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Eigener Geheimdienst: So aufwendig hält Apple das neue iPhone geheim

Bei der Geheimhaltung eines neuen iPhones kennt Apple keinen Spaß. Eine geleakte Präsentation verrät nun, wie weit der Konzern wirklich geht, um neue Produkte vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Ehemalige NSA-Mitarbeiter sind da nur der Anfang.

Apple Chef Tim Cook bei der Präsentation des iPhone 7

Apple-Chef Tim Cook hat die Geheimhaltung von Steve Jobs übernommen

Wohl kaum ein Produkt wird jedes Jahr so sehnsüchtig erwartet wie das jeweils neue iPhone. Fans verschlingen jeden Informationshappen, Spekulationen und vermeintliche Leaks halten Blogs und die Presse auf Trab. Apple ist das ein Dorn im Auge. Der Konzern steht für Geheimhaltung wie kein anderer. Und er ist dafür weiter zu gehen bereit, als man bisher dachte.

Das zeigt eine geleakte Video-Präsentation für die Mitarbeiter, die dem Online-Magazin "The Outline" zugespielt wurde. Der Titel der internen Präsentation ist eindeutig: "Stopping Leakers - Keeping Confidential at Apple" (Leaker stoppen - Geheimhaltung bei Apple) und stellt im Laufe einer knappen Stunde die Arbeit von Apples internem Geheimdienst vor.

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Der Team-Chef kommt vom NSA

Der hört auf den Namen "New Product Security". Leiter David Rice findet das aber nicht passend. "Wir sind mehr ein Geheimnis-Team", erklärt er in dem Video. Rice war früher beim NSA tätig und suchte nach Angriffspunkten in Systemen. Dann fing er als Verschlüsselungexperte bei der US Navy an. Jetzt jagt er mit seinem Team Leaker bei Apple.

Der Schwerpunkt der Gruppe liegt bei den Zulieferern. Wie fast alle Technologie-Konzerne fertigt Apple in China. Die Arbeiter verdienen nur etwa 315 Euro im Monat - und bekommen für gestohlene Teile eines nicht angekündigten Produktes Unsummen geboten. Darum werden sie intensiv geprüft. Rice vergleicht es im Video mit der TSA, die in den USA Fluggäste kontrolliert. "Sie kontrollieren höchstens 1,8 Millionen Menschen am Tag. Bei uns sind es 2,7 Millionen jeden Tag - in nur 40 Fabriken."

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Schmuggeln in BH und Klo

Die Diebe sind kreativ, schmuggelten schon Teile in BHs oder spülten sie die Toilette herunter - um sie dann aus der Kanalisation zu holen, so Rice. Die Teile werden dann oft auf Märkten gehandelt. Einmal landeten 19.000 Außenschalen des noch nicht angekündigten iPhone 5c auf dem Markt. "Wir kauften sie auf, so schnell wir konnten - bevor sie in jedem Blog der Welt landeten."

Die strengen Kontrollen haben Erfolg. Nachdem 2014 noch 387 Außenschalen aus Fabriken gestohlen wurden, waren es 2016 nur noch vier - von 65 Millionen produzierten. Eine beeindruckende Quote.

Auch zu Hause wird geleakt

Die meisten Leaks kommen heute aus der Zentrale in Cupertino, erklärt Rice im Video. Deshalb ermittelt das Team auch dort intensiv, teilweise über lange Zeiträume. Ein Mitarbeiter sei etwa drei Jahre nach einem Leak überführt worden.

Angst machen will er den Angestellten aber nicht. "Niemand in meinem Team liest eure E-Mails oder verfolgt euch im Bus. Das machen wir nicht." Stattdessen appelliert Apple an das Gewissen seiner Angestellten. Sie sollen einfach mit niemandem über die Geheimnisse reden. Über die Arbeit an sich aber schon. "Wie scheiße ihr Chef ist" oder Gespräche über das Gehalt seien kein Problem. Auch, wenn etwas Illegales im Unternehmen passiere, sollten sie mit der Polizei reden.

Nichts vertuschen

Nur an einem Punkt gibt es keinen Zweifel: Wenn es um unangekündigte Produkte oder Dienste geht oder um den Startzeitraum eines solchen Angebotes, dürfen die Angestellten nur mit Personen darüber sprechen, die dafür freigegeben wurden.

Wenn man sich aus Versehen verplappere, sollte man das daher lieber melden. "In neun von zehn Fällen, in denen es Ärger mit Apple gab, haben die Leute versucht, es zu vertuschen", erklärt Rice. "Unser Team wurde erstellt, weil jemand uns drei Wochen nicht verriet, dass sein Prototyp in einer Bar herumlag." Eine klare Anspielung an Apples schlimmstes Leak: Wochen vor der Vorstellung hatte ein Mitarbeiter ein funktionierendes iPhone 4 auf einer Sauftour verloren.

Apple-Gründer Steve Jobs liebte die Überraschung

Die Geheimhaltung hat lange Tradition. Wenn Apple neue Produkte vorstellt, warten immer noch viele auf die magischen Worte "There is one more thing" (Eine Sache noch). Apple-Gründer Steve Jobs nutzte die Phrase zum Ende seiner Keynotes, um zum echten Highlight überzugehen. Dann kam ein echter Knall. Ob der erste iPod, das iPhone oder das Macbook Air: Keiner hatte die neuen Produkte kommen sehen. Die Überraschung in den Augen der Apple-Fans konnte man nur mit absoluter Schweigsamkeit aller Beteiligten erreichen.

Die ständige Berichterstattung zu möglicherweise erscheinenden Geräten dürfte als kostenlose Werbung sicherlich einen positiven Effekt haben. Apple will aber lieber eine Überraschung bieten. So, wie es beim gerade vorgestellten Siri-Lautsprecher HomePod oder 2014 mit der Apple Watch gelang. Dass die Geräte kamen, war bekannt. Wie sie aussahen und was sie konnten, blieb aber eine Überraschung. Steve Jobs hätte sich gefreut.

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Der Star des Abends ist der neue HomePod. Der smarte Lautsprecher hört Dank Assistentin Siri aufs Wort. Im Gegensatz zu anderen Sprachlautsprechern wie Google Home und Amazon Echo soll er dazu noch einen hervorragenden Klang bieten, der sich etwa mit den Geräten der Soundexperten von Sonos messen können soll.

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