Bürohumor Das ist so lustig, das musst du sehen! :-)


Das Lachen kommt per E-Mail: Täglich landen unzählige Witzfilme und -bilder in Büros und Ämtern. Doch viele Chefs können darüber überhaupt nicht lachen.

Schnipp, schnipp, schnipp - fertig ist der Helm für die Katze, geschnitten aus der Schale einer Zitrusfrucht. Klick, ein Foto: Die Mieze weiß, dass sie doof aussieht und ist entsprechend schlecht gelaunt. Das Foto jedoch ist so drollig, dass es in ein paar Tagen fast jeder kennt, der eine E-Mail-Adresse hat - die Katze ist ein Star in deutschen Büros. Nur: Wer das Foto gemacht hat, weiß niemand, wer die Katze ist, auch nicht. Genauso wenig ist bekannt, wer der dicke asiatische Junge ist, dessen ulkiges Gesicht Spaßvögel inzwischen in unzählige andere Bilder eingefügt haben, in das Filmplakat vom "Herr der Ringe" zum Beispiel oder in ein Bild mit US-Präsident George W. Bush.

Wer heute irgendwo auf der Welt etwas Kurioses macht oder zufällig bei etwas Spaßigem fotografiert wird, kann Stunden später als Witz in der Mailbox des Finanzamts Herne liegen - zusammen mit amüsanter Werbung, Scherzen von Privatradios, dem süßen Nemo als Sushi und Filmen von Sportunfällen aus den USA. Früher, da witzelte man am Kaffeeautomaten oder schickte Faxe an Kollegen in entfernten Filialen. Heute gibt es E-Mail. Fiele heute in China ein Sack Reis um, läge morgen ein Reisfilmchen in der Mailbox. Manchmal fallen die Scherze sogar auf ihren Urheber zurück: Jan Knoff zum Beispiel hatte vor rund zwei Jahren einen satirischen Kurzfilm gebastelt und an zwei Kollegen geschickt. "Drei Monate später bekam ich von jemandem, der mit unserer Firma nichts zu tun hat, eine E-Mail mit dem Betreff "Guck, das ist witzig"", erzählt Knoff. Im Anhang: sein eigener Film.

Wo heiter ist, ist jedoch auch wolkig. Denn nicht jeder findet digitalen Humor im Büro lustig - Arbeitgeber zum Beispiel. Die Daten verursachen Übertragungskosten, Mitarbeiter verplempern teure Arbeitszeit, und da immer mehr PC-Arbeitsplätze am Internet hängen, wird das Ganze richtig teuer. Deshalb verbieten Unternehmen meist den Versand privater E-Mails oder schränken ein, was Angestellte im Netz tun dürfen. Claudia Schertel, als Datenschutzexpertin unter anderem für die Gewerkschaft Verdi tätig, sagt, dass "rund 40 Prozent der Unternehmen die private Nutzung des Netzes verbieten und weitere 40 Prozent den Zugang eingeschränken". Immer mehr Firmen überwachen mit technischen Hilfsmitteln den Mail-Verkehr. Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan schätzt, dass die Umsätze mit Überwachungs- und Filterprogrammen weltweit von 331 Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf 776 Millionen Dollar im Jahr 2007 steigen werden.

Ob man erwischt wird oder nicht, eine Gefahr bringen die Spaßmails immer mit sich: Oft lauern Viren und -würmer in den Anhängen von E-Mails. Und die Flut von witzigen Dateianhängen verführt viele zum leichtfertigen Doppelklick. Das geht meist gut, und ein Filmchen startet artig - doch es muss nur ein einziges Mal nicht gut gehen, dann ist ein Virus auf dem PC, und im Büro gibt es lange Gesichter. Hoffentlich hält die niemand auf einem lustigen Foto fest.

Ralf Sander print

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