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Software-Verpackungen: Ein Scheibchen und drei Liter Luft

Backsteingroße Kartons, Kartons von der Größe geräumiger Schul-Tornister, Kartons, in denen Brehms Tierleben Platz fände: Diese Monster-Schachteln findet der Käufer in den Verkaufsregalen der Computershops. Aber müssen Verpackung so riesig sein?

Eine Glosse von Peter Kusenberg

Die Lernsoftware-Sammlung "Schule total" ist nicht viel kleiner als das zu belehrende Schulkind, die Sicherheits-Experten von Symantec füllen ihre Zwei-Liter-Kartons von "Norton Internet Security" mit einer CD in dünner Papierhülle plus Handbüchlein - und reservieren etwa 95 Prozent des Schachtel-Raums für Luft.

Das kostet Geld und Ressourcen. In einen 9-Tonnen-Lastwagen passten etwa sechsmal so viele Data-Becker-, SAD- oder BHV-Produkte, würden sie alle in DVD-Verpackungen ausgeliefert. Zudem fänden die Programme Platz im heimischen Regal, ohne, dass "Net Objects Fusion" die Kafka-Gesamtausgabe verdrängte. Doch die Hersteller leben in dem Wahn, dass die Käufer nur Programme bemerken, die groß sind wie Cornflakes-Schachteln. Sony hat auf seine Luft-gefüllte Schachtel von "Sound Forge Audio Studio" sogar eine junge Dame gedruckt, deren lasziv-obszöne Pose jede Feministin erzürnen müsste: Als ließe sich ein Käufer semi-professioneller Musik-Bearbeitungssoftware von voluminösen Kartons und Telefonsex-artigen Bildern zum Kauf animieren!

Die Spiele-Industrie leitete schon vor rund sieben Jahren mit der Einführung der DVD-Box die Trendwende ein; nur noch Billig-Spiele erscheinen in Luft-gefüllten Kartons; oder Sonder-Editionen, die zusätzlich Hartgummi-Figuren, Soundtrack, T-Shirt und Artbook enthalten. Zum Glück behaupten Marktforschungsanalysen, Software werde demnächst nur noch übers Internet vertrieben. Data Becker, S.A.D. & Co. verkaufen bereits einige ihrer Programme zusätzlich via Download-Shop.

So ärgerlich die Luftware ist, so gefährlich sind die Verpackungen von Hardware-Zubehör: Einige dieser Sicht-Verpackungen von Gamepads, WLAN-Sticks und Kopfhörern öffnen Sie besser nur mit Schere und Handschuhen, da andernfalls scharfe Plastikränder Ihre Hände aufschlitzen. Auf Kopfhörer-Downloads werden wir allerdings ewig warten müssen, vorher stecken die Hardware-Hersteller ihre Geräte lieber in Cornflakes-Kartons - wetten?

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