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Kommentar

Telekom plant eigenen Siri-Lautsprecher: Hallo Magenta, geht's noch?

Die neue Siri kommt aus Bonn - das hofft jedenfalls die Deutsche Telekom. Der