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"Sasser"-Prozess: "Er ist der große Fisch"

Sven J., Schöpfer des "Sasser"-Computerwurms, steht vor Gericht. Gegen mutmaßliche Komplizen wird auch ermittelt, doch die Staatsanwaltschaft will abwarten, wie hart der Haupttäter bestraft wird.

Der 19-jährige Programmierer des verheerenden Computervirus "Sasser" muss sich am Dienstag vor Gericht verantworten. Der Virus hatte vor rund einem Jahr weltweit Millionen Computer lahm gelegt und so zu großen Schäden geführt. Sven J. aus dem niedersächsischen Rotenburg an der Wümme ist vor dem Landgericht Verden unter anderem wegen Computersabotage und Störung öffentlicher Betriebe angeklagt. Er hatte die Taten bei der Polizei gestanden.

Es wird erwartet, dass J. sein Geständnis vor Gericht wiederholt. Zuschauer sind vom Prozess ausgeschlossen, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt noch minderjährig war.

Das Virus "Sasser" hatte im Frühjahr 2004 Millionen Windows-Nutzer zu Verzweiflung getrieben. Befallene Rechner starteten sich immer wieder selbst und waren nicht zu benutzen. Automatisch wurde das Virus außerdem an andere E-Mail-Adressen weitergeschickt. "Sasser" nutzte dabei eine Sicherheitslücke in den Betriebssystemen Windows 2000 und Windows XP.

"Er ist der große Fisch"

Der Angeklagte war Fachmann: Er besuchte eine Berufsfachschule für Informatik und seine Eltern betreiben ein Computergeschäft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen fünf mutmaßliche Komplizen aus dem schulischen Umfeld von J., will aber das Ergebnis des ersten Prozesses abwarten. "Er ist der große Fisch", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Trentmann der Nachrichtenagentur AP.

Sven J. war aufgeflogen, nachdem sich der US-Softwaregigant Microsoft, der Windows herstellt, eingeschaltete und eine Belohnung von 250.000 Euro aussetzte. Daraufhin verriet ein Bekannter aus der Informatik-Schule den mutmaßlichen Urheber. Die Polizei ertappte J. bei der Arbeit an seinem Computer. Der Tippgeber wurde allerdings mit dem Geld nicht froh: Laut Staatsanwaltschaft gehört er zu den Verdächtigen.

"Ich kann mich doch nur bei allen entschuldigen"

Der "Sasser"-Urheber berichtete kurz nach der Tat im stern, der Freund habe seine Virus-Idee anfangs gut gefunden. "Er wollte sogar mitmachen", erklärte Sven J., "aber das war ihm zu schwer." J. selbst machte sich vor allem Sorgen um seine finanzielle Zukunft: "Ich habe Angst, dass mein Leben im Eimer ist", erklärte er. "Wie soll ich denn alles zahlen, wenn viele Klagen kommen? Ich kann mich doch nur bei allen entschuldigen." Bei der Staatsanwaltschaft haben sich mindestens 142 Geschädigte gemeldet. Einige versuchen, in Zivilprozessen Geld von J. zu bekommen.

Dem 19-Jährigen drohen wegen Computersabotage bis zu fünf Jahre Haft. Da er aber als Jugendlicher behandelt wird, rechnen Juristen nicht mit der vollen Härte des Gesetzes. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt, am Donnerstag könnte das Urteil verkündet werden.

AP / AP