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Scheibes Kolumne: Forderungskatalog der Raubkopierer

Der Gesetzgeber hat entschieden: Wir sollen endlich mit dem Raubkopieren aufhören, sonst gibt es etwas auf die Finger. Gut, okay. Doch dafür muss die Platten-, Software- und Videoindustrie auch etwas tun. Hier ist unser Forderungskatalog.

Der Gesetzgeber hat entschieden: Wir sollen endlich mit dem Raubkopieren aufhören, sonst gibt es etwas auf die Finger. Gut, okay. Wir verschrotten also unsere DVD-Ripper und Spielekopierer, die wir vor einigen Wochen noch ganz legal für teures Geld eingekauft haben. Wir löschen sogar den Kazaa-Client und kehren den Tauschbörsen den Rücken zu. Doch dafür muss die Platten-, Software- und Videoindustrie auch etwas tun. Hier ist unser Forderungskatalog:

Online-Einkauf ohne Limits

Die meisten Musikfreunde kaufen keine Audio-CDs mehr, weil es einfach viel bequemer ist, die Musik online zu besorgen, um sie dann auf der Festplatte zu bunkern oder auf einen MP3-Player zu übernehmen. Keine Frage: Wir sind bereit, für die Leistungen der Künstler zu bezahlen und die Musik in einem legalen, kommerziell geführten Online-Shop zu kaufen. Das gelingt aber nur, wenn das Angebot der Songs sich nicht auf ein paar hundert Bands beschränkt, sondern möglichst repräsentativ ist. Denn wenn jeder zweite online gesuchte Song nicht im Bestand zu finden ist, dann macht der Online-Shop keinen Sinn, und Kazaa ist doch wieder die bessere Alternative. Natürlich sind wir willens, einen gewissen monetären Obolus pro Song oder Album zu bezahlen. Dann wollen wir die Songs aber auch unbedingt weiterhin im MP3-Format beziehen, um sie auf jedes beliebige Gerät kopieren oder auf eine Audio-CD brennen zu können. Musiken in Formaten, die sich nur zehnmal auf dem eigenen PC abspielen und dann noch nicht einmal auf eine richtige Musik-CD brennen lassen, können uns gestohlen bleiben. Entweder ganz oder gar nicht.

Geld gegen Leistung

Keine Frage: Auch für Computerprogramme bezahlen wir gerne mühsam verdientes Geld. Wenn die Leistung stimmt. Seit Jahren bekommen wir aber für teures Geld immer wieder nur Software vorgesetzt, die nicht richtig funktioniert. Ständig werden neue Sicherheitslöcher bekannt, stürzen die Programme ab, müssen Patches und Updates installiert werden. Manche Programme gerade im Low-Cost-Bereich sind sogar so schlecht, dass sie das Geld für den Kauf nicht einmal ansatzweise wert sind. Die PC-Magazine testen diese Anwendungen und Spiele leider inzwischen gar nicht mehr, weil sie ihre Seiten lieber für die großen Programme von Microsoft oder Adobe reservieren - denen dann auch gar nicht erst am Lack gekratzt wird.

Also: Sollen wir wieder Software kaufen, dann gebt euch doch einmal ein bisschen Mühe. Wir alle sind es leid, als Betatester noch Geld mitbringen zu müssen. Für eine richtig runde Software, die hält, was der Karton verspricht, geben wir gerne Geld aus. Und ein Update alle zwei Jahre reicht übrigens auch völlig aus. Dann haben die Entwickler mehr Zeit, das Programm zu optimieren und richtig gut zu machen. Und wir müssen nicht alle paar Monate neu lernen, wie ein Programm funktioniert. Übrigens: Gedruckte Handbücher sind in der Tat ein echter Kaufanreiz.

Mehr Gimmicks

Jedes Jahr sinkt der Umsatz der Audio-CDs um 20 Prozent. Ja, ist es denn ein Wunder? Auf den Scheiben sind doch auch nur acht bis zehn Songs drauf. Das ist viel zu wenig. Heute sind die Leute daran gewöhnt, ihre MP3-Jukebox morgens anzuwerfen, um sie nachts wieder auszumachen. Das CD-Jonglieren im Halbstundentakt ist völlig out. Die Audio-CD ist demnach völlig tot und weiß es nur noch nicht. Die MP3-CD könnte sie retten. Oder die Super Audio CD bzw. die Audio-DVD, die 6-Kanal-Sound für absoluten Soundpuristen bieten. Wer jetzt aber weiterhin noch Audio-CDs verkaufen möchte, muss schon etwas mehr bieten als nur eine dünne Silberscheibe. Wir Kunden kaufen gerne limitierte Sammlerboxen, Komplettwerke im Schuber oder besonders schön aufgemachte Werke für die Vitrine. Die Jungs von der DVD-Front haben das längst begriffen. Jeder Depp kann sich den "Terminator II" rippen und die Raubkopie in den Schrank stellen. Die Sonderedition in der limitierten Metallbüchse oder die Komplettsammlung von James Bond in der Monsterbox lassen sich eben nicht kopieren. Kein Wunder also, dass diese Scheiben so schnell ausverkauft sind. Also: Lasst euch doch mal etwas einfallen. Es ist nun mal nicht mehr ganz so einfach wie früher, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Sonderabgaben streichen

Dann entscheidet euch doch bitte endlich einmal: Ist das Kopieren von Musik, Filmen und PC-Programmen denn nun erlaubt oder nicht? Unser Vorschlag: Das Kopieren für einen selbst ist erlaubt, die Weitergabe der Kopien verboten. Nur das macht Sinn. Ich will eine Software schließlich alternativ auf dem Desktop-PC, auf dem Notebook und am liebsten auch noch auf dem Pocket PC einsetzen. Eine Musik möchte ich am Rechner hören, auf dem MP3-Player und im Auto-CD-Player. Gebe ich die Musiken, Filme oder Programme aber an andere weiter, dann mache ich mich strafbar. Damit kann ich leben. Nur: Wozu sind denn dann noch die GEMA-Abgaben da, die ich als Kunde beim Kauf eines Brenner-Laufwerks und eines jeden Rohlings zu bezahlen habe. Wenn ich die CDs und DVDs eh nicht mehr kopieren darf, brauche ich doch auch keine Abgabe mehr zu zahlen, oder? Das verstehe ich nicht.

Preise senken

Natürlich wird unser Argument, dass alles viel zu teuer ist, nicht gehört. Schließlich müssen die Produzenten ja Millionenbeträge fürs Marketing und teure Stars wie Robbie Williams bezahlen. Klar, dass man die CDs da nicht preiswerter machen kann. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Zum Glück schafft sich der Markt aber seine eigenen Preise. Schon jetzt lassen sich bei eBay originalverpackte neue DVDs für acht Euro das Stück erwerben, kosten CDs nur noch die Hälfte und gehen legale Software-Lizenzen für einen Bruchteil des ursprünglich verlangten Preises über den Tresen. Wer die Datenträger gebraucht kauft, spart sogar noch einmal.

Ach ja: Wenn sich eure kopiergeschützten CDs nicht auf meinem DVD-Player oder am PC abspielen lassen, kaufe ich keine CDs mehr. Meinen alten Audio-CD-Player habe ich nämlich schon längst verschrottet, um Platz zu sparen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe

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