Scheibes Kolumne Eigener Rechner für die Kids


Seit einigen Wochen versperren lauter Computerteile das Büro von Scheibes Frau. Der Stern.de-Kolumnist überlegt: Lässt sich aus den Resten nicht vielleicht ein eigener Rechner für die Kinder bauen? Und: Sind die Kinder schon reif für einen persönlichen Computer? Das Experiment kann beginnen.

Unsere Kinder Linus (8) und Alisa (7) spielen gerne am Computer. Am liebsten mögen sie die Suchspiele von Terzio und die Knobelspiele von Deutschland-spielt.de. Der harte Schulalltag, die Hausaufgaben, Treffen mit den Freunden und ihr Engagement beim Reiten und in verschiedenen Vereinen sorgen allerdings dafür, dass sie nicht allzu oft an den Rechner kommen. Vielleicht ein, zwei Mal in der Woche für eine halbe Stunde. Dann gehen sie oft an den Praktikantenrechner, der in meinem Büro steht - und daddeln hier eine Runde, wo ich sie unter Aufsicht habe. Vor allem Linus, der in die dritte Klasse geht, nutzt den Rechner aber immer häufiger, um eigene Texte zu schreiben oder um etwas im Internet nachzuschlagen - etwa für den Dinosaurier-Club, den er gerade zusammen mit seinen Freunden gegründet hat.

Sicher im Niemandsland

Da überlegt meine Frau schon lange: Ob man den Kleinen nicht einen eigenen Computer spendiert? Im Flur vor den Kinderzimmern steht eine Kommode, da könnte man wunderbar einen Rechner aufstellen, sodass er im "Niemandsland" steht und nicht von einem Kind als "seins" beansprucht wird. Ein eigener Rechner für die Kinder - das ist gut, weil sie dann gleich lernen, richtig und autark damit umzugehen. Die Computerausbildung in der Schule ist ja doch eher bescheiden, bis zur dritten Klasse fand da nichts statt. Ein eigener Rechner für die Kinder ist aber auch schlecht, weil ich schon weiß, wer da aus dem Keller hochgerufen wird, wenn wieder einmal nix funktioniert, der Drucker streikt oder das Spiel zu schwierig ist.

Gerümpelinseln lösen unterschiedliche Reaktionen aus

Nun kam es bei uns dazu, dass meine Frau wieder als Lehrerin zu arbeiten angefangen hat und deswegen dringend einen eigenen guten Rechner für die Vorbereitung des Unterrichts brauchte. Also habe ich eine Basiseinheit bei Dell bestellt und das Gerät dann mit Monitor, Tastatur, Boxen und Maus aufgewertet. Bei all diesen Umbaufunktionen ist diverser alter Kram übrig geblieben, der nun schon ein halbes Jahr im Büro meiner Frau in der Ecke steht - und Staub ansetzt. Während wir Männer solche Gerümpelinseln ja immer sehr gut ertragen können, tun sich die Frauen da schon deutlich schwerer. Seit Wochen höre ich: "Das muss weg, aber ganz schnell." Zum Verschenken fand ich die Sachen allerdings noch viel zu gut. Und so überhörte ich das Gezeter und ließ den PC-Kram an seinem Platz.

Gestern Abend überkam es mich dann. Eigentlich ist doch alles da. Ein alter Rechner im Tower, ein aussortierter Flachbildschirm, Maus, Tastatur, sogar ein alter HP-Laserdrucker. Prompt hielt mich nichts mehr, und ich schleppte den Kram herunter zu den Kindern, um daraus einen neuen Komplettrechner zu basteln. Das machte wirklich Spaß. Aus dem Büro musste ich mir nur noch ein Stromkabel für den Drucker, Batterien für die Maus und eine Dreier-Steckdose holen. Dann lief aber auch schon alles - zwar deutlich langsamer als bei unseren modernen Rechner im Keller, aber immerhin. Word war noch auf dem PC drauf, sodass die Kids problemlos ihre Texte schreiben können. Internet, ja, hmm, da muss ich wohl noch ein ISDN-Kabel besorgen, eine entsprechende Karte liegt zum Glück bereits im Rechner vor. Das DSL-WLan reicht leider wegen der Stahlbetonwände nicht bis zu den Kindern hinauf.

"Ich bin dran, geh da weg"

Ich holte aus dem Keller auch noch ein paar Spiele und installierte sie, dann rief ich die Kinder. Das Gekreische war natürlich groß, und beide mussten natürlich gleich eine Runde an "ihrem" PC spielen. Ich schaute ein paar Minuten zu und ging dann nach unten - kochen. Natürlich ging schon bald das Gekreische los. "Ich bin dran, geh da weg", "Mann, bist du blöd", "Mama soll dir PC-Verbot geben", "Stell dich nicht so dämlich an", "Du hast mich gekniffen", "Du hast mich geboxt" und "Ich brauche einen eigenen PC". Dann gab es einen Moment der Stille, unheilvoll wie die Stille kurz vor dem Losbrausen eines Tropensturms. Dann schrie meine Tochter plötzlich schrill wie abgestochen auf. Wie von den Taranteln gebissen raste ich die Treppe hoch. Aber Linus stand wie ein Engelchen hinter seiner spielenden Schwester. Tatsächlich war er unschuldig. Alisa schrie nämlich immer dann von ganz alleine los, sobald in ihrem Spiel die Zeit kurz davor war, abzulaufen - und sie in Stress geriet. Na prima.

Natürlich hatten die Kinder nach dem Spielen wieder schwarze Gewitterwolken über dem Kopf zu hängen, weil sie immer dann schlechte Laune bekommen, wenn sie mit dem Daddeln aufhören müssen. Aber es gab keine Toten, keine Verletzten und keine zerstörten Computer. Das Experiment geht also weiter.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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