 Euro angeboten wird.

Die wichtigsten Änderungen

Die meisten Änderungen gibt es an der Benutzeroberfläche. Das neue Programm "Mission Control" führt Dashboard, Exposé, Spaces und die aktuell geöffneten Apps in einer Ansicht zusammen. Das sorgt für mehr Übersicht und einen besseren Arbeitsablauf. Auch die Standard-Programme wie der E-Mail-Dienst Mail oder der Kalender iCal werden optisch aufgefrischt. So wird Mail in der neuesten Version an sein Pendant auf dem iPhone/iPad angepasst: In der linken Spalte finden sich jetzt E-Mails mit Absender, Titel und den ersten Sätzen der Nachricht. In der rechten Spalte ist dadurch mehr Platz für die Darstellung der E-Mail, sodass Breitbild-Monitore besser genutzt werden.

Überhaupt hat sich Apple für Lion sehr an seinem mobilen Betriebssystem iOS orientiert. Das "Launchpad" ist ähnlich aufgebaut wie der Home-Screen auf Apples mobilen Geräten, sämtliche Apps werden in einer bildschirmfüllenden Ansicht präsentiert. Wie bei iOS können thematisch ähnliche Apps in Ordnern zusammengefasst werden, beispielsweise "Spiele", "Fotobearbeitung" oder "Produktivität". Allerdings bleibt bei vielen installierten Programmen die Übersicht schnell auf der Strecke. Für Launchpad-Verweigerer gibt es weiterhin die klassische Programmübersicht.

Praktisch ist auch die neue Resume-Funktion: Nach einem Computer-Neustart machen alle Anwendungen da weiter, wo sie aufgehört haben. Das spart Zeit, denn das System öffnet automatisch Dokumente oder den Browser, selbst der Cursor ist an der gleichen Stelle wie zuvor. Auch neu: Fenster können jetzt nicht nur in der unteren rechten Ecke in der Größe verändert werden, sondern in allen vier.

Neue Features für Finger-Freunde

Ungewöhnlich ist, dass es keine klassischen Scrollbalken mehr gibt. Statt einem blauen gibt es nun entweder gar keinen oder lediglich einen schmalen, grauen Balken, ganz wie auf dem iPhone. Besitzern eines Macbooks oder eines Magic-Trackpads spendiert Apple neue Multitouch-Gesten. Streicht man beispielsweise mit drei Fingern über das Trackpad nach oben, startet sich die neu eingeführte Mission Control. Der Sinn dahinter: Nutzer, die auf dem iPhone auf Gesten zurückgreifen, sollen die auch auf Apples Rechnern verwenden können. Insgesamt 14 Gesten bietet "Lion", die auf Wunsch in einem kurzen Video erklärt werden.

Was viele Mac-Nutzer verwirren könnte, ist die neue Scroll-Richtung: Bisher mussten Balken beziehungsweise die Finger nach unten gezogen werden, um nach unten zu scrollen. Auf dem iPhone und iPad war das schon immer umgekehrt, der Finger und damit der Bildschirm musste nach oben geschoben werden. Jetzt macht es Apple einheitlich: Die iPhone-Steuerung gibt es jetzt auch bei "Lion". Wer sich an die neue Scroll-Richtung nicht gewöhnen will, kann über die Systemeinstellungen zum alten Muster zurückkehren.

Gespeichert wird automatisch

Wer häufiger das Speichern vergisst, für den ist Apples neues Betriebssystem ein echter Segen: Sämtliche Dateien werden jetzt in einem festgelegten Zeitabstand automatisch gesichert, auf Wunsch können Nutzer auch auf ältere Versionen zugreifen. Um die vorherigen Versionen einer Datei zu öffnen, muss der Nutzer nur mit der Maus auf den Dateinamen gehen. Danach wird ein kleines Dreieck rechts neben dem Dateinamen sichtbar, dass nach einem Klick ein Pop-Up-Fenster mit sämtlichen Sicherungskopien offenbart. Ähnlich wie beim Backup-Dienst Time Machine kann man wie in einem Zeitstrahl auf die vorangegangenen Datei-Versionen zugreifen. So kann beispielsweise der gelöschte Absatz eines Dokuments oder ein bearbeitetes Foto gerettet werden, ohne dass die Datei wiederhergestellt werden muss. Die Funktion ist etwas versteckt, aber ungemein praktisch. Allerdings müssen die Programme die neue Funktion auch unterstützen. TextEdit, Pages oder die Vorschau tun das bereits, andere Programme werden in den nächsten Wochen sicherlich folgen.

Noch sicherer?

Auch in punkto Sicherheit soll Apple deutlich zugelegt haben. So hat Apple laut der Computer-Zeitschrift "c't" während der Entwicklung externe Sicherheitsexperten beauftragt, "Lion" auf Herz und Nieren zu testen. Ob die Sicherheit jetzt allerdings wirklich besser ist, wird sich im Praxistest zeigen. Auch die Verschlüsselungs-Software FileVault wurde überarbeitet: So können jetzt auch externe Medien wie USB-Sticks im Hintergrund verschlüsselt werden. Ebenso die Backups von Time Machine.

Nicht alle Programme laufen fehlerfrei

Viele Programme müssen beim ersten Start zunächst aktualisiert werden, um auf "Lion" ohne Probleme zu funktionieren. Doch nicht alle Hersteller haben ihre Software bereits auf den neuesten Stand gebracht: Zwar haben namhafte Hersteller wie Adobe den Großteil ihrer Programme bereits aktualisiert, dennoch gibt es auch hier einige Probleme. Laut dem Blog "RoaringsApps", der die Kompatibilität verschiedener Mac-Programme mit "Lion" untersucht, läuft beispielsweise Adobe Flash Professional CS5.5 oder das Spiel "Age of Empires 2: Gold Edition" nicht oder nur mit einigen Aussetzern. Auch einige Apps kleinerer Hersteller sind noch nicht auf dem neuesten Stand. Wollen Sie auf bestimmte Programme nicht verzichten, können Sie hier prüfen, ob das Betriebssystem gefahrlos aufgerüstet werden kann.

Neue Software für neue Hardware

Im Zuge der Veröffentlichung von "Lion" restauriert Apple auch sein ultradünnes Notebook Macbook Air sowie den Mac Mini. So hat der kleine Desktop-Rechner den neuen Highspeed-Anschluss Thunderbolt, schnellere Prozessoren und eine bessere Grafikkarte. Auch das Notebook ist wesentlich schneller und nutzt den Thunderbolt-Anschluss. Beide Computer werden selbstverständlich mit "Lion" ausgeliefert.


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