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Bundesliga im Web: ... und der Ball zappelt im Netz!

Viele Fußballfans wollen die Spiele der Bundesliga im Internet sehen. Und zwar möglichst in voller Länge. Bislang war das fast nur illegal möglich - jetzt entdecken die Vereine endlich das Web.

Von Benjamin Peters und Sven Stillich

Noch vor gar nicht langer Zeit hatten Fans der Fußballbundesliga nur eine Möglichkeit, wollten sie die Spiele ihrer Mannschaft im Internet in voller Länge sehen: Sie mussten kriminell werden. Ihre Tatwaffen: diverse Programme zweifelhafter Herkunft, schwer zu bedienen und womöglich virenverseucht, die den chinesischen Fernsehsender CCTV-5 auf dem PC anzeigen können – denn der hält in China die Fernsehrechte an der Fußballbundesliga. Ihr Lohn der Mühe: die Spiele ihres Vereins live und gratis. Doch wenn sie erwischt werden, droht "mindestens ein Strafverfahren wegen Verletzung des Urheberrechtsgesetzes", wie der Frankfurter Rechtsanwalt Andreas Lober sagt, Spezialist für IT-Recht. Denn bereits das Fernsehbild gelangt auf illegale Weise ins Netz, eingespeist wohl von chinesischen Hackern. Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die das Geschäft der Bundesliga betreibt und Lizenzen an ausländische Sender wie CCTV vergibt, versucht derzeit, gegen illegale Fremdseher vorzugehen – auf nationaler wie auf internationaler Ebene.

"Unschön" findet auch Stephan Althoff von der Deutschen Telekom die Konkurrenz aus Fernost. Schließlich hat die Telekom die exklusiven deutschen Rechte zur Übertragung der Bundesliga im Internet – was nicht heißt, dass die Fans die Spiele auch live auf dem Computer ansehen können. Die Telekom bringt sie zwar über ihren blitzschnellen Internetzugang (VDSL) ins Haus, mittels eines Dekoders werden sie dann aber auf den ganz normalen Fernseher übertragen. IPTV heißt das technisch, "T-Home" nennt die Telekom das Produkt. "CCTV-5 ist für uns keine wirkliche Bedrohung", sagt Stephan Althoff, "die DFL schützt unsere Rechte. Außerdem ist deren Übertragungsqualität zu schlecht." Da hat er recht: Oft stockt das chinesische Fernsehbild, und auch wenn der Ball rollt, kann die Auflösung nicht mit dem normalen TV-Bild mithalten. Der Streit um CCTV-5 zeigt aber: Viele Fans wollen die Spiele ihres Vereins in voller Länge im Internet sehen. Deshalb fährt auch der Rechteinhaber Telekom zweigleisig. Der Konzern bietet nicht nur "T-Home" an, sondern tritt auch als Dienstleister der Bundesligisten auf – für Borussia Dortmund zum Beispiel, für Schalke 04, den 1. FC Köln und Bayern München, auf deren Trikots die Telekom für "T-Home" wirbt.

"Unsere Fans wollen ein Spiel in voller Länge"

Die Fans können alle Spiele ihrer Mannschaft direkt nach Abpfiff in voller Länge im Internet ansehen, nicht live also und auch nicht gratis, aber dafür in guter Qualität. Beim Preis gibt es verschiedene Modelle: Das "FCB-TV" von Bayern München kostet im Abo 12 Euro für drei Monate, für "Werder TV" und "Schalke TV" beim Videoportal Maxdome werden knapp drei Euro pro Monat fällig. Die Vereine wollen ihren Fans im Internet mehr bieten und sie so an sich binden. Vorreiter ist der Hamburger SV, der seit der vergangenen Saison die "Players Lounge" unter hsv.de betreibt. Für knapp vier Euro im Monat gibt es dort nicht nur nach Abpfiff alle HSV-Bundesligaspiele – während der Saisonvorbereitung konnten die Fans mehrere Testspiele 90 Minuten live sehen, darunter das Match gegen Juventus Turin, und auch das UI-Cup- Spiel gegen Chisinau wurde im Internet übertragen. Dazu gibt es Interviews mit Spielern und Trainer Huub Stevens. Für die hat der Verein sogar eigene Fernsehteams im Einsatz. "Unsere Fans wollen ein Spiel in voller Länge, kommentiert aus HSV-Sicht", sagt Katja Kraus, Vorstand für Marketing und Kommunikation des Vereins. "Sie wollen ihre Spiele an einem Ort sehen, an dem sie sich wohlfühlen. Den wollen wir ihnen mit der "Players Lounge" bieten." Und das Konzept scheint aufzugehen: In Spitzenmonaten der vergangenen Saison hatte der HSV rund 6500 zahlende Online-Abonnenten.

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