Scheibes Kolumne Hier werden Sie veräppelt


Stern.de-Kolumnist Scheibe kauft gerne im Internet ein. Oft allerdings ein wenig zu blauäugig und naiv. Kein Wunder, dass er alle Jubeljahre einmal so richtig über den Tisch gezogen wird. Zurzeit ärgert er sich über einen Online-Händler, der Hosen und Hemden von Markenfirmen anbietet.

Im Juni letzten Jahres war es. Ein neugieriger Blick in den Kleiderschrank zeigte mir, dass ich für den bevorstehenden Türkei-Urlaub absolut keine passenden Klamotten mehr im Schrank zu hängen hatte. Die Jeans waren alle zerfetzt oder ausgelutscht, meine Hemden alle eine Bauchnummer zu klein und demnach viel zu eng. Nun ist es inzwischen so, dass ich eigentlich alle Dinge des täglichen Gebrauchs am liebsten im Internet einkaufe. Das klappt meistens sehr gut und so ist es für mich absolut üblich, im Web nach neuen Festplatten, Rechnern, Digitalkameras oder Speichermedien Ausschau zu halten. Warum sollte das Ganze nicht auch mit Klamotten funktionieren?

Ich entdeckte im Web einen neuen Online-Store namens "Babelhouse - Fashion and More" (Name geändert). Super: Hier gab und gibt es Hosen, Hemden und andere Bekleidungsstücke verschiedener Marken, darunter auch Boss. Flugs zog ich meine eigene Hose aus, suchte nach dem Schild mit den wichtigen Daten zur Beinlänge und zum Bund und bestellte per Mausklick munter drauflos. Ich fand ein paar Hosen, mehrere Hemden und ein paar sportliche Sweatshirts. Der Einkauf belief sich auf eine ordentliche Summe - und er wurde per Mausklick eingeleitet. Das Geld überwies ich via Vorauskasse.

Lieferung klappt, aber...

Die Lieferzeit von etwa zwei Wochen machte mich etwas nervös und so hing ich eine Mail an mit der Bitte, den Vorgang zu beschleunigen. Wegen meines bevorstehenden Urlaubs und so. Ich war sehr überrascht, als ich wenig später einen Anruf aus Italien erhielt, von wo aus mir mitgeteilt wurde, dass meine Bestellung eingegangen sei und dass man sich darum bemühe, alles Gewünschte per Express zu schicken. Es würde allerdings eng werden mit meinem Abflugtermin. Die Online-Verkäufer schafften das Unglaubliche. Am Tag vor meiner Abreise Mitte Juni erhielt ich ein dickes Paket mit all meinen Sachen. Abgesehen von einem roten Hemd. Ärgerlich war nur, dass mir abgesehen von einer Ausnahme alle Hosen nicht passten. Mal waren sie zu eng, dann wieder zu lang. Nun: Ich kenne mich mit den verschiedenen Schnitten nicht aus, dachte aber, dass es ausreicht, die Länge und die Weite anzugeben. Und das hatte ich ja.

Wo bleibt die Gutschrift?

Ich stellte also fest, dass man Kleidung anscheinend doch nicht ohne Probleme im Netz bestellen konnte. Vor meinem Urlaub packte ich die nicht passenden Klamotten wieder ins Paket und schickte es zurück. Mit der Bitte, mir doch eine Gutschrift auf eine zukünftige Bestellung zu geben. Nach meinem Urlaub suchte ich diese Gutschrift allerdings vergebens in meiner Post. Ich schickte eine Mail zum "Babelhouse" und bekam schnell eine Antwort: "Sorry, ich war ein paar Tage nicht im Büro. Hier der Gutscheincode". Ich bekam einen Gutschein über die ausstehende Summe mitgeteilt. Zugleich wurde ich darauf verwiesen, dass mein rotes Hemd weiterhin nicht lieferbar sei. Am 27. August ging ich wieder online, um das Gutscheingeld zu verprassen. Ich suchte mir drei neue Hosen aus - von der gleichen Art wie die, die aus der ersten Lieferung gepasst hatte. Und auch noch zwei Sweatshirts sollten es sein. Die Bestellung kostete 50 Euro mehr, als sie mein Gutschein hergab. Ich überwies das Geld.

