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Scheibes Kolumne Der iPad-Import beginnt

stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe mag nicht länger warten: Ein iPad muss her - aber pronto. Da die Einführung in Deutschland auf Ende Mai verschoben wurde, müssen nun andere Wege beschritten werden. Der Import eines iPads aus den USA wird vorbereitet. Mal sehen, was das für ein Abenteuer wird.

Ich war ja so schlau. Kaum hatte Apple das iPad Anfang des Jahres offiziell angekündigt, spürte ich das Gerät bereits bei Amazon.de auf und bestellt mir die 64 GB-Version mit WLAN vor - für 699 Euro inklusive Märchensteuer und ohne Zustellungskosten. Mit meiner Bestellung habe ich offensichtlich ein schmales Fenster getroffen - nur Stunden später war die Bestellseite wieder offline. Ein Blick in "Mein Konto" zeigt aber, dass Amazon meine Vorbestellung noch immer führt. Ein Preis wird passend dazu aber nicht mehr angezeigt.

Ich bin geduldig. Seit dem 27. Januar warte ich bereits auf das iPad. Die Amerikaner dürfen sich seit Ostern mit dem Gerät eindecken - eine halbe Million Flundern sind bereits über den Tisch gegangen. Und einige einheimische Kollegen waren anscheinend geschickter als ich. Sie haben sich einfach ein Gerät in den USA besorgt. Das Fieber packte mich erst am Montag so richtig, als mir ein Blogger-Kollege aus Berlin sein importiertes Gerät für ein paar Minuten zum Ausprobieren in die Hand drückte. In der Tat erfüllt das iPad alle meine Erwartungen - es ist zwar kein Arbeitsrechner, dafür aber ein superbes Surf-, Spiel- und Lesegerät.

Hilfe-Mail nach Washington

Ende April sollte das iPad eigentlich in Deutschland verkauft werden. Nun hat Apple den Termin aber kassiert und ihn auf Ende Mai verschoben. Und schon bricht mir der nackte Schweiß aus, so lange kann und will ich nicht mehr warten. Schließlich gibt es bereits die ersten iPad-Apps, die ich testen könnte. Fünf Minuten, nachdem Apple die Verschiebung bekannt gegeben hat, verschicke ich bereits eine hektische Hilfe-Mail nach Washington. Dort arbeitet mein alter Schulfreund Patrick an der Universität.

+++ Hallo Patty +++ STOP +++ Brauche dringend iPad 64 GB W-LAN +++ STOP +++ Kannst du mir besorgen und schicken? +++ STOP +++ bin verzweifelt +++ STOP +++ Erbitte Feedback

Die Crux ist, man weiß nie, wo dieser Mann gerade steckt. Nicht immer im Labor. Oft genug beim Extremmarathon irgendwo im Land. Oder beim Klettern im Himalaya. Drachenboot fahren. Was weiß denn ich. Aber eine Stunde später kommt auch schon die Antwort.

+++ Kein Ding. +++ STOP +++ Kann ich aber erst am Freitag erledigen, weil viel zu tun STOP +++ Darf ich auch ein wenig damit spielen?

Ich veranlasse alles Nötige. Patrick hat einen Wohnsitz in den USA, kann sich also das iPad aus dem Apple-Store nach Hause schicken lassen, wenn er es nicht direkt im Laden bekommt. Ich bitte ihn darum, das iPad mit einem Super-Schnellkurier nach Deutschland zu schicken. Wichtig ist, dass eine Kopie der Rechnung außen aufgeklebt wird. Dann kann der Zoll das Paket abfertigen und die erhobenen Gebühren bequem an meiner Haustür abkassieren. Finden die Jungs die Rechnung nicht, muss ich immer von Falkensee bis nach Velten fahren, um mein Paket auszulösen. Nicht, dass es daran scheitern sollte. Mit etwas Glück habe ich das iPad nächste Woche, wenn Patrick mich nicht vergisst. Bei Laborleuten tickt die Uhr ja manchmal etwas anders. Aber für den Notfall habe ich auch noch meinen Online-Poker-spielenden Daytrader-Onkel drüben in New Jersey zu sitzen.

Zoll in Deutschland

Ich überschlage die Kosten. Das iPad mit Wlan und 64 GB Speicher kostet im US-Apple-Store 699 US-Dollar, das sind laut Google 516 Euro. Die Lieferung vom Apple-Store zu Patrick ist kostenfrei. Bleibt der Schnellversand über den großen Teich. Hier rechne ich für den besonders schnellen Luftversand mit maximal 200 Dollar, was 147 Euro entspricht. Viel mehr sollte der Versand nicht kosten, sonst hätte ich bereits selbst nach New York fliegen und mir das iPad vor Ort abholen können. Bleibt der Zoll in Deutschland. Wird das iPad als PC akzeptiert, so fallen wohl keine Zollgebühren an, erfahre ich im Internet. Bleiben 17,5 Prozent Einfuhrumsatzsteuer, die so oder so erhoben werden. Das sind bei 516 Euro Kosten für das iPad etwa 76 Euro. 516 plus 147 plus 76 Euro. Der Import würde mich also 739 Euro kosten. Das wären 40 Euro mehr als der von Amazon.de im Januar veranschlagte Preis, der ja auch noch nicht in Stein gemeißelt ist.

Mir ist das Recht. Ich brauche den Zeitvorsprung und möchte mich sofort mit dem iPad vertraut machen - und nicht erst Ende Mai. Insofern warte ich sekündlich auf die Kaufmeldung von Patrick. Aber der meldet sich nicht. Wahrscheinlich hockt er bereits mit meinem iPad im Labor und nimmt es auseinander, um mal zu sehen, wie es von innen aussieht.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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