"HappyNews.com" Positiv denken, positiv schreiben


Heimgekehrte Katzen, blinkende Weihnachtsbeleuchtungen - und bloß keine Politik: Nur gute Nachrichten werden auf "HappyNews.com" vermeldet. Um das Bild der Welt etwas geradezurücken, sagen die Macher.

Carrie Rodgers ist so gefesselt von den Nachrichtensendungen im Fernsehen, dass ihr Mann sie schon als nachrichtensüchtig betrachtet. In jüngster Zeit hat sie aber einen Ausgleich für all die Meldungen über Naturkatastrophen, Krieg und Verbrechen gefunden. Zwei bis drei Mal am Tag geht die 28-jährige Versicherungsvertreterin aus Columbia in South Carolina auf die Web-Site von HappyNews.com. Dort klickt sie oft zuerst auf die Rubrik "Helden". Kürzlich war da zum Beispiel eine Geschichte über US-Soldaten zu lesen, die in Äthiopien zwei junge Geparden gerettet haben. "Es passiert so viel Trauriges in der Welt, überall findet man deprimierende Nachrichten", sagt Rodgers. "Ich bin froh, dass jetzt jemand einmal zeigt, dass es auch noch gute Menschen gibt."

HappyNews ist eine Idee von Byron Reese, Chef des in Austin in Texas ansässigen Unternehmens PageWise, das diverse Beratungs- und Hilfe-Web-Sites betreibt. Er wollte mit HappyNews einen Raum schaffen, in dem es Ruhe gibt vor all den negativen Meldungen in den Zeitungen und Fernsehsendungen. Er startete die Web-Site im Juli. "Die Frage ist doch, was ist eine Nachricht?", sagt Reese. "Nachrichten sollten ein Bild von der Welt vermitteln. Aber die Nachrichtenmedien geben, so wie sie sich entwickelt haben, ein verzerrtes Bild von der Welt wieder, weil sie die schlechten Nachrichten, Not und Elend übertreiben. Wir versuchen, ein Gegengewicht zu schaffen."

Katze kontra Katastrophe

Die Web-Sites der "New York Times", der "Washington Post" und der "Los Angeles Times" wurden am 2. Dezember von der Nachricht beherrscht, dass im Irak zehn US-Soldaten bei einem Anschlag getötet wurden. Es war der folgenschwerste Angriff seit August. Bei HappyNews stand "Emily, die Ausreißerkatze" ganz oben. Die Katze war in einem Container versehentlich bis nach Frankreich gereist. Andere wichtige Nachrichten bei HappyNews waren die Rekordernte der Weinbauern in Washington und die weihnachtliche Dekoration eines Hauses mit synchronisierten Lichtern. Bei den Nachrichten stützt sich HappyNews auch auf den Dienst der Associated Press, hinzu kommen aber auch die Berichte von 150 "Bürgerjournalisten", die sich zur Einhaltung journalistischer Standards verpflichtet haben.

Die Redakteurin Patricia Meyer stellt mit ihren Mitarbeitern jeden Tag rund 40 Geschichten ins Netz. Abgelehnt werden fast alle politischen Themen. Die Berichterstattung über den Irak beschränkt sich fast nur auf Meldungen über Soldaten, die Erntedank feiern oder die irakischen Kindern Teddybären schenken.

Nachrichten über Einstellungen statt Stellenabbau

Über den Abbau von 30.000 Stellen bei General Motors war nichts bei HappyNews zu lesen, dafür gibt es aber Meldungen über Neueinstellungen. Auch Sportnachrichten gibt es kaum, "weil da immer eine Mannschaft gewinnt und eine andere verliert", erklärt Reese. Die Mitarbeiter bevorzugen Geschichten aus den Bereichen Gesundheit, Forschung, Kunst und "Helden". In der Rubrik "HappyLiving" gibt es Tipps für das Barbecue oder wie man einen Babysitter findet.

Die traditionellen Medien haben in der Tat schon seit Jahren damit zu kämpfen, die richtige Balance zwischen den so genannten "Hard News", die als besonders wichtig gelten, und den "Soft News" zu finden, den netten, unterhaltsamen Geschichten. Umfragen zeigen, dass die Leser mehr "gute Nachrichten" in ihrer Zeitung lesen wollen. Die haben darauf auch schon reagiert und oft ihre Berichterstattung über das Showgeschäft und Ähnliches ausgebaut. "Unglücklicherweise sind aber die Ereignisse, auf die wir als informierte Bürger reagieren müssen, meist nicht gut", sagt Tommy Thomason, Direktor der Journalistenschule der Christlichen Universität Texas. "Auch wenn man alles über die synchronisierte Weihnachtsbeleuchtung weiß, dann hilft einem das noch nicht bei der Entscheidung, welchen Politiker man wählen soll", sagt Thomason.

Viele Frauen, keine Werbung

Die Werbung hat sich mit HappyNews noch nicht so recht anfreunden können. Bislang gibt es nur einen zahlenden Kunden. Reese ist aber zuversichtlich, dass in Zukunft auch Geld damit zu verdienen ist. Aktiv Werbung für die Web-Site wird bislang noch nicht gemacht. Die Leser stoßen meist eher zufällig oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf die Web-Site. Die Leser sind zu 60 Prozent Frauen.

David Koenig/AP AP

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