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Englisch-Prüfung in NRW Text aus der "New York Times" wird Abituraufgabe – und der Autor zur Zielscheibe deutscher Schüler

Schild "Ruhe bitte, Abitur"
Nicht alle Schüler kamen mit dem Text von Farhad Manjoo gut zurecht (Symbolbild)
© Moritz Frankenberg / DPA
Schüler:innen aus Nordrhein-Westfalen bekamen im Englisch-Abitur eine Kolumne aus der "New York Times" als Aufgabe – und überhäuften im Anschluss den Autor online mit Kommentaren und Nachfragen. Leider waren auch einige Beleidigungen darunter.

Als Farhad Manjoo im Februar vergangenen Jahres einen Meinungsartikel in der "New York Times" veröffentlichte, hatte er wohl keine Ahnung, welche Kreise sein Text ziehen würde. Manjoo ist Journalist und schreibt bei der Zeitung seit 2018 eine regelmäßige Kolumne. Im Februar 2020 ging es um den Häusermarkt in seinem Heimatstaat Kalifornien. Manjoo argumentierte, dass die "Herrschaft des Einfamilienhauses" vorbei sei und es neue, bezahlbare Wohnkonzepte in modernen Gesellschaften brauche.

Das Thema hat mit Deutschland ziemlich wenig zu tun, erst recht nicht mit deutschen Schüler:innen, die kurz vor dem Abitur stehen. Dennoch kann sich Manjoo in diesen Tagen vor Kommentaren und Anfragen von Abiturient:innen zu seinem Artikel kaum retten. Der Grund: Sein Text war Prüfungsgrundlage im Englisch-Abitur in Nordrhein-Westfalen – und die Schüler:innen haben offenbar jede Menge Gesprächsbedarf.

Abitur in NRW: Schüler:innen sollen Kolumne aus der "New York Times" analysieren

Deshalb stürmen sie geradezu den Twitter- und Instagram-Account des Journalisten. Manjoo brauchte zunächst etwas, um herauszufinden, worum es überhaupt geht – schließlich spricht der US-Amerikaner kein Deutsch. "Ich bekomme eine Menge Nachrichten, in denen sie mir entweder dafür danken, dass ich ihnen geholfen habe, eine Eins zu bekommen – oder dass ich ihr Leben ruiniert habe", twitterte er. 

Unter seinen Posts haben sich Schüler:innen zusammengefunden, um ihre Analyse der Kolumne zu diskutieren – wenn das wegen Corona nicht mehr auf dem Schulhof möglich ist, wird es eben im Netz gemacht. Manchen fiel die Aufgabe offenbar leichter als anderen, einige fragen Manjoo danach, was er mit dem Artikel denn wirklich gemeint hätte oder wollen wissen, was bestimmte Vokabeln bedeuten.

DISKUTHEK-Thumbnail: Ist das Abitur zu leicht?

Farhad Manjoo bekommt auch Hass ab

"Ich habe Deutsche gegen Deutsche aufgebracht", kommentiert Manjoo den Dialog von zwei Usern auf seinem Twitter-Account, die sich streiten, ob die Abituraufgabe nun machbar oder zu schwierig gewesen sei. Warum Einfamilienhäuser für Amerikaner so wichtig sind und inwiefern sie den amerikanischen Traum verkörpern, ist offenbar nicht allen Schüler:innen klargeworden.

Journalist Manjoo bekommt jetzt viele lustig-ironische Nachrichten, ein paar Memes sind darunter, aber auch Beleidigungen und Hass von frustrierten Schüler:innen. Gezwungen, sich mit dem Text über Einfamilienhäuser in Kalifornien auseinanderzusetzen, war allerdings niemand – es standen auch andere Aufgaben zur Auswahl. Der Autor nimmt es dennoch locker: Bei denen, die an ihm ihren Ärger auslassen, entschuldigt er sich und wünscht ihnen alles Gute. Trotzdem dürfte er sich wohl freuen, wenn bald wieder weniger Nachrichten aus Deutschland auf seinen Social-Media-Auftritten einlaufen.

Quellen: Farhad Manjoo auf Twitter / Farhad Manjoo auf Instagram / "New York Times"

epp

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