HOME

SCHEIBE: Eindrücke der Woche

So eine Woche geht schnell vorüber. Erst im Rückblick merkt man, was passiert ist. Kolumnist Carsten Scheibe ärgerte sich über dreiste Sexwerbung und freute sich über die Gutscheinflut in seiner E-Mail-Post.

Allzu pfiffige Sexwerbung

Ich bin bereits daran gewöhnt, jeden Morgen knapp zwanzig Sex-Werbe-Mails aus meinem E-Postfach löschen zu müssen. Völlig hemmungslos bewerben die Online-Sexisten da ihre Rammel&Stöhn-Kameras und locken mich mit wüsten Vokabeln in ihre Lasterhöhlen voller Höhlenforscher-Bilder. Die entsprechenden Spam-Mails sind drei Meilen gegen den Wind zu erkennen und entsprechend schnell gelöscht.

Doch die Sexperten rüsten auf. Plötzlich bekomme ich lauter persönliche Mails von großen Sexclubs. Die wollten sich nur mal so wieder bei mir melden, weil ich doch vor Jahren schon einmal zahlendes Mitglied war. Jetzt bieten sie mir an, aus nostalgischen Gründen doch für ein paar Tage in den Online-Club hineinzuschnüffeln. Natürlich gratis. Leider hat das generöse Angebot zwei Haken. Ich war nämlich noch nie Mitglied in den Sexclubs, die mich da anschreiben. Und außerdem verwandelt sich die Gratis-Schauerei nach mehreren Tagen in ein gebührenpflichtiges Abonnement. So dumm bin ich ja nun auch wieder nicht.

Noch pfiffiger ist eine neue Form der Sex-Werbung. Da bekomme ich plötzlich persönliche Mails von einzelnen Mädchen. Claudia schreibt mir da etwa: »Lieber Carsten, ich habe dein Profil in einem Chatraum gefunden und finde dich sehr sympathisch. Wenn du auch locker drauf bist und es mit der Treue nicht so genau nimmst, dann besuch mich doch mal auf meiner Homepage.« Ich muss wohl nicht extra betonen, dass auf der Homepage wieder einmal nur Zahlemann & Söhne auf mich warten?

PDF als internationaler Standard

Vor ein paar Tagen rauschte die Nachricht in unser Redaktionsbüro, dass der Verband für Informations- und Bildverarbeitung (AIIM) vorgeschlagen hat, das Portable Document Format (PDF) des Software-Hauses Adobe in den Rang eines internationalen Standards zu befördern. Der Grund liegt auf der Hand: Das Format eignet sich bestens zur Langzeitarchivierung von wichtigen Dokumenten und kann Texte, Bilder und Fotos in einer gemeinsamen Datei versiegeln. Außerdem können die Dateien plattformübergreifend geöffnet werden - nur mit Hilfe eines kostenlosen Tools, dem Acrobat Reader.

Der Vorstoß des Verbandes macht Sinn. Wir könnten uns ein Leben ohne PDF im Büro schon gar nicht mehr vorstellen. Früher mussten die Layouter der PC-Magazine uns immer die fertig gesetzten Seiten als Ausdruck mit der Post zuschicken, damit wir die Gestaltung unserer Texte noch einmal begutachten konnten.

Heute landet stattdessen eine PDF-Datei in unserem E-Mail-Postfach - mit reduzierter Auflösung der eingebundenen Bilder, damit die Datei nicht allzu groß wird. Schnell sind die Seiten auf dem Farbtintenstrahldrucker ausgegeben. Anschließend können wir die Seiten sichten, Fehleranmerkungen in den Ausdruck schreiben und die Papiere an die Layouter zurückfaxen.

Viele PC-Magazine sammeln inzwischen sogar ältere Ausgaben als PDF auf einer CD. PDF-Dateien liegen vielen Programmen als Handbuchersatz bei. Und auch im Internet sind immer häufiger PDFs zum Herunterladen oder zum Anzeigen im Browser zu finden. Wenn man mich fragt, so muss das Portable Document Format nicht erst zum Standard erhoben werden - es ist bereits de facto der Standard. Nicht nur in unserer Redaktionswelt.

Einkaufen mit Gutscheinen

Ich bin ja per se ein leidenschaftlicher Online-Shopper, weil ich gar nicht mehr die Zeit finde, meinen Redaktionskeller zu verlassen und von Falkensee nach Berlin zu fahren. Im Internet kann ich die Preise von mehreren Online-Shops per Mausklick miteinander vergleichen. Da das Porto eh meistens flachfällt, habe ich beim Internet-Einkauf keine Nachteile und spare durch den Vergleich sogar noch viel Geld.

Doch die Zeiten stehen auf Rezession und alle Kaufhäuser - auch die im Internet - müssen sich mehr um ihre Kunden bemühen. In der letzten Woche habe ich wohl aus diesem Grund zahlreiche Gutscheine per Mail erhalten. Amazon.de mailt mir erst einen 6-Euro-Gutschein zu, weil ich die »Herr-der-Ringe-DVD« vorbestellt hatte. Dann noch ein 5-Euro-Gutschein, einfach so. Parallel erhalte ich vom DVD-Palace.de gleich zwei Mails mit weiteren 5-Euro-Gutscheinen, die ich ebenfalls bei Amazon.de einlösen kann.

Noch mehr Kohle gibt es von MyToys.de, die sich mit einem 5-Euro-Gutschein einen Besuch von mir erkaufen wollen. Eben kommt noch ein neuer 10-Euro-Gutschein hinein, den ich bei einem mir unbekannten Online-Shop einlösen kann. Ich sammle alle Gutscheine und freue mich, beim nächsten Kauf eine Menge Geld sparen zu können. Wegen mir können sich gerne all die vielen Erotik-Spams in meinem Postfach in virtuelle Gutscheine verwandeln.

Tote Hose auch bei den Viren-Programmierern

Experten meinen, dass in diesem Jahr bislang nur fünf Prozent neue Viren gemeldet werden konnten. Sonst werden in jedem Jahr bis zu 50 Prozent neue Viren entdeckt, die das Netz unsicher machen und für Milliardenschäden sorgen. Werden etwa auch die Viren-Schwachmaten von der allgemeinen Krise gebeutelt, die vor allem im IT-Bereich einen Arbeitsplatz nach dem anderen vernichtet? Das wäre doch einmal eine positive Begleiterscheinung der Computer-Rezession. Obwohl der Wegfall der Feinde vor allem die Hersteller der Virenscanner arg beutelt. Die müssen inzwischen jeden kleinen Skriptvirus zur allgemeinen Weltbedrohung aufpäppeln, um weitere Updates ihrer Software verkaufen zu können.

Carsten Scheibe

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.