Scheibes Kolumne Neuer Rechner muss her!


Stern.de-Kolumnist Scheibe hat sich einen neuen Rechner angeschafft. Jetzt wundert er sich sehr: Die alte Hardware lässt sich ja gar nicht mehr anschließen. Was nun? Guter Rat ist teuer.

Die Computer im Büro sind eigentlich alle okay. Sie sind zwar schon etwas älter und haben zu wenige USB-Schnittstellen, aber sei es drum. So lange noch kein neues Windows auf den Markt kommt, lohnt es sich nicht, in neue Hardware zu investieren. Die Auftragslage sieht eh nicht so besonders rosig aus, und da ist man schon froh, wenn man auf dem Konto kein Minus machen muss.

Ganz anders sieht es allerdings bei meiner Frau aus. Die startet am Montag nach acht Jahren Kinderpause wieder in ihren alten Lehrerjob durch. Die Aufregung ist groß und das Leid auch: Ihr alter Rechner ist eine Krücke, die den Internet-Zugang verweigert, ständig abstürzt, asthmatisch langsam arbeitet und noch dazu mit einem der allerersten Flachbildschirme arbeitet, der inzwischen ein leicht unscharfes Bild bietet. Hinzu kommt, dass der alte Farbtintenstrahler spinnt: Ständig trocknet eine der Tintenpatronen ein. Also: Ein neues System muss her.

Wir kaufen alle unsere Rechner im Internet bei der bekannten Firma mit den vier Buchstaben. Da kann man sich alle Komponenten frei zusammenstellen und bekommt das Ergebnis frei Haus geliefert. Das ist gut so, denn im PC-Geschäft um die Ecke werden keine Kreditkarten akzeptiert: Bargeld lacht.

Ein Angebot lockt im Süden

Das Problem: Als ich das erste Mal im speziellen Pressebereich einlogge, der mir ein paar Prozent Rabatt garantiert, habe ich mich schnell auf 1500 Euro hochgeklickt. Plus Versand. Plus Kosten für einen Drucker. Immerhin ist da ein 19 Zoll Flachbildschirm mit dabei. Doch 1500 Euro sind mir dann doch zu teuer. Zumal wir Wind davon bekommen, dass Aldi Süd einen neuen Rechner für unter 1000 Euro anbietet, der vom Speicher, von der Festplatte und von der sonstigen Ausstattung her noch deutlich besser aufgestellt ist. Hmmm….. Leider gibt es bei uns nur Aldi Nord, sodass das nichts nützt.

Zwei Wochen vor Schulbeginn stehe ich noch immer ohne Rechner da. Da kriege ich von meiner Internet-Firma ein allgemeines Kundenangebot zugemailt. Ein neuer PC kostet mich ohne Bildschirm auf einmal nur noch ein paar hundert Euro. Der Versand ist kostenlos. Und ein Gratis-Farbdrucker liegt auch bei. Okay, denke ich, vergessen wir den Presserabatt und schlagen lieber hier zu. Den ganzen Computer bekomme ich mit allen Extras, die ich brauche, und inklusive Monitor für knapp tausend Euro. Das ist okay. Für die Schule nur das Beste. Ich bestelle das Teil - und eine Woche später ist es auch schon da.

Zwangsverpflichtung unter dem Dach

Meine Frau ist happy und sperrt mich für den Abend in ihr Arbeitszimmer unter dem Dach ein, damit ich den alten Computer abbaue und den neuen aufstelle. Kein Thema, so etwas mache ich ja ganz gerne. Ich baue die alten Komponenten ab und stelle sie in eine Ecke. Dabei staune ich wieder einmal darüber, wie viel Staub sich so in den Jahren auf den Geräten absetzen kann. Und wie sehr die Kabel miteinander verknäult sind. Vor allem das dünne Kabel der Lautsprecherboxen hat sich wie Efeu um die dicken Stämme der Stromkabel geschlungen. Fast möchte ich zur Schere greifen. Aber dann nehme ich doch lieber die Plackerei auf mich und entheddere die Schnüre.

PS/2 – nicht mehr dabei

Die Tastatur, die dem neuen Rechner beiliegt, sieht komisch aus. Und die Maus hängt an einer Schnur, das ist nicht so gut. Aber kein Problem. Ich habe ja noch die alte Tastatur und die alte Funkmaus. Aber ich staune: Am neuen Rechner gibt es keine runden Buchsen mehr. Weder eine für die Tastatur noch eine PS/2-Buchse für die Maus. Nur noch USB-Stecker. Die beiliegende Maus und Tastatur weisen ebenfalls einen USB-Stecker auf. Mist. Jetzt muss ich den ganzen Rechner neu positionieren, damit die Kabel bis auf den Schreibtisch reichen.

Die alten Lautsprecher-Boxen, der neue Bildschirm, alles ist schnell verkabelt. Auch der kostenlos mitgelieferte Tintenstrahldrucker macht keine Probleme. Allerdings: Das "Geschenk" ist so wackelig und simpel gestrickt, dass es schon die ersten Blätter schief einzieht und dabei einen riesigen Papierstau verursacht. Das war wohl nix. Ich hole meinen Tintenstrahler aus dem Keller und schließe lieber den an. Der wurde unten eh nicht mehr eingesetzt. Meine Holde möchte aber auch ihren alten Laserdrucker weiter verwenden - für den Ausdruck von Übungszetteln in Klassensatzstärke. Kein Thema, das mache ich doch mit links. Allerdings weist der neue Rechner keine LPT-Schnittstelle mehr auf. Ist das etwa auch schon wieder veraltet? Dummerweise versteht der alte Drucker noch kein USB. Gibt es da wohl eine Weiche? Oder muss ich erst eine LPT-Schnittstelle nachrüsten? Zu dumm. Jetzt habe ich schon zwei Probleme.

Und nun noch eine Diskette...

Als endlich alles steht und läuft, legt mir meine Frau eine Diskette mit Schulschriften vor. Die soll ich ihr installieren. Ich grinse schief. Der neue PC hat leider kein Diskettenlaufwerk. Das ist heute kein Standard mehr und muss extra hinzugekauft werden. Ich ernte einen bösen Blick und eile in den Redaktionskeller, um die Diskette an meinem Rechner auf einen USB-Stick umzukopieren. Dabei werfe ich auch noch einen Blick auf unseren Schrank, in dem noch einige Kisten mit alten externen Laufwerken, Mäusen und anderem Krempel stehen. Das Zeug kann inzwischen wohl auch auf den Müll. An die modernen Rechner von heute lässt sich der Krempel bestimmt nicht mehr anschließen. Heute ist ja alles nur noch USB...

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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