Software für Schulanfänger Guter Kinderkram


Die Einschulung ist für viele Eltern der Zeitpunkt zu überlegen, ob sie ihren Nachwuchs nicht langsam an den Computer heranführen sollen. Dabei kann man einiges falsch, aber auch vieles richtig machen.

Mein Kind am Computer - das ist für viele Eltern der blanke Horror. Schließlich sitzen die lieben Kleinen doch eh schon viel zu lange vor dem Fernseher. Was viele Eltern allerdings nicht sehen: Die Beschäftigung mit dem Fernseher ist eine passive, die mit dem Computer hingegen eine aktive. Bei einem guten Lern- und Spielprogramm für die Altersklasse von 5 bis 7 Jahren treten die Kinder in Kommunikation mit einer digitalen Computerfigur und erleben spannende Abenteuer, die sie aber selbst aktiv mitgestalten. Kommen die passenden Computerprogramme zum Einsatz, trainieren die Kinder dabei auch gleich noch spielerisch die Konzentration, die Wahrnehmung und das logische Denken. Ungeachtet dessen lernen sie auch etwas - wenn nicht für die Schule, dann fürs Leben. Wichtig ist auch, dass die Kinder schon früh üben, mit dem Computer zu arbeiten und vor allem die Maus richtig zu bewegen. Das Klicken mit rechter und linker Maustaste sowie das "Ziehen" per Drag and Drop sind dabei die Hauptprobleme. Da der Computer längst auch an der Grundschule Einzug gehalten hat, ist es nicht verkehrt, wenn die Kinder bereits sehr früh an den Rechner herangeführt werden. Dabei zeigt sich, dass die Kinder vor allem in jungen Jahren sehr schnell mit dem Gerät zurechtkommen. Kinder ab vier Jahren klicken sich bereits nach kurzer Übungsphase wie ein Profi durch ganze Unterhaltungswelten hindurch, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Der PC darf kein Kinder-Parkplatz werden

Wichtig ist eins: Der Computer ist kein digitales Kindermädchen. Er ist in der Folge nicht dafür da, damit die Eltern die Kinder vor dem Bildschirm parken und sich dann anderen Dingen zuwenden können. Ganz im Gegenteil: Der PC bringt die Familie im optimalen Fall neu zusammen. Gerade bei den Erstklässlern ist es nicht verkehrt, wenn sich ein Elternteil mit an den Computer setzt, um gemeinsam mit dem Kind das Programm zu erforschen. So kann das Elternteil immer einmal eingreifen, wenn Probleme auftauchen - etwa bei der Bedienung des Computers oder beim Verständnis der gestellten Aufgaben. Hinzu kommt, dass die Eltern auf diese Weise auch die direkte Kontrolle nicht aus der Hand geben. Sie begrenzen etwa die Spielzeit des Nachwuchses und können auch direkt am Kind beobachten, ob es positiv oder negativ auf die Software reagiert.

Wo etwas Gutes draufsteht, ist nicht immer Gutes drin

Kinder in der Grundschule beginnen noch nicht damit, selbst aktiv raubkopierte PC-Spiele zu tauschen. Deswegen greift hier auch nicht die Gefahr, dass sie sich auf dem Schulhof mit blutrünstigen Ballerspielen eindecken, die für ihre Altersstufe noch gar nicht freigegeben sind. Die Schlussfolgerung lautet aber: Dafür müssen sich die Eltern selbst um die Software kümmern und sie etwa im Fachgeschäft einkaufen. Viele Eltern greifen leider immer wieder beim Discounter zu einem "Schnäppchen" und freuen sich, wenn etwa "Sesamstraße" draufsteht. Nun ist es leider bei den Computerspielen so, dass gute Qualität auch ihren Preis hat und etwa die verramschten "Sesamstraßen"-Titel mit zu den schlechtesten Programmen gehören, die überhaupt auf dem Markt zu haben sind. Wer mit seinen Kindern das Abenteuer Computer wagen möchte, muss in der Folge etwas mehr Zeit mit der Vorbereitung verbringen.

