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Sea Hero Quest Spielen gegen das Vergessen


Daddeln und dabei Gutes für die Welt tun? Wer das Spiel "Sea Hero" auf seinem Smartphone zockt, hilft der Forschung beim Enträtseln einer der gemeinsten Krankheiten überhaupt: der Demenz.

Meist beginnt es harmlos. Man fragt sich, warum man in den Keller ging. Um etwas zu holen, sicher. Aber was?  Auch bestimmte Worte wollen einem nicht mehr einfallen und der Weg nach Haus vom Supermarkt um die Ecke scheint nicht mehr selbstverständlich.  Demenz ist eine gemeine Krankheit.  Die Betroffenen sind körperlich oft noch fit, verlieren jedoch Stück für Stück die Fähigkeit sich zu erinnern. Sie vergessen wer sie sind, wohin sie wollen, woher sie kommen, was sie wollten. Am Ende steht die völlige Lebensuntüchtigkeit. 

Demenz ist eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Schätzungen zufolge leben weltweit knapp 50 Millionen Menschen mit Demenz. Laut dem "Global Alzheimer’s Report 2015" werden im Jahr 2050 rund 135 Millionen Menschen betroffen sein, drei Millionen allein in Deutschland. Je höher das Lebensalter, desto höher das Risiko einer Dement. Doch treffen kann es jeden, zu jederzeit. Und es gibt kein Heilmittel. Schlimmer noch: Schon das frühzeitige Erkennen der Krankheit fällt schwer. 

Ein Grund dafür ist die Datenlage. Forschern in aller Welt liegen zwar Daten von Erkrankten vor, aber kaum Vergleichsdaten von gesunden Menschen. Es fehlt an so genannten Normdaten von Gesunden, um Abweichungen eben von der Norm früh erkennen zu können. Die Deutsche Telekom hat sich zusammen mit dem University College London, der Universität von East Anglia, und der gemeinnützigen Organisation Alzheimer’s Research und dem Spieleentwickler Glitchers etwas ausgedacht, um die Dement-Forschung nach eigener Aussage auf eine neue Stufe zu heben: mit einem Spiel auf dem Smartphone.

Das Spiel "Sea Hero Quest" steht seit Mittwoch in den App-Stores für iOS und Android kostenlos zum Download bereit. Dem britischen Entwicklerstudio Glitchers ist ein knuffiges Spiel gelungen, dem glücklicherweise jede dröge wissenschaftliche Aura fehlt. Es macht schlichtweg einfach Spaß und es ist emotional. Der kleine Trailer am Anfang kann einen durchaus zu feuchten Augen rühren:  Einem Vater gehen Erinnerungen an sein prall gefülltes Seefahrerleben verloren und sein Sohn begibt sich auf die Reise, jene verlorenen Erinnerungen wieder zusammenzusuchen. Er steigt in das kleine Boot seines Vaters, erkundet Routen, bahnt sich Wege durch Labyrinthe und fotografiert See-Ungeheuer.

50 Jahre Forschung in zwei Minuten Spielzeit

Spieler und Wissenschaftler profitieren dabei gleichermaßen: Den Gamern bringt es Spaß, der Wissenschaft Erkenntnis. Denn jede Sekunde des Spielverhaltens wird in einer Datenbank aufgezeichnet. Wie die Spieler anhand von Karten durch die virtuellen Welten navigieren, gibt den Wissenschaftlern Aufschluss über das menschliche Orientierungsverhalten. In jeder Spielsekunde werden anonyme Daten über das Navigationsverhalten der Spieler gesammelt. So können 100.000 Spieler in zwei Minuten Spielzeit Daten generieren, die sonst über 50 Jahre herkömmlicher Forschung auf diesem Gebiet beansprucht hätten. 

"Dieses Projekt bietet erstmals die Chance zu untersuchen, wie sich tausende von Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen räumlich orientieren. Es hilft Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie wir unser Gehirn beim Navigieren nutzen. Zudem unterstützt es die Demenzforschung bei zukünftigen Arbeiten zu Diagnostik und Arzneimitteltherapie", sagt Dr. Hugo Spiers vom University College in London.

"Sea Hero Quest" ist nicht das erste Computerspiel, mit dem die wissenschaftliche Forschung versucht, neue Erkenntnisse zu gewinnen, es ist aber sicher das userfreundlichste. Und wer ohnehin gern Spiele auf seinem Smartphone oder Tablett ausprobiert, sollte  dem Game eine Chance geben. So oder so ist es keine "verdaddelte" Zeit.

Laden Sie hier "Sea Hero Quest" runter:


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