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Anti-Spam: Wenn die Mailbox zur Müllbox wird

Weil der Spam-Verkehr in den letzten Monaten exponentiell angewachsen ist, herrscht in der Internet-Branche Alarmstimmung.

Das Wort ist in aller Munde, weil das Ding in jedermanns Mailbox lauert: Spam. Fast jeder, der eine E-Mail-Box besitzt, kennt die lästigen Werbebotschaften, die zumeist Sex, Geld oder dubiose Medizin anpreisen. Abhilfe bietet die Löschen-Taste nur bedingt, denn dadurch wird nicht verhindert, dass der selbe Müll anderntags wieder im Postfach liegt. Weil der Spam-Verkehr in den letzten Monaten exponenziell angewachsen ist, herrscht in der Internet-Branche Alarmstimmung.

Spam zerstört das Image

Von einem Killer der einst als "Killeraplikation" gepriesenen E-Mail ist die Rede. "Spam droht das Internet wieder zur Schmuddelkiste der Internetgesellschaft zu machen", warnt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft eco. Am Mittwoch diskutierten auf Summas Einladung zahlreiche Experten auf einer Konferenz im hessischen Usingen über das Problem.

Die zahlreich angereisten Manager der E-Mail-Anbieter priesen dabei ihre Filtersysteme und den Aufwand, der mittlerweile in die Spam-Bekämpfung investiert wird. Klar ist, dass Anti-Spam zum zentralen Marketingelement der Branche geworden ist. GMX, AOL und Co. preisen ihre jeweiligen Mailapplikationen unter diesen Gesichtspunkt an. Joachim Hofmann von der Firma GMX sieht darin sogar eine Chance für die krisengeschüttelte Branche. "Die Bereitschaft zur Kooperation ist breit", betont er.

"Spam ist letztlich subjektiv"

Dennoch steckt der Teufel im Detail: Immer mehr Provider sperren sich dagegen, Mails auf ihren Servern zu löschen, bevor die den Kunden erreichen. Denn das wird als unzulässiger Eingriff in dessen Entscheidungshoheit gesehen. Eco-Chef Summa bemüht den Vergleich mit dem Briefträger, der schließlich Werbepost auch zustellen muss. "Spam ist letztlich subjektiv", sagt auch GMX-Manager Hofmann. Schließlich gebe es auch einen Markt für Pornografie. Und Zensur sei grundsätzlich unerwünscht. "Nur der Nutzer darf die Lizenz zum Löschen haben", fordert er.

Andere Provider wettern gegen so genannte schwarze Listen, auf denen im Internet die IP-Adressen verzeichnet sind, von denen angeblich Spam verschickt wurde. Eine Strategie ist, diese Adressen dauerhaft zu sperren. Wer aber den Inhalt dieser Listen bestimmen soll, bleibt unklar. Einige kleinere Providerfirmen sehen die Gefahr, ungewollt auf einer "Blacklist" zu landen, als existenzielles Risiko.

Verdienen Provider an Spam?

Experten verweisen darauf, dass die Provider in der Zwickmühle sind. Wenn Spam, wie jüngste Schätzungen ergaben, bald die Hälfte des weltweiten E-Mail-Verkehrs ausmacht, verdienen auch die Netzbetreiber daran - den jeder Datenverkehr kostet Geld. Florian Klein von der Nutzinitiative Antispam.de berichtete von "Pink Contracts", mit denen Spammer die Provider an den Spam-Profiten teilhaben lassen.

Spammen lohnt sich

So lange E-Mails (fast) kein Porto kosten, ist "Spamming" als Marketing-Maßnahme attraktiv. Nicht für seriöse Firmen, die einen Ruf zu verlieren haben, aber für die Vielzahl der Glücksritter im Netz, wie der IT-Berater und Buchautor Torsten Schwarz berichtete. Höchstens drei Cent koste das Versenden einer Mail, der Tausenderkontaktpreis, wie in der Werbebranche die Kosten für das Erreichen von Eintausend Kunden genannt wird, betrage sogar weniger als lächerliche 1,50 Euro. Es lohnt sich: Profi-Spammer durchforsten das Web mit speziellen Programmen, um alle veröffentlichten E-Mail-Adressen zu sammeln. In den USA, wo 58 Prozent aller Spam-Mails ihren Ursprung haben, soll es schon Spam-Millionäre geben.Um sich von den schwarzen Schafen abzusetzen, müsse die Internetwirtschaft mehr auf erwünschte Werbung setzen, forderte Schwarz.

Eco hat ein Weißbuch über die Bedrohung zusammengestellt, das im Internet heruntergeladen werden kann, und eine Arbeitsgruppe gegründet.

Droht UMTS-Spamming

Die Zukunft bleibt ungewiss. Antispam-Experte Klein sprach mit Grausen von UMTS, dass für Spammer zum El Dorado werden könnte. Und dann ist da noch Bluetooth, womit künftig alle möglichen Haushaltsgeräte ans Netz angeschlossen werden sollen - "bald wird mein Kühlschrank zugespammt", scherzte ein Konferenzteilnehmer. Spam heißt im Englischen eigentlich Dosenfleisch, ein nicht besonders appetitliches, aber extrem haltbares Gericht. Der Begriff könnte also noch eine ganze Weile in unserem Wortschatz bleiben.

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