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Scheibes Kolumne: Wo bitte liegt Augsburg?

Neulich musste Kolumnist Scheibe von Berlin nach Augsburg reisen. Kein Problem, dachte er. Mit Computer und Internet sollte es eigentlich ein Klacks sein, die Reise vom eigenen PC aus zu organisieren. Leider hinkt die Realität noch immer der Idealvorstellung hinterher.

Neulich musste ich von Berlin nach Augsburg reisen. Kein Problem, dachte ich. Mithilfe meines Computers und einer schnellen Internet-Anbindung sollte es eigentlich ein Klacks sein, die Reise vom eigenen PC aus zu organisieren. Leider hinkt die Realität doch noch immer der Idealvorstellung hinterher.

Eigentlich reise ich ja gar nicht so gerne in geschäftlichen Angelegenheiten. Schnell ist da ein Arbeitstag ohne vorzeigbares Ergebnis verbraucht. Na klar, man quatscht nett zusammen und überlegt, wie man dieses oder jenes Problem doch besser gemeinsam lösen könnte. Meist hätte ein kurzes Telefonat aber das gleiche Ergebnis gezeitigt – nur eben schneller und preiswerter.

Augsburg ruft

Aber egal. Ich muss nach Augsburg, um hier an einer spannenden und hoffentlich sich bald in neuen Aufträgen auszahlenden Konferenz teilzunehmen. Dummerweise habe ich nicht den blassesten Schimmer, wo Augsburg überhaupt liegt. Irgendwo südlich der Weißwurstgrenze jedenfalls. Dort, wo die Leute nicht mehr Skat, sondern lieber Doppelkopf spielen. Und sich dabei den Schnurrbart zwirbeln.

Weiter als erwartet

Alles kein Problem. Angesichts der horrenden Flugpreise denke ich mir, ich müsste es doch einmal mit der Bahn versuchen. Schnell wechsle ich ins Internet und lasse mir von der Seite Bahn.de die Strecke Berlin – Augsburg berechnen. Der Horror: 5 Stunden 40 dauert die Fahrt im optimalen Fall mit dem ICE. Und zwar nicht hin und zurück, sondern nur hin. Da kann ich ja gleich mit dem Auto fahren. Ich rufe sicherheitshalber einen Online-Routenplaner auf und lasse mir Augsburg anzeigen. Himmel, das liegt ja sogar noch links hinter München. Da wäre ich ja auch mit dem Auto ewig unterwegs. Wie soll ich das denn schaffen? Wo die Konferenz doch schon um elf Uhr anfängt.

Also doch Fliegen - oder nicht?

Mein Verlagsleiter drängt mich zum Flug. Irgendeine Albatros-Airline flattert anscheinend direkt von Berlin nach Augsburg. Wahrscheinlich starten die Minimaschinen dann aber von Tempelhof aus und nicht von Tegel. Da muss ich mich von meinem Standort in Falkensee bei Berlin-Spandau aus noch eine halbe Stunde länger durch den morgendlichen Berufsverkehr drängeln. Ein Blick auf die Homepage der Fluglinie durchkreuzt aber auch diesen Plan. Es gehen nur zwei Maschinen am Tag, eine mittags, eine nachmittags. Für den Hinflug zu spät, für den Rückflug zu spät. Immerhin kann ich das herausfinden, ohne meinen Schreibtischstuhl zu verlassen.

Das Schnäppchen ist gar keins

Hier ist also der Plan: Ich fliege ganz normal mit dem Linienjet nach München. Da setze ich mich in einen Mietwagen und kachele die 80 Kilometer über die Autobahn nach Augsburg. Am Abend dann das Ganze retour. Ein Blick auf den Flugplan zeigt mir, dass ich mir die Abflugzeiten selbst aussuchen kann. Und für 70 Euro bin ich bereits mit dabei. Ich freue mich: Für 70 Euro nach München, das klingt doch gut. Da ich aber im Internet doch nicht buchen möchte – ich traue mich nicht – rufe ich lieber beim Reisebüro meines Vertrauens an. Über den Preis von 70 Euro können die Reisekundigen nur laut lachen. So kurz vor Reiseantritt gilt der Preis natürlich nicht mehr. Und auch vor zwei Wochen hätte ich ihn nur dann bekommen, wenn ich nachts fliege, dabei einen hungrigen Pitbull auf den Schoss nehme und zugleich ein Verhältnis mit der hässlichsten Stewardess an Bord habe. Insofern ich wieder in der Realität gelandet wäre, könnte ich entweder einen Economy-Sitzplatz in der Deutschen BA für knapp 300 Euro haben oder einen Business-Class-Sitzplatz in der Lufthansa-Maschine für 400 und ein paar Zerquetschte. Ich möchte natürlich sparen und nehme den Holzklassenflieger. Einen Mietwagen bestelle ich auch gleich.

Schnell noch 1,5 GB installieren

Die Tickets kann ich mir einen Tag später abholen, das klappt auch alles sehr gut. Bleibt die Fahrtstrecke von München nach Augsburg. Ich nehme mir einen neuen Routenplaner auf drei CDs vor und staune, dass bei dieser Datenmenge keine DVD in der Verpackung liegt. Die Software verlangt allen Ernstes von mir, 1,5 Gigabyte Daten auf die Festplatte zu übernehmen. Entnervt schaufele ich den Inhalt von drei CDs auf die Platte. Die Route ist anschließend schnell berechnet und ausgedruckt. Auf vier Seiten werden die Fahrtanweisungen festgehalten. Kleine Minikarten zeigen außerdem ganz genau, wie ich zu fahren habe. Jetzt kann es ja endlich losgehen.