Anschließend wartete ich vergeblich auf eine Reaktion des noblen Hauses. Nach mehreren Mails meinerseits bekam ich am 12. Oktober die erste Antwort: "Sehr geehrter Herr Scheibe, danke für Ihre Mail. Der Versand erfolgt in den nächsten Tagen. Leider haben wir trotz Zusage des Herstellers auf die Nachlieferung warten müssen. Wir bedauern dies und bitten hier um Entschuldigung." Auf meine geäußerten Befürchtungen, dass es Betrüger im Netz gibt, die per Vorauskasse kassieren und dann einfach nicht mehr liefern, wurde mir geantwortet: "Sie mussten beim ersten Mal keine Angst haben und dies auch nicht bei der Nachlieferung."

Tue ich jemandem Unrecht?

War ich zu misstrauisch? Ich vergaß den Fall einstweilen wieder und nahm nur Notiz von den vielen Newslettern, die mich fortan von dem Herrenausstatter erreichten. Bei jedem Newsletter dachte ich: Na, immerhin gibt es den Laden noch. Aber mich stach dann doch die ausstehende Geldsumme. Und vor allem die Sweatshirts hätte ich gerne gehabt, die waren wirklich sehr flauschig. Am 14. November erbarmte man sich dann doch wieder meiner, wieder per Mail: "Wir bedauern diese Verzögerung sehr. Die Lieferung ist auf dem Weg zu uns. Leider sind manchmal die Lieferanten nicht zuverlässig. Wir können jetzt nur auf Ihre Geduld hoffen. Natürlich können Sie, falls gewünscht, auch auf andere Artikel ausweichen. Bitte eine kurze Antwort. Wir möchten hier jede Unstimmigkeit vermeiden." Auf andere Artikel ausweichen? So groß war das Sortiment des Shops ja leider auch nicht. Und in meiner Bestellung waren ja auch Waren von verschiedenen Marken.

Irgendwann reicht es!

Ich hatte inzwischen die Nase voll von dem unprofessionellen Hin und Her und stornierte meine Bestellung. Ich nahm das Angebot meines Kontaktpartners an und mailte ihm meine Kontoverbindung zu, damit er mir den restlichen Geldbetrag zurücküberweisen konnte. Eine einzelne Hose aus meiner Bestellung fand sich zwischendurch auch noch an. Sie wurde mir kurz vor Weihnachten zusammen mit drei Flaschen Wein zugeschickt. Mein Geld fand sich allerdings nicht auf meinem Konto ein. Am 23. Dezember kam per Mail die dazu passende Entschuldigung: "Wurde durch den Weihnachtsversand und die Hektik übersehen. Ich werde das umgehend veranlassen. Sorry für die Probleme. Ich hoffe, meine Entschuldigung hat geschmeckt, und die Hose war in Ordnung."

Nette Mails allein reichen nicht

Man ist ja milde gestimmt, wenn es wenigstens im Kleinen voran geht. Trotzdem hatte sich mein Misstrauen nicht gelegt, zumal sich ein anderer Kunde per Mail an mich wandte und mir mitteilte, dass es mit seiner Bestellung ganz ähnlich aussah. Ich meldete mich noch einmal kurz vor dem Jahreswechsel beim Online-Shop: "Hallo Herr R., alles bestens. Der Wein wird morgen und an Silvester verballert. Es tut mir auch sehr leid, Sie zu nerven, aber ich habe im Web leider schon zu viele schwarze Schafe erlebt. Sobald ich das Geld habe, werde ich mich in aller Form bei Ihnen entschuldigen."

Am 23. Dezember kam eine Mail zurück: "Hallo, das ist nicht nötig. Sie haben nichts falsch gemacht. Wir sind in der Pflicht, nicht Sie."

Na bitte, das sollte doch ausgestanden sein. Nun, nach der ersten Januar-Woche, ist das Geld aber immer noch nicht da. Und mein Online-Konto im Shop steht auf einmal ganz ausgeglichen dar, so als würde es kein Restguthaben mehr geben. Wütend schreibe ich wieder eine Mail - und erhalte sofort Antwort: "Bedingt durch die Feiertage, auch 6.1. (heil. 3 Könige), ist unser Büro erst ab 10.1. besetzt. Danach wird sofort die Rückerstattung vorgenommen."

Darf ich das glauben? Oder werde ich hier nach allen Regeln der Kunst verschaukelt? Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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