Auch Spiele für Kleine haben Hardware-Hunger

Bevor es um die Anschaffung der Software geht, muss zunächst die Frage des Rechners geklärt werden. Viele Eltern rangieren ihren eigenen Uralt-Rechner aus und überlassen ihn gönnerisch dem Nachwuchs. Ein großer Fehler: Computerspiele sind stets sehr anspruchsvoll und verlangen nach neuer Hardware. Ansonsten gibt es vielleicht Probleme mit der Performance, mit der Sprachausgabe oder den Animationen. Besser ist es also allemal, den Kindern einen neuen Einsteigerrechner zu spendieren - etwa den klassischen ALDI- oder Lidl-Rechner für ein paar hundert Euro. Wichtig sind bei der Anschaffung eine schnelle Grafikkarte, eine gute Soundkarte, solide gut klingende Lautsprecher und eine Festplatte mit einigen Gigabyte freiem Speicherplatz. Viele Computerspiele überspielen leider ihren gesamten Inhalt von der CD auf die Festplatte. Da sind schnell einige Gigabyte verbraucht. Eine gute Maus ist auch extrem wichtig. Eine Funkmaus hat sich bewährt, damit sich die Kinder bei ihren hektischen Mausbewegungen nicht länger mit dem Kabel der Maus verheddern. Besorgte Eltern investieren auch in einen Flachbildschirm, der wenig Platz auf dem Schreibtisch belegt und vor allem absolut strahlungsneutral ist, während die wuchtigen Röhrenmonitore Strahlung abgeben. Je größer der Bildschirm ist, desto besser, dann erkennen die Kinder wenigstens etwas.

Kontrolle muss sein

Ist kein Geld für einen neuen Rechner vorhanden, können sich die Eltern ja ihren PC mit den Kindern teilen. Das ist insofern nicht verkehrt, weil die Eltern den Rechner dann in ihrem Arbeitszimmer zu stehen haben und so die perfekte Kontrolle über die Spielzeiten ausüben. Steht der Kinder-PC nämlich im Kinderzimmer, ist die Verlockung der Knirpse groß, das Gerät häufiger anzuschalten. Mit dem Computer ist es wie mit dem Fernsehen: Eine halbe Stunde Spielzeit am Tag ist in Ordnung, mehr Medienzeit sollte aber nicht aufgewendet werden. Gut ist auch der Ansatz, den Kindern mal eine längere Spiele-Session zu gestatten, dann aber halt nur einmal in der Woche.

Nur wenige gute Hersteller

Ist der Rechner vorhanden, geht es um die Anschaffung der Software. In den letzten Monaten sind zahlreiche Titel erschienen, darunter auch viele für Sechsjährige. Das Problem ist, dass es sich bei den meisten Programmen um Rasch handelt, der ohne pädagogisches Konzept erarbeitet wurde. Fakt ist, dass ein aufwendiges PC-Spiel für Kinder sehr, sehr teuer in der Herstellung ist. Diese Kosten möchten die wenigsten Unternehmen schultern. Aus diesem Grund gibt es nur wenig Hersteller, die wirklich gute Programme in den Markt schieben. Firmen mit exzellentem Ruf sind etwa Terzio, Tivola, Cornelsen, Coktel und Oetinger. Produkte dieser Unternehmen kann man fast blind kaufen. Sie kosten dann aber auch leicht 30 bis 60 Euro - pro Titel.

Empfehlungen für Eltern

Bei den Kindern gilt: Spiel ist nicht gleich Spiel. Es gibt vier verschiedene Software-Gattungen. Die Eltern sollten schon genau wissen, was sie da für einen Titel einkaufen. Denn bei der Förderung der Kinder zielt jede Software-Gattung in eine ganz eigene Richtung. Empfehlungen für gelungene Produkte aus den Bereichen Abenteuerspiele, Spiele-Kollektionen, allgemeine Lern-CDs und Software passend zu Schule finden Sie im Kasten am Anfang des Artikels (unter dem Bild).

Carsten Scheibe

Abenteuerspiele

Das Mädchen Laura schaut aus dem Fenster und sieht, wie ein Stern vom Himmel fällt. Auf dem Gehweg liegt er - eine Zacke ist abgebrochen. Laura freundet sich mit dem Stern an, klebt ihn wieder zusammen und beschließt, ihn mit einer Rakete wieder in den Himmel zu schießen ("Lauras Sternenreise").

Max besucht eine Burg und freundet sich mit dem Schlossgespenst Willie an. Zu dumm, dass das Gespenst im verschlossenen Turmzimmer festsitzt und nicht mehr durch Wände gleiten kann. Dazu ist es nämlich viel zu hungrig. Also muss Max für Willie gelbe Socken im Schloss einsammeln, damit der Geist was zu futtern hat und das Turmzimmer verlassen kann ("Max und das Schlossgespenst").

Die Olchies leben auf der Müllkippe und lieben alles, was stinkt und eklig ist. Als der Bürgermeister sie auf eine andere Müllkippe umsiedeln möchte, zerreißt Papa Olchie vor Wut den Routenplan. Die Olchies müssen jetzt nach den Schnippseln suchen ("Die Olchis").

