HOME

Scheibes Kolumne: Cebit 2006 - Korea kann's

stern.de-Kolumnist Scheibe war auf der Cebit - einen ganzen Tag lang. Die Blasen an den Füßen pflegt er mit Erinnerungen an die hübschen Messemiezen. Die eigentlichen Neuerungen der Messe hat er darüber bereits wieder vergessen.

Auf der Cebit gibt es knapp 30 Hallen, die mit Technik der neuesten Generation vollgestopft sind. Ein Bergaufstieg am Matterhorn ist nichts gegen einen Fußmarsch durch alle Hallen in Hannover. Auf der Cebit muss man nämlich immer so ganz komisch tippeln, um dem plötzlichen stehen bleibenden Vormann nicht in die Hacken zu rennen. Das staucht die Zehen in den Schuhen, was schnell zu Blasen und zu wunden Stellen führen kann. Also sind gute Schuhe das wichtigste Accessoire auf einer Messe.

Hingefahren bin ich am 9. März mit meinem Kollegen Karsten Kurda - beide erstmals im Anzug und nicht in Jeans und Sweatshirt, man muss ja auch repräsentieren und darf nicht immer nur schlunzen. Der Hinweg zur Messe war die Hölle, zweieinhalb Stunden Matsch und Schnee von Berlin nach Hannover. Auf der Suche nach einem geeigneten Parkplatz landeten wir dann auch noch dort, wo es völlig verboten war. Ein Polizist schnauzte uns auch gleich an, resignierte dann aber und lotste uns zu einem geheimen Parkplatz gleich neben dem Messeeingang: "Wenn Sie doch schon mal hier sind."

Messefehler 2 begingen wir auch nicht. Deswegen legten wir gleich an der Garderobe Mantel und Schal ab, um so dünn bekleidet wie es nur geht über die Cebit zu flanieren. Jedes Gramm Mehrgewicht zieht einem ansonsten zum Ende der Messe hin die Schultern nach unten.

Der ferne Osten

Ansonsten staunten wir doch sehr. Gut, wir betraten die Messe über Halle 10 und nicht über Halle 1, wo sich die großen Konzerne präsentieren. Trotzdem zeigte sich, dass sich der ferne Osten zum heimlichen Herrscher der Cebit aufgeschwungen hat. In jeder Messehalle gab es unzählige kleine Stände meist aus Korea, die ihre neuesten Produkte präsentierten und versuchten, auf der Messe einen deutschen Distributor zu finden. Diese Stände waren überaus beeindruckend, weil die Koreaner Geräte feilboten, die der gelangweilte Konsument doch nur allzu gerne käuflich ersteigern würde. Da gab es hintergrundbeleuchtete Tastaturen für den Nachtarbeiter, wunderbar coole MP3-Jukeboxen, Minilautsprecher und USB-Sticks, darüber hinaus bunte Rechner-Komponenten in allen Formen und Farben.

Die koreanischen Stände sind witzig, weil sie alle gleich aussehen. Auf einem Glaspult stehen zwei bis vier Ständer mit Visitenkarten, sodass sich jeder Besucher gleich eine mitnehmen kann. Daneben ist eine obligatorische Glasschale mit Keksen platziert. Hinter dem Pult stehen dann stets zwei oder drei Koreaner, um zu lächeln und jeden interessierten Kunden zu einem runden Tisch zu führen, wo dann die Gespräche geführt werden. Ach ja, dort ist dann auch meist eine Pappbox aufgestellt, in die jeder Besucher seine eigene Visitenkarte werfen kann.

Messemiezen - gibt es sie oder nicht?

Klarer Fall: Die Koreaner haben die besseren Produkte, sind aber keine Meister in der Präsentation. Bei den deutschen Anbietern ist die Betreuung besser. Karsten und ich feiern so etwa die Rückkehr der knackig-scharfen Messeluder. Ich lege mir sofort eine ganze Sammlung heißer Fotos an. Die Miezen stehen im hautengen Lederdress und in kurzen Röckchen vor den Ständen und verteilen Goodies wie Umhängebänder, Bälle oder Kugelschreiber. (Anm. d. Red.: Wo war das? Wir haben die nicht gesehen!) Sind wir hier auf der Cebit oder schon auf der "Venus"? Egal, an einem Stand wird morgens um zehn Uhr sogar schon Tequila ausgeschenkt. (Anm. d. Red.: Wo war das schon wieder? Waren wir auf derselben Messe?).

Nach acht Stunden auf der Messe haben wir viel gesehen, vermissen aber den richtigen Brainbuster und freuen uns stattdessen auf die schleichende Invasion gewitzter Produkte aus Korea. Trotzdem beenden wir unseren Messerundgang nicht bei unseren Freunden aus Fernost, sondern am Stand von Avanquest. Dort gibt es zum Messetagesende nämlich ein frisch gezapftes, kühles Bier. Und danach gönne ich mir direkt vor Ort eine viertelstündige Massage, von einer Profi-Masseurin auf dem Avanquest-Stand durchgeführt. Das ist denn auch eine echte Wohltat für die verspannten Messemuskeln - und in meinen Augen die allerbeste Idee auf der ganzen Cebit.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania