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Bing Maps Streetside: Auch Microsoft schickt seine Kameraautos los

Microsoft macht Ernst mit seinem Angriff auf Google Street View: Im Mai schickt der Softwareriese Kameraautos auf Deutschlands Straßen, um sie für seinen Dienst Bing Maps Streetside aufzunehmen. Dabei will Microsoft die Fehler von Google unbedingt vermeiden.

Microsoft bringt seinen Karten-Panoramadienst Bing Maps Streetside nun auch in Deutschland an den Start. Ab dem 9. Mai werden Kameraautos zunächst in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Augsburg durch die Straßen fahren, kündigte Microsoft an. Heftige Kritik von Datenschützern und Politikern, die sein Rivale Google mit dem Projekt Street View auf sich gezogen hat, will das Unternehmen allerdings tunlichst vermeiden. "Wir haben uns mit den Befahrungen und der Markteinführung in Deutschland bewusst Zeit genommen, um vorher intensiv mit Branchenverbänden, politischen Vertretern und Datenschützern zu sprechen", sagte Microsoft-Manager Severin Löffler.

Die ersten Ansichten sollen voraussichtlich im Sommer online gestellt werden. In 18 Monaten sollen die Bilder von Kamerafahrten von insgesamt 50 Städten online stehen. Sein Unternehmen habe besonders darauf geachtet, dass die Live-Stellung transparent für die Bürger stattfindet, sagte Microsoft-Manager Olivier Blanchard.

Über eine Website, die kommenden Freitag online geschaltet werden soll, könne der Nutzer den detaillierten Fahrplan der Kameraautos sowie ausführliche Informationen für Hausbesitzer, Mieter und Geschäftsinhaber einsehen. Einen Widerspruch etwa gegen die Darstellung des eigenen Wohnhauses wolle Microsoft besonders einfach gestalten. Dafür sei lediglich die Angabe des Ortes und des Namens erforderlich, erklärte Blanchard.

Google hatte mit Street View nicht nur hierzulande unter Datenschützern eine Welle der Kritik ausgelöst. Nach heftigen Debatten um Geodienste machte das Internet-Unternehmen sukzessive Zugeständnisse in Sachen Datenschutz - so richtete Google auch eine Widerspruchsmöglichkeit ein. Microsoft hielt sich in der hitzigen Debatte bewusst zurück und nutzte unterdessen die Zeit, um den Start seines Dienstes vorzubereiten.

Selbstverpflichtung soll eingehalten werden

Es komme darauf an, den Prozess sowohl mit der Öffentlichkeit als auch mit Politik und Datenschützern einvernehmlich abzuklären, sagte Severin. Der Start in Bayern sei mit der Bayrischen Datenschutzaufsichtsbehörde in verbindlichen Gesprächen geklärt worden. Eine wesentliche Grundlage ist auch die Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft, die auf der CeBIT in Hannover von Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer an den damaligen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) übergeben wurde.

Darin verpflichten sich die unterzeichnenden Unternehmen, anhand einer von der Politik gezogenen Roten Linie bei neuen technologischen Produkten den Datenschutz zu gewährleisten. Enthalten ist vor allem auch ein Datenschutzkodex für Geodienste. "Der Kodex wird den Interessen der deutschen Konsumenten und der digitalen Wirtschaft gleichermaßen in vollem Umfang gerecht", sagte Löffler. De Maizière hatte den Kodex der Industrie, der neben Microsoft auch von der Deutschen Post, Nokia und Google unterzeichnet wurde, ausdrücklich begrüßt.

Die Politik habe sich bewusst gegen Einzelfallgesetze entschieden und das Potenzial von Geodatendiensten erkannt, sagte de Maizière bei der Überreichung in Hannover. Die Aufregung um die Abbildung von Häuserfassaden in Googles Street View teilte er nicht. Häuserfassaden seien im übrigen "das Öffentlichste, was es überhaupt gibt", sagte der Innenminister bei der Überreichung des Kodex. "De Maizière hat einen hervorragenden Grundstein gelegt", sagte Severin. Anhaltspunkte, dass sich an diesem Fundament durch den neuen Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) etwas ändert, gebe es nicht.

Die Straßenaufnahmen von Microsoft werden auf Basis von Material des Kartenanbieters Navteq erstellt. Dabei habe man besonderen Wert auf eine einfache Navigation gelegt. Mit spezieller Technologie werden auch hochauflösende und 3D-Aufnahmen erfassen. Anschließend sollen hunderte Bilder zu einem nahtlosen 3D-Modell zusammengefasst werden. Damit sollen die Kartenansichten deutlich präziser sein.

Renate Grimming, DPA / DPA