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Wissenschaftsgame "Phylo": Per Onlinespiel zum Genforscher

Zocken für die Wissenschaft: Warum "Angry Birds", "Tetris" oder "Farmville" spielen, wenn man beim Daddeln auch Krankheiten entschlüsseln könnte?

Von Kristin Hüttmann

So gern "Farmville"-Anhänger ihre Facebook-Freunde auch mit Erfolgsmeldungen über aufgepäppeltes Problemvieh beglücken: Als Dienst an der Allgemeinheit werden selbst härteste Fans des Onlinespiels ihre Passion nicht bezeichnen. Wer beim Daddeln aber tatsächlich etwas für seine Mitmenschen tun möchte, hat dazu jetzt die Möglichkeit.

"Phylo" heißt ein neues Onlinespiel, das Forscher an der McGill-Universität in Montreal programmiert haben. Eine Art Mischung aus Tetris und Zauberwürfel, bei der Spieler bunte Klötzchen sortieren - und dadurch helfen, den genetischen Code weiter zu entschlüsseln.

Dass Forscher Privat-PC einspannen, ist zwar nicht neu. Wer mithelfen will, nach Außerirdischen zu suchen (SETI@home), den Klimawandel zu berechnen (ClimatePredicition.net) oder Medikamente zu entwickeln (Find-a-Drug), kann sich dafür kleine Programme herunterladen, die per Internet Tausende Einzelrechner zu virtuellen Supercomputern zusammenschalten. Was der PC an Prozessorleistung gerade nicht zum Surfen, Schreiben oder Musikabspielen nutzt, speist die Software ins Netz ein.

Kein Computer erkennt Muster so gut wie der Mensch

Bei "Phylo" dagegen muss der Mensch vor dem Bildschirm selbst ran. Denn der erkennt intuitiv Muster und Zusammenhänge, wo der Computer stumpf alle möglichen Kombinationen durchrechnet. Eine Fähigkeit, die Bioinformatiker Jérôme Waldispuhl und seine Kollegen ausnutzen, um herauszufinden, wann uns unsere Gene krank machen.

Und so geht's: Der Spieler sucht sich eine medizinische Fachrichtung aus - Onkologie, Neurologie, Kardiologie. Dann erscheinen auf dem Bildschirm Reihen von kleinen bunten Klötzchen. Jede Reihe steht für den gleichen Abschnitt des gleichen Chromosoms - aber jeweils einer anderen Art. Mensch, Fledermaus, Kuh, Hund, Aal: DNA-Proben von 44 Spezies sind im System eingespeichert.

Die vier Farben der Klötzchen stehen für die Buchstaben des genetischen Codes. Im Spiel kann man sie verschieben wie die Rechenkügelchen an einem Abakus - und so lange herumprobieren, bis sich die Farbmuster in allen Reihen an möglichst vielen Positionen gleichen. Ist so ein Puzzle sortiert, hat man ein Level geschafft, oder, wie der Fachmann sagt: eine Sequenz analysiert. Zur Belohnung erfährt der Spieler, bei der Entschlüsselung welcher Krankheit er gerade geholfen hat. Und während er zum Beispiel das familiär bedingte Bauchaortenaneurysma analysiert, spielt im Hintergrund sanfte Jazzmusik, selbst komponiert von Waldispuhl.

"Wenn wir die DNA-Sequenzen von Mensch und Fledermaus vergleichen, können wir sehen, welche Stücke in der Entwicklung der Arten gleich geblieben sind", sagt der Forscher. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Stücke, die bei allen Arten gleich sind, eine unverzichtbare Rolle für Gesundheit und Wohlergehen spielen. Treten auf diesen Stücken Mutationen auf, entstehen Krankheiten.

Das Auge forscht mit

Ein Computer würde bei der Suche nach solchen Mustern alle theoretisch möglichen Kombinationen durchrechnen. Viel zu viele. "Es würde eine Ewigkeit dauern, die alle durchzusehen, und die beste herauszusuchen", sagt Waldispuhl. "Der Mensch rät einfach; er schaut, welche Kombination am besten aussieht." Das Auge forscht mit.

Man kann sich in den wissenschaftlichen Hintergrund reinwurschteln, muss es aber nicht. "Den Idealspieler gibt es nicht", sagt Waldispuhl. "Phylo" ist kaum ein paar Wochen online und hat schon mehr Anhänger als erwartet. Gleich am ersten Tag brach der Server unter dem Ansturm zusammen. Mittlerweile wurden schon 150.000 Sequenzen analysiert, 9000 Nutzer haben sich registriert. Nicht eben viele im Vergleich zu "Farmville". Aber, so schreibt ein Nutzer: "Man fühlt sich als Teil von etwas, das größer ist als man selbst." Ein Gefühl, das beim Ziegenmelken à la "Farmville" eher ausbleibt.

FTD
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.