HOME

Scheibes Kolumne: Bürokratische Exzesse

stern.de-Mitarbeiter Scheibe ist verzweifelt. Die Bürokratie sorgt dafür, dass er viel zu viel Zeit auf Vorgänge verschwenden muss, die eigentlich in Sekunden erledigt sein sollten. Warum ist es nur immer so, dass jede Automatisierung so unglaublich viele Nachteile nach sich ziehen muss?

Auf den Sonntag freue ich mich schon immer. Da spielen wir Männer Fußball mit den Kindern. Der "richtige" Fußballverein ist nämlich der Meinung, dass drei Mal Training in der Woche einfach sein müssen - zusätzlich zum Pflichtspiel am Wochenende. Vier Fußball-Termine in der Woche sind mit der Schule aber völlig unvereinbar. Also haben wir für eine Alternative gesorgt. Im Nachbarort mieten wir uns für 20 Euro einen kleinen Außen-Fußballplatz und rücken dann am Sonntag immer an - gut und gerne zehn Kinder und drei bis vier spielfreudige Papas. In der glühenden Sonne wird dann gebolzt, bis das Blut aus den aufgeschlagenen Knien spritzt oder bis bei einem Papa die Bandscheiben aus den Wirbeln hüpfen.

Grauer Alltag ohne PC

Ein Besuch in der Sportanlage zeigt mir immer wieder, wie grau der Alltag ohne Computer aussehen kann. Möchten wir unseren Platz für die kommenden Wochen für uns reservieren, so schaut uns die blutjunge Dame hinter dem Schalter mit großen Augen fassungslos an. Im Voraus? Hektisch blättert sie dann mehrere Schnellhefter durch, bis sie auf den richtigen Ordner passend zum Fußballplatz stößt. Da findet sich dann für jede Woche ein Blatt Papier. Bis sie mit dem Kalender in der einen und dem Ordner in der anderen Hand den richtigen Tag gefunden und uns an der korrekten Zeit eingetragen hat, vergeht viel Zeit. Zu viel Zeit.

Zumal wir immer drei Wochen im Voraus buchen, um Konkurrenten von unserem Platz fernzuhalten. Der Schnellhefter reicht aber immer nur genau zwei Wochen in die Zukunft. Also findet die junge Dame nach dem intensiven Studium ihres Ordners heraus, dass wir für die kommenden zwei Wochen bereits eingetragen sind. Dann muss sie nach einem neuen Ordner mit den Blättern jenseits der 14-Tage-Grenze suchen, was ihr bereits den Schweiß auf die überforderte Stirn treibt. In der Regel findet sie den Ordner und trägt uns dann mit geschwungener Mädchenschrift ein, die anstelle der i-Tüpfelchen kleine Herzchen zeigt. Derjenige von uns, der zahlen und reservieren muss, verliert so leicht eine Viertelstunde von der kostbaren Spielzeit. Wie viel einfacher wäre das doch am Computer: Einen Termin am Sonntag um 12 Uhr anlegen, auf Wiederholung klicken und ihn dann für das ganze Jahr blockieren. Fertig. Das würde maximal eine Minute dauern und müsste auch nicht mehr wiederholt werden. Und die Lady hinter der Theke könnte sich schneller wieder in ihre Klatschzeitung vertiefen oder durchtrainierte Tennisspieler anhimmeln, die von ihr einen Schlüssel für die Umkleide haben möchten.

Noch grauerer Alltag mit PC

Ohne Computer ist schlimm. Mit Computer aber oft noch schlimmer. Ich bin ja seit einigen Wochen unter die Hobby-Golfer gegangen. Im Amazon-Marktplatz habe ich letztens biologisch abbaubare Golf-Tees in allen nur erdenklichen Farben gefunden - die Bio-Tees. Lustig. Schnell habe ich per Mausklick 250 Tees in der Größe bestellt, die ich brauche. Wie ich das bei Amazon und auch von den dort auf dem Marktplatz agierenden Händlern gewöhnt bin, war die Ware im Nullkommanichts bei mir.

Wochen später trudelten dann allerdings die ersten Mails bei mir ein. Amazon könnte den gewünschten Artikel leider noch nicht ausliefern, weil er zurzeit nicht verfügbar sei. Ich solle mich in Geduld üben. Ich schrieb zurück, dass ich die Ware längst erhalten hatte und dass alles in Ordnung sei. Bei diesen automatisch generierten Mails ist aber nie so ganz klar, ob retournierte Antworten auch wirklich ankommen. Oder gar gelesen werden.

Heute kam jedoch die nächste Mail. Meine Bestellung vom Mai würde automatisch storniert werden, wenn der Händler den Versand der Ware nicht schnell bestätigt. Um Himmelswillen: Ich möchte die Firma doch nicht um ihr Geld prellen. Oder nachher selbst als Betrüger dastehen, wenn Amazon den Händler nicht bezahlt, ich aber mit meinen bunten Tees schön lustig golfen gehe. Wieder schrieb ich Mails in alle Richtungen - ohne Antwort. Mist Automatik, dämliche Robots. Ich begann wüst zu fluchen und zu drohen. Und siehe da, es half: Es kam eine weitere Mail an: Meine Golf-Tees seien heute verschickt worden. Au weia. Sicher hat da der Verkäufer nur vergessen, einen Knopf zu drücken. Und schon hagelt es Automatik-E-Mails. Oder bekomme ich jetzt die Tees noch einmal?

Kein Hirn unter dieser Nummer

Ein anderes Beispiel. In der Firma habe ich zwei Handys, die ich jüngst vom Freiberufler-Konto auf das GmbH-Konto umfirmieren wollte. Also schrieben wir unseren Provider an, bei dem meine Verträge liegen und baten darum, die monatlichen Gelder ab sofort nicht mehr von dem einen, sondern von dem anderen Konto abzubuchen. Zugleich sollte die Firmenbezeichnung auf den Rechnungen geändert werden.

Brav wurde das Geld umgehend vom GmbH-Konto abgebucht. Nur die Rechnungen wiesen leider weiterhin den Namen des Freiberuflers aus. Mein Steuerberater mag falsche Firmenangaben auf Rechnungen gar nicht gern und verweist dabei immer auf das Finanzamt, deren Mitarbeiter da anscheinend auch nicht besonders tolerabel sind. Also rufen wir beim Provider an, landen aber immer wieder in einer telefonischen Warteschleife der Marke "Wenn Sie uns gern sprechen möchten, drücken Sie doch bitte die Eins."

Also schreiben wir einen Brief. Prompt sehen die Rechnungen beim nächsten Mal anders aus. Nur eben immer noch nicht richtig. Wir schreiben erneut und ernten tatsächlich einen Rückruf. Nur ist die Frau am anderen Ende der Leitung nicht ansatzweise informiert und lässt sich alles noch einmal genau erklären. Anschließend verspricht sie Abhilfe. Wir sind froh. Leider kommen die nächsten Monatsrechnungen völlig unverändert bei uns an - und wir schreiben schon wieder einen Brief. Gestern sind die neuen Rechnungen gekommen. Jetzt fehlt die Firmenbenennung ganz. Unglaublich.

Jetzt wäre es doch schön, wenn es bei unserem Provider eine nette junge Lady mit großen Augen geben würde, die wir real anrufen können und die dann einfach ein neues Blatt in den Drucker legt, um uns - noch während wir am Apparat sind - neue Rechnungen auszudrucken. Mit der korrekten Anschrift. Aber das wird in unserer modernen Zeit mit wegrationalisiertem Personal und dafür autark arbeitenden Computern wohl nicht mehr passieren.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.