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Computerspiel Fallout 4: So schön kann die Apokalypse sein

Im neuen Videospiel Fallout 4 kämpfen Sie sich durch das Ödland nach der nuklearen Katastrophe. Das ist gleichzeitig absurd komisch, extrem gruselig, ausgesprochen brutal - und unfassbar unterhaltsam.

In Fallout 4 durchstreifen Sie die Überreste eines Nuklearkriegs

In Fallout 4 durchstreifen Sie die Überreste eines Nuklearkriegs

Stellen Sie sich vor, Sie und Ihr geliebter Partner flüchten zusammen mit Ihrem Säugling vor den drohenden Atombomben in einen Bunker. In letzter Sekunde schließt sich die Sicherheitsluke, dann beginnt draußen die Apokalypse. 200 Jahre Tiefkühlschlaf später betreten Sie das zerstörte Ödland erneut, diesmal bevölkert von Räubern, aggressiven Supermutanten und zum Teil riesigen Bestien. Willkommen in der Welt von Fallout 4.

Fallout, das steht unter Gamern für einen großartigen Mix aus einer gigantischen Spielwelt, unendlicher Handlungsfreiheit, absurd-witzigen Dialogen und nervenaufreibender Action. Die Zukunftsvision der Fallout-Reihe beruht auf Science-Fiction-Romanen aus den Fünfzigern, es gibt also jede Menge Roboter, Laserpistolen und Sci-Fi-Kitsch. Alles ist vollgestopft mit Popkultur-Zitaten und Anspielungen an Filme, Romane, andere Spiele und so weiter. Und auch im vierten Teil schafft es Entwickler Bethesda, der die Serie mit dem dritten Teil übernahm, die Endzeitutopie würdig fortzusetzen.

Beim Kampf hilft in Fallout 4 das Zielsystem "V.A.T.S"

Beim Kampf hilft in Fallout 4 das Zielsystem "V.A.T.S"

Boston in Trümmern

Als Kulisse dient diesmal die Umgebung der US-Metropole Boston. Die verrückten Wissenschaftler des „Instituts“, ganz klar angelehnt an die bekannte Elite-Uni „Michigan Institute of Technology“ (MIT), haben künstliche Menschen erschaffen, die nicht von gewöhnlichen zu unterscheiden sind. Wer nun sofort an Blade Runner dachte, darf sich auf zahlreiche Anspielungen an den Science-Fiction-Klassiker freuen. Was es mit den Machenschaften des Instituts auf sich hat und wie das nur noch "Commonwealth" genannte Ödland um die Großstadt zu retten ist, muss der Spieler nun herausfinden. Wenn er sich nicht gerade mit den Hunderten anderen kleinen Geschichten befasst, die die riesige Spielwelt zu bieten hat.

Denn wie man es von Bethesda-Spielen kennt, ist die an sich schon beeindruckend große Karte bis zum Bersten gefüllt mit Ruinen, Höhlen, Industrieanlagen und ähnlichem, die nur darauf warten, vom Spieler erkundet zu werden. Die stehen natürlich nicht einfach leer. Doch während die eine freundliche Überlebende enthält, die gerne handeln und Aufträge zu vergeben haben, lauern in der nächsten Unmengen von feindlich gesinnten Menschen und Kreaturen, von den "Ghouls" getauften Zombies über Kampfroboter bis zu den Todeskrallen - riesigen Mutantenwesen mit gigantischen Zähnen, Hörnern und eben Klauen.

Die Zukunftsvision von Fallout 4 beruht auf alten Science-Fiction-Romanen und steckt voller Roboter und 50er-Kitsch

Die Zukunftsvision von Fallout 4 beruht auf alten Science-Fiction-Romanen und steckt voller Roboter und 50er-Kitsch

Ballern und basteln

Um das zu überleben, muss der Spieler auf sein riesiges Waffenarsenal zurückgreifen. Das reicht von einem einfachen Schlagring, jeder Menge Schlag-, Schuss- und Laserwaffen bis zum “Fatman”, der Mini-Atombomben verschießt. Neu ist die Möglichkeit, jede der Waffen ausführlich umzubauen. An Gewehre kommt ein neues Visier, ein längerer oder kürzerer Lauf und vielleicht noch ein Bajonett, der Baseballschläger wird mit Rasierklingen gespickt. Bastler dürften damit ihre wahre Freude haben. Wer nicht will, lässt die Waffen eben, wie er sie findet.

Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, in befreundeten Siedlungen nach Herzenslust Häuser, Verteidigungstürme, Wasseraufbereitungsanlagen und ähnliches aufzubauen. Dazu sammelt man im Ödland Ressourcen, auch zusammengebrochene Häuser in der Siedlung lassen sich recyclen. Auch hier gilt: Nur wer Lust dazu hat, baut die Siedlungen aus und zieht so neue Mitbürger und Handelspartner an. Wer lieber nur ballern will, ignoriert diesen Teil des Spiels einfach.

Hinter der friedlichen Fassade versteckt sich in Fallout 4 nicht selten das Grauen

Hinter der friedlichen Fassade versteckt sich in Fallout 4 nicht selten das Grauen

Kein Spiel-Film

Die Freiheit, zu tun und zu lassen, was man will, macht neben der großartigen Atmosphäre den größten Reiz des Spiels aus. Ständig gibt es etwas Neues zu entdecken, Geschichten zu erleben und Aufträge zu erledigen. Da verliert man die Haupthandlung schnell mal aus den Augen. Leider ist das nicht ganz ohne Folgen. Denn wer nun ein perfekt inszeniertes Abenteuer erwartet, wird schnell enttäuscht. Während Spiele wie "The Last of Us" ganz auf die Handlung und die Entwicklung der Figuren ausgerichtet sind, spielt das bei Fallout 4, wie auch bei den Vorgängern, nur eine untergeordnete Rolle. Dass man eine offene Welt und eine spannende, verschachtelte Geschichte durchaus miteinander vereinen kann, zeigte im Frühjahr etwa das Rollenspiel "The Witcher 3". Durch seine festgelegte Hauptfigur ließ das allerdings weniger Spielraum für eigene Auslegungen. Was einem wichtiger ist, muss man selbst entscheiden.

Optisch kann Fallout 4 leider nicht ganz überzeugen. Die Grafik ist im Verhältnis zu anderen aktuellen Spielen etwas altbacken und effektarm. Das macht sich etwa durch manchmal fehlende Schatten, nicht mehr ganz zeitgemäße Texturen und arg künstlich wirkende Gesichter bemerkbar. Allerdings muss man sagen, dass die Gestaltung in sich sehr stimmig ist. Alles wirkt aus einem Guss und ist durchaus schön anzusehen. Was Atmosphäre angeht, kommt ohnehin wenig an einen Fallout-Titel heran - das ist dieses Mal nicht anders.

Auch in der nuklearen Zukunft ziehen Campingplätze Bären an. Die sehen durch die Strahlung allerdings nicht harmloser aus.

Auch in der nuklearen Zukunft ziehen Campingplätze Bären an. Die sehen durch die Strahlung allerdings nicht harmloser aus.

Für Kinder ist Fallout 4 übrigens nicht geeignet. Das Spiel ist extrem brutal, es fliegen regelmäßig Gliedmaßen über den Bildschirm, Blut fließt reichlich. Im Vergleich zur US-Version ist nichts geschnitten worden. Doch auch ohne die Gewalt sind etwa die gruseligen Ghouls und die bedrohliche Atmosphäre ganz sicher nichts für kleine Kinderherzen. Die USK-Bewertung "Ab 18" hat das Spiel nicht umsonst erhalten.

Fazit: ein richtig gutes Fallout

Fallout 4 ist ganz klar ein Bethesda- und ein Falloutspiel, im Guten wie im Schlechten. Die riesige Welt ist stimmig und extrem atmosphärisch, das Erforschen macht wie immer unglaublichen Spaß. Wer aber eine spannende Handlung mit filmreifer Inszenierung erwartet, wird enttäuscht sein. Die Handlung steht auch bei diesem Fallout-Titel nicht im Vordergrund. Dafür gibt es viel Freiheit, zu tun und zu lassen, was man will. Und mal ehrlich: Wieviele Spiele gibt es, in denen man einem Gegner heimlich eine Handgranate zustecken kann, die dann in der Tasche hochgeht?

Fans der Fallout-Reihe dürfen also unbesorgt zuschlagen. Alle anderen sollten vor dem Kauf wissen, dass sie das Ende des Spiels vielleicht nie zu Gesicht bekommen. Und vermutlich trotzdem großartig unterhalten werden.

Fallout 4 erscheint am 10.11.2015 für PC, Xbox One und Playstation 4 und kostet je nach Version zwischen 55 und 70 Euro.

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