Interaktive Bilderbücher

Allen Abenteuerspielen ist gemein, dass die Kinder in ein animiertes und interaktives Bilderbuch eintauchen. Sie erleben eine spannende Geschichte, die sie per Mausklick selbst vorantreiben. In die Spielhandlung sind viele kleine Spielchen integriert. Das Problem mit diesen oft hervorragend gemachten Spielen ist, dass sie nach dem ersten Durchspielen oft langweilig wirken. Die Kinder sagen: "Kenne ich doch alles schon." Und Recht haben sie. Trotzdem gibt es nichts Schöneres für sie, als genau diese Spiele zu meistern. Lohnend ist es hier, wenn sich mehrere Eltern zusammentun, um sich die Anschaffungskosten zu teilen. Oder wenn sie das Programm bereits gebraucht bei eBay ersteigern.

Empfehlenswerte Titel
Der kleine Rabe Socke 1 & 2 (Tivola)
Die Biene Maja 1 und 2 (Tivola)
Die Lustigen Kleinen Krabbler (Tivola)
Die Olchies (Oetinger)
Lauras Sternenreise (Tivola)
Max und... (5 Titel von Tivola)
Pettersson und Findus (mehrere Titel, Oetinger)
Ritter Rost (Terzio)
Siebenstein (Terzio)
Snoopy und seine Freunde (Tivola)
Wickie und die starken Männer 1 & 2 (Tivola)

Spiele-Kollektionen

Ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Einzeltitel weisen die Spielesammlungen auf. Hier fallen vor allem die CDs zur "Sendung mit der Maus" (Tivola) und zur TV-Serie "Löwenzahn" (Terzio) auf. Diese CDs enthalten viele kleine Spiele, dazu Filmbeiträge, Malblätter, Bastelideen und immer wieder neue Animationen und Überraschungen, die ein Kind auf Tage hinaus unterhalten können. Da die Produktion dieser CDs so kosten- und zeitintensiv ist, gibt es leider keine große Auswahl.

Empfehlenswerte Titel
Die CD-ROM mit der Maus 1-3 (Tivola)
Löwenzahn (mehrere Titel, Terzio)

Allgemeine Lern-CDs

Spielerisch etwas lernen: Dieser Vorgabe folgen viele Kinder-CDs. Sie orientieren sich nicht unbedingt am Lehrplan der Grundschule, sondern versuchen ganz allgemein Wissen zu vermitteln, das die Kinder interessieren könnte. Für Terzio ist etwa "Willy Werkel" unterwegs, der mit den Kindern Schiffe und Flugzeuge baut und auch das dazu passende Know-how kindgerecht präsentiert. Tivola bringt "Milli-Metha" ins Spiel. Das Mädchen erforscht das Leben in einem Baum oder reist in den Körper eines Riesen. "Oscar der Ballonfahrer" erkundet derweil eine Wiese, einen Berg oder einen Bauernhof - und zeigt auf, was die Tiere hier während der vier Jahreszeiten unternehmen.

Diese Lern-CDs haben einen weiteren Vorteil: Sie werden nicht so schnell langweilig und bieten den Kindern immer wieder neuen Spaß, wenn sie versteckte Gimmicks erkunden oder selbst kreativ tätig werden.

Empfehlenswerte Titel
Abenteuer Bauernhof (Tivola)
Abenteuer Stadt (Tivola)
Addy Buschu (Coktel)
Der kleine Professor erforscht den Körper (Oetinger)
Milli-Methas Reise in... (2 Titel, Tivola)
Oscar der Ballonfahrer (4 Titel, Tivola)

Lern-CDs passend zur Schule

Viele Verlage bieten inzwischen Lernspiele und Lern-Programme begleitend zum Unterricht an, einige auch passend zum Unterricht der ersten Klasse. Sie beschäftigen sich vorrangig mit der Mathematik und dem Fach Deutsch. Der Vorteil ist, dass die Computerprogramme im besten Fall didaktisch sehr gut aufbereitet sind und den Kindern ohne Druck und mit viel Selbstbestätigung erklären, wie sie Wörter bilden oder Zahlen addieren. So gewinnen die Kinder Selbstvertrauen und begreifen auf einmal Dinge, die sie in der Schule vielleicht noch nicht verstanden haben. Das spart den Nachhilfelehrer. Ein Nachteil kann allerdings sein, dass die Kinder am Computer schon im Stoff vorauseilen und sich dann in der Schule langweilen. Gute Lern-CDs weisen übrigens einen speziellen Elternbereich auf. Hier können die Eltern den Lernerfolg der Kinder kontrollieren.

Empfehlenswerte Titel
Adiboo (mehrere Titel, Coktel)
Englisch lernen mit Ritter Rost (Terzio)
Freddy - vampirisch gute Noten Klasse 1 (Tivola)
Ikuru in Lolopolis Englisch 1 (Cornelsen)
Janosch Vorschule 1-3 (Terzio)
Lernspaß 1.Klasse - Auf dem Bauernhof (Terzio)
Lernvitamine (Cornelsen)

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