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Scheibes Kolumne: Dauertest: Logitech Tastatur Dinovo Edge

stern.de-Kolumnist Scheibe sitzt etwa zehn Stunden am Tag vor dem PC-Bildschirm. Damit das Tippen nicht zur Qual wird, muss eine gute Tastatur her - etwa die Logitech Dinovo Edge. Im Langzeittest offenbaren sich Stärken, leider aber auch deutliche Schwächen

Die klassische Tastatur für den PC ist rauchgrau, hat erhabene Tasten so hoch wie die Alpen und so breite Zwischenräume, dass zwei Kilo Nasengold, Fingernägel und Brotkrümel in ihnen verschwinden können.

Beim Arbeiten brauche ich mehr Komfort. Wichtig war und ist mir eine extrem flache Tastatur im Notebook-Design, also mit kaum erhabenen Tasten. Ein Kunde empfahl mir die Logitech Tastatur Dinovo Edge. Die kostete zwar weit über 150 Euro (inzwischen 118 Euro bei Amazon), aber das war es mir wert.

Die Tastatur konnte schon auf den ersten Blick überzeugen. Sie ist flach wie eine Flunder und mit kaum abgehobenen Tasten ausgestattet, die alle einen klar definierten Anschlagpunkt haben und gerade so viele Geräusch von sich geben, dass man überhaupt bemerkt, dass man gerade Texte tippt. So ist das Arbeiten ein echtes Vergnügen - ganz ohne Dezibel-Belästigung und das übliche "Klackern". Natürlich ist es so, dass man als Schnellschreiber nach einem Wechsel der Tastatur zunächst Probleme damit hat, bestimmte Tasten zu "finden". So habe ich immer noch Probleme mit der Entf-Taste und den Bild-rauf- und -runter-Tasten. Da hacke ich immer ins Leere. Bei meiner Tastatur, die ich vorher im Gebrauch hatte, lagen diese Tasten eben immer an anderer Stelle. Aber das sind halt Anpassungsprobleme, die hat man immer. Dass der numerische Ziffernblock komplett fehlt, betrifft mich persönlich nicht - ich habe ihn eh noch nie benutzt. Andere Anwender stören sich daran allerdings sehr.

Tastatur mit sensiblen Bereichen

Gut finde ich die kleinen Gimmicks. Rechts neben den Tasten gibt es eine in das Gehäuse eingelassene Touchscreen-Leiste. Fahre ich hier mit dem Daumen drüber, leuchtet die Tastatur orange auf und verändert die Lautstärke der Musik, die mir ständig im Hintergrund dudelt. Ein kleiner runder Knopf schaltet den Sound auch von jetzt auf gleich stumm, sobald ich ihn drücke, wenn jemand anruft - das ist sehr schön so. Darunter ist ein kreisrunder Sensitivbereich zu finden. Fahre ich im Zentrum dieses Kreises hin und her, bewege ich auf diese Weise den Mauszeiger. Am Rande kommt es hingegen zum Scrollen - so kann ich mich wunderbar durch Web-Seiten bewegen. Beide Funktionen mit einem Modul, das ist gut!

Trotz der Finessen: Ich bin Vieltipper. Die weiteren Extratasten, die ich mit der FN-Taste zum Aufleuchten bringe und dann leicht aktivieren kann, benutze ich gar nicht. Theoretisch könnte ich mit ihnen etwa von einem gerade gespielten Song zum nächsten wechseln. Meist arbeite ich aber so konzentriert, dass ich gar nicht bewusst wahrnehme, welche Musik ich da gerade höre. Außerdem bin ich Masochist: Wenn's auf der Festplatte ist, muss es auch gehört werden, wenn iTunes der Meinung ist, dass es an der Zeit dafür ist.

Die Logitech Tastatur Dinovo Edge ist aus einem Acrylblock im tiefsten Schwarz mit einer polierten Klavierlackierung gefertigt. Als Ablage für die Handballen kommt ein Keil aus gebürstetem Aluminum hinzu. Bei der Auslieferung wird der Klavierlack von einer Schutzfolie behütet. Man muss diesen kurzen Moment genießen, wenn die Folie abgezogen wird und die Tastatur funkelt und die Zimmerdecke spiegelt. Von da an geht es nämlich nur noch bergab: Fingerabdrücke, Schlieren, Schmutz: Auf der Tastatur ist jeder Nieser sofort zu sehen. Dauerhaft. Beim Putzen mit dem feuchten Tuch drücke ich immer wieder den Mond-Button oben links - und schalte den PC so in den Schlafmodus. Ärgerlich.

Kabellos, wunderbar

Die Dinovo Edge ist eine Bluetooth-Tastatur. Das kabellose Verbinden mit dem PC klappt wunderbar. Ein schwarzer USB-Stick kommt in den Rechner. Sobald man dann die Tastatur an der Seite einschaltet, sucht sie sofort die Verbindung. Wird diese ausnahmsweise nicht umgehend aufgebaut, so reicht ein Druck auf den Connect-Button auf der Unterseite der Tastatur aus, um die Verbindung herzustellen. Bei all meinen vier edge-Tastatur funktionierte das immer ohne Probleme. Moment: vier Tastaturen? Dazu gleich. Erst zum Akku. Die Tastatur kommt ohne Battereien aus, sondern bringt einen Akku und ein eigenes Ladegerät mit. Eine Stromladung hält schier ewig, das ist sehr gut umgesetzt worden. Schwächelt das Tastenbrett, leuchtet ein kleines Batteriesymbol über den Funktionstasten auf. Dann sollte man die diNovo edge schnell über Nacht in die Ladestation stellen - und alles ist wieder gut. Wer das allerdings vergisst, bekommt ein echtes Problem. Auf meinem Rechner gibt der Akku dann irgendwann seinen Geist auf und fängt in der Sekunde des Sterbens damit an, den gerade eingegebenen Buchstaben ein paar hundert Mal immer wieder neu zu schreiben und zu wiederholen. Das ist ärgerlich vor allem beim Layouten, wenn die Textflut einem plötzlich alles zerhaut. Gut ist, dass ein bis zwei Minuten auf der Ladestation oft schon ausreichen, um der Tastatur wieder neuen Saft für Stunden zu geben.

Wo ist Maren Gilzer mit den Buchstaben

Mit Schlieren auf dem Klavierlack und dem Akku kann man leben. Was allerdings ein echtes Ausschlusskriterium ist, ist die mangelhafte Beschriftungsqualität der Buchstabentasten. Ich habe bereits drei Tastaturen innerhalb der Garantiezeit zurückgegeben, weil sich die weißen Buchstaben auf den Tasten auflösen. Manchmal geht es nach einem halben Jahr los, manchmal schon nach wenigen Wochen. Meine zurzeit vierte Dinovo Edge ist keine zwei Monate alt und schon fehlen das A, das S, das D, das E, das R, das H, das N und das I. Weitere Tasten sind nur noch zur Hälfte lesbar. Ich tippe seit 20 Jahren hauptberuflich, ich kann das verschmerzen und tippe einfach blind weiter. Meine Frau kann dann allerdings nicht mehr an meinem Rechner arbeiten, weil sie die Buchstaben nicht mehr findet. Und ich bekomme regelmäßig Probleme bei der Passworteingabe, wenn auf dem Bildschirm nur Sternchen erscheinen und ich nicht genau weiß, ob ich nun das A oder das S gedrückt habe.

Das Buchstabenproblem scheint nicht jeden Benutzer zu treffen, bei den Amazon-Kundenbewertungen ist es aber durchaus ein Thema. Solange das Problem nicht geklärt ist, kann ich nur von der Verwendung dieser Highend-Tastatur abraten. Ich werde mir jetzt nach vier Mängeln in Folge eine neue Tastatur suchen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania