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PS3-Start in den USA: "Nach Hause, duschen, spielen"

Knapp eine Woche nach dem Verkaufsstart in Japan ist die Playstation 3 auch in den USA erhältlich. Die härtesten unter den Fans campierten tagelang vor den Elektronikmärkten. Doch nicht alle wollen nur spielen.

Über seinen Kopf hält er sie und strahlt: Angel Paredes, 31 Jahre alt, Aktienhändler, hat drei Tage und Nächte vor dem Sony Plaza in New York ausgeharrt, um die Playstation 3 sofort am Verkaufsstart in den USA zu ergattern. Er ist so früh gekommen, dass er die Schlange von 500 Leuten anführte und von hochrangigen Sony-Managern persönlich die neue Spielkonsole in die Hand gedrückt bekam. Gegenleistung dafür: in die Kameras lächeln und sich öffentlich freuen. "Meine komplette Familie hält mich für total verrückt", verrät Paredes der New York Times. Mit diesem Problem ist er bestimmt nicht alleine. Überall im Land gab es vor Elektronikgeschäften Schlangen mit Videospielfans, die erst jede Menge Zeit und dann auch noch 500 bis 600 Dollar - je nach Größe der eingebauten Festplatte - investierten, um die nach der Xbox 360 zweite der so genannten Next-Generation-Konsolen in die Hände zu bekommen.

Was die Wartenden mit dem Gerät tun, wenn sie es denn haben, hat aber nicht notwendigerweise etwas mit Spielen zu tun. Vielen geht es schlicht ums Geschäft. Sie verkaufen die Geräte weiter und spekulieren auf Lieferschwierigkeiten bei Sony gepaart mit einer Riesennachfrage wegen Weihnachten. "Ich verkaufe meine bei Ebay", bekennt der 27-jährige Student Neal Chung-Yee freimütig gegenüber der New York Times. Andere setzen eher auf Online-Anzeigenblätter wie Craigslist.

Weiterverkaufen hat Tradition

"Hier sind einige fanatische Videospieler und andere, die wissen, dass man ein gutes Geschäft machen kann", sagt Jesse aus San Francisco, "Ich bin beides". Der 32-Jährige erzählt dem Online-Magazin CNet, dass er schon im Jahr 2000 beim US-Start der Playstation 2 der Dritte in der Schlange gewesen sei. Für die begehrte Konsole habe er kurz danach 3500 Dollar bekommen - bei einem Einkaufspreis von rund 300 Dollar.

Ähnliches berichteten Reporter vom Japan-Start der PS3 am vergangenen Wochenende. Dort standen zwischen den Hardcore-Fans und geschäftstüchtigen Schülern auch jede Menge Chinesen. Und zwar im Auftrag von Händlern. Aufgefallen sind die stellvertretenden Schlangesteher, weil sie auf die Fragen der Journalisten nicht antworten konnten.

Angel Paredes käme so ein Verhalten nie in den Sinn. Auf die Frage der New York Times, was er als nächstes tue, antwortet er: "Nach Hause gehen, duschen, spielen."

Ralf Sander
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