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Scheibes Kolumne: Jeder sein eigener Verleger

Ich werde Verleger! Das war ein Traum, den Nobby und ich in den achtziger Jahren träumten. Heutzutage reichen im Internet fünf Minuten aus, um eine eigene Zeitung online zu stellen.

Ich werde Verleger! Das war ein Traum, den Nobby und ich in den Achtzigern noch in den Kinderzimmern unserer Elternhäuser träumten. Damals kurbelten wir Teenager uns am Umdrucker einen Wolf und mussten bibbern, ob die Schulkameraden uns die nach Alkohol stinkenden Pamphlete wohl abkauften oder eher nicht. Heute ist die Hemmschwelle viel leichter zu nehmen. Im Internet reichen fünf Minuten aus, um eine eigene Zeitung online zu stellen.

Schule? Mir doch egal!

Schule? Die war damals in den Achtzigern völlig uninteressant. Schließlich waren wir selbst ernannte Zeitungsverleger, mein Kumpel Norbert Schulz und ich. Bereits in der Mathestunde skizzierten wir Ideen für neue Kurzgeschichten aus dem Science-Fiction-Bereich, lasen in Französisch noch rasch den aktuellen Stephen King für eine zu schreibende Buchrezension zuende und standen im Sport unserem Titelbildzeichner Michael Surma Modell – für eine aktionlastige Szene, in der uns nur noch die Muskeln zum Weltraumhelden fehlten.

Ohne Muckies ging nichts

Nach der Schule trafen wir uns dann bei Nobby oder bei mir, um alle neuen Texte an der mechanischen Schreibmaschine aufzusetzen. Dabei schafften wir es schon bald blind, durch das Einfügen von Leerzeichen einen getricksten Blocksatz zusammenzustellen. Tippfehler durfte man sich bei dieser Prozessur nicht erlauben, da wir auf teuren Matrizen tippten. Die wurden nach der Fertigstellung einer Seite in den so genannten Umdrucker gespannt. Das ist ein wuchtiges Gerät, dessen Bedienung damals jeder Lehrer blind beherrschen musste. Der Umdrucker lief mit Alkohol und saugte graues Umweltpapier ein, wenn man an einer Kurbel kurbelte. Der Alkohol löste eine Schicht von der Matrize ab und übertrug sie auf das Papier. Eine ruhige Hand und ordentlich Muckies im Bizeps waren nötig, um die Blätter gleichmäßig zu bedrucken. Wir machten das sogar beidseitig. Völlig bekifft von den Alkoholdämpfen verkurbelten wir ganze Nachmittage am Umdrucker, um unsere Ausgaben für "Fandhome Wheekly" zu gestalten – ein Fanwerk, das an die 200 Ausgaben erlebte und von vielen Fantastikfreunden aus ganz Deutschland geschrieben wurde.

Kein Abhotten bei Alphaville, Pink Floyd oder New Order

Später veröffentlichten wir unsere Geschichten im eigenen "Phönix", ein Heft mit 50 Exemplaren Auflage, das wir bereits im Copycenter herstellten. Farbiges Papier musste her. Zu Hause knifften wir alle Seiten mit dem Lineal und hefteten sie dann mit einem A-4-Hefter, den wir uns extra im Schreibwarengeschäft für die horrende Summe von 50 Mark angeschafft hatten. Das bedeutete: Kompletter Verzicht auf Diskobesuche für zwei Wochen. Kein Abhotten bei Alphaville, Pink Floyd oder New Order, kein Abhängen im "Linientreu" am Ku'damm, dafür eine schmerzende Investition in die Kunst. Der Preis für "Phönix" war schnell errechnet: Die Rechnung des Copycenters geteilt durch die Auflage. Knapp zwei Mark kostete das Heft. Natürlich hatten die Klassenkameraden keine besonders große Lust darauf, die Science-Fiction- und Horrorgeschichten der Freunde zu lesen. Zumal die Schülerzeitung mit 30 Pfennigen viel billiger und dicker war.

Norbert und ich fanden aber schnell Gleichgesinnte in ganz Deutschland. Überall gab es Magazine wie das unsere. Die Heftchen stellten sich in den "News" alle gegenseitig vor, um die Leser auf die Konkurrenz aufmerksam zu machen. Schnell kamen Bestellungen aus dem ganzen Bundesland. Wir wurden Meister darin, getürkte Büchersendungen zu verschicken, weil’s billiger war. Schnell gewannen wir auf diese Weise neue Freunde aus ganz Deutschland – aus allen Schichten. Das Ganze entwickelte sich und wir fuhren per Anhalter nach Köln zum ColoniaCon oder nach Freudenstadt zum Freucon. Hier kamen hunderte Fans zusammen, dazu auch noch "echte" Autoren, etwa die von der Heftchenserie "Perry Rhodan". Wir lernten in den vorab organisierten Übernachtungs-WGs, wie man Spaghetti für 30 Leute kocht, soffen uns in Köln mit dem plörrigen Kölsch die Hucke voll und wunderten uns über den absoluten Mangel an Frauen innerhalb dieser Szene. Aber vielleicht standen die Mädels auch einfach nicht auf Science-Fiction. Oder auf die Fans, die meistens Übergewicht hatten, einen filzigen Bart und karierte Hemden trugen.

Wer oder was ist Audifax O'Henlon?

Niemand ist so erbarmungslos wie ein Fan. Zahllose seitenlange Leserbriefe zeigten uns allen auf, welche Fehler wir beim Schreiben einer Kurzgeschichte gemacht hatten. Das spornte an. Beim nächsten Mal sollte schließlich alles besser werden. Norbert und ich wagten uns schließlich an die Aufgabe heran, das Gruselmagazin "Tales" zu entwickeln, das bald schon "Nachtschatten" hieß. Eintausend Hefte Auflage, zweifarbig gedruckt in einer echten Druckerei. Die Kosten fraßen unser ganzes Erspartes auf, ein Mofa war da erst einmal nicht mehr drin. Dafür kassierten wir zwei Jahre in Folge den "Audifax O’Hanlon Award" für das "beste Fanzine des Jahres" ein. Auch wenn wir nie herausgefunden haben, wer denn dieser Audifax O’Hanlon wohl sein mochte. Zehn Ausgaben später war die Luft aus der Sache raus, jeder geht seiner Wege – und Norbert habe ich nie wieder gesehen.

Lernen, was man nicht in der Schule lernen kann

Mit vielen Jungs aus der Szene habe ich weiterhin Kontakt und aus vielen ist auch tatsächlich entgegen der Prophezeiungen der Eltern ob des komischen Hobbys etwas geworden. Zeichner Torsten Wolber ist beim Fernsehen, Anton Atzenhofer und Franz Stummer sind bekannte Comiczeichner. Klaus N. Frick ist inzwischen der oberste Chef bei "Perry Rhodan" – der Serie, die ihn damals zum schreibenden Fan gemacht hatte. Unser Schreibtalent Joachim Stahl nahm einen Redakteursposten bei Donald Duck an. Und der Rest? Überall findet man sie wieder, auf der Karriereleiter trotz der Beschäftigung mit der Schundliteratur ganz weit nach oben geklettert. Frank Böhmert übersetzt Romane und hat gerade seinen ersten "Perry Rhodan" bei Heyne abgeliefert. Achim Mehnert schreibt Heftromane, u.a. für "Professor Zamorra". Und Viktor Pavel, der damals immer eine Krawatte als Stirnband um den Kopf gebunden hatte und Tonbriefe auf Kassette im Inneren ausgenommener Fische verschickte, ist inzwischen Drehbuchautor und Sprecher fürs Fernsehen und fürs Radio. Auch wenn unsere Eltern unser Tun damals verdammt haben, wir haben eben doch viel gelernt. Knappe Ressourcen effektiv nutzen. Sich gut verkaufen. Neue Freunde gewinnen. Arbeit delegieren. Sich gut ausdrücken. Kreativ sein. Eine solide Rechtschreibung. Nichts, was man in der Schule lernt.

Das Internet ist schuld: Fanzines sind ausgestorben

Heute gibt es die gedruckten Fanheftchen leider nicht mehr. Sie sind fast alle ausgestorben. Schuld ist das Internet. Niemand nimmt mehr den finanziellen und arbeitstechnischen Leidensdruck auf sich, um mit Schweiß und Herzblut ein richtiges Fanmagazin zu gestalten. Einfacher ist es doch, ein Online-Magazin aufzumachen. Ohne große Mühen lassen sich Texte und Bilder ins Netz stellen. Diese einfache Form der Publikation macht natürlich Sinn: Jeder ist im Nullkommanichts sein eigener Verleger. Der Vorteil ist, dass die Veröffentlichung der eigenen Texte so gut wie nichts mehr kostet. Jeder in der ganzen Welt kann sich die Texte durchlesen, so er nur den Link zu den entsprechenden Seiten kennt.

Bandbreite hoch - Qualität durchwachsen

Allein - es fehlt der nötige Druck, der aus schlackiger Kohle einen Diamanten formt. Während früher nur die echten Verrückten zu Werke gingen, die einfach nicht anders konnten, weil es ihnen eine innere Berufung war, schreibt heute jeder im Netz seine Geschichten auf. Die Bandbreite ist höher, die Qualität durchwachsener. Es fehlt oft die direkte und harte Reaktion der Leser, die dabei helfen könnten, den Stil der Hobbyautoren zu verbessern.

Carsten Scheibe
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(