Wo kommen denn die ganzen Leute her?

Mein Flieger geht morgens um sieben, ich fahre schon um sechs los. Eine Stunde für einen Weg, der sonst zehn Minuten dauert. Da sollte genug Luft drinnen sein. Die brauche ich aber plötzlich auch, denn die Straßen sind gerammelt voll. Himmel, ich wusste gar nicht, dass so viele Menschen so früh zu arbeiten beginnen. Wenn ich in der Computerbranche jemanden ans Telefon bekommen möchte, dann brauche ich vor zehn Uhr morgens nie zum Hörer greifen. Gerade noch rechtzeitig komme ich zum Einchecken an. Und bin entsetzt. Der Flieger, in den wir wie Vieh gepfercht werden, ist so eng bestuhlt, dass ich echte Probleme bekomme. Vom jahrelangen Schuften auf diversen Baustellen habe ich ein recht breites Kreuz. Da ich den Mittelsitz habe, nehme ich beiden Nachbarn auf einmal die Armlehne weg und drücke sie nach außen. Ich knurre ein bisschen wie ein Football-Quarterback kurz vor dem Angriff, damit sie nicht auf die Idee kommen, dagegen zu revoltieren.

Und noch mal von vorne

Doch die Gefahr lauert an anderer Stelle. Die Stewardess meldet, dass ein Koffer zu viel an Bord geholt wurde. Die Koffer werden mitten auf dem Rollfeld entladen und einfach auf dem Beton gestapelt. Die Passagiere müssen vorne aussteigen, ihren Koffer nehmen und hinten wieder einsteigen. Endlich ist der überflüssige Koffer gefunden. Wahrscheinlich wird er gleich in der Spree versenkt. Mit einer halben Stunde Verspätung können wir endlich losfliegen. Unterwegs schmökere ich in einem Schundroman und höre Pink Floyd von meinem Mini-MP3-Player. Das darf ich, hab extra die Stewardess gefragt.

Endlich klappt mal etwas

In München geht alles glatt. Ich laufe endlose Kilometer durch den riesigen Franz-Josef-Strauß-Flughafen, weil das Ankunfts-Terminal D und die zentrale Ausgabestelle für Mietwagen meilenweit voneinander entfernt liegen. Vor Ort kriege ich einen Opel Vectra ausgehändigt – es kann also losgehen. Ich schaue mir meinen Routenplaner-Ausdruck noch einmal ganz genau an und versuche, mir die Autobahnnummern zu merken, die da verbucht sind. Dann fahre ich los – bei bestem Wetter und viel Sonne. Wie schön es hier in Bayern ist. Die Wiesen mit den vielen Mohnblumen am Rand. Die rauschenden Wälder, die nicht nur aus dürrem Nadelgestrüpp bestehen. Die idyllischen kleinen Häuser.

Auf dem Holzweg - leider nicht

Leider habe ich wenig Zeit, um aus dem Fenster zu sehen. Mir fehlt ein Beifahrer, der für mich auf den Routenplan sieht. Bei Tempo 140 lassen sich die winzigen Landkarten nur schwer lesen. Ich verliere immer wieder die Orientierung. Wenn ich da von oben in die rote Straße fahre und dann links auf die gelbe abbiegen soll, ist das dann auch links in echt? Oder halte ich den Plan verkehrt herum? Mühsam schlage ich mich durch. Ein echtes Problem ist, dass mich der Routenplan immer wieder zum Abbiegen nötigt – und zwar an Orten, die es gar nicht gibt. Die Nummern der Autobahnen stimmen zwar, die Ortsnamen heißen auf den Schildern vor meinen Augen aber immer ganz anders als im Plan. Dreimal verfahre ich mich, weil der Holzweg nicht zu finden ist. Ich auf dem Holzweg, schönes Wortspiel. Aber noch bin ich nicht drauf. Die Abfahrt heißt nämlich Bärenkeller und nicht Holzweg. Blöder Plan. Nächstes Mal borge ich mir bei Pdassi.de einen PocketPC mit GPS-Routenplaner aus. Dann kann ich wenigstens genau ablesen, wo sich mein Auto gerade in Deutschland befindet.

Auf den letzten Metern ruft mich mein Verleger an. Wo ich denn bleibe, alle anderen wären schon da. Na prima. Da fährt man so früh los und kommt doch zu spät an. Ich werde schnell wieder in die richtige Fahrtrichtung gelotst, schmeiße dann erbost den Routenplan aus dem Fenster und lasse mich stattdessen vom Verleger führen. Endlich komme ich am Verlagsgebäude an. Als ich gerade den Schlüssel im Schloss umdrehen möchte, um den Motor auszumachen, spricht es aus dem Radio: Auf der Strecke zwischen München und Stuttgart ist ein Geisterfahrer unterwegs. Ich hoffe, das war nicht ich.

Carsten Scheibe
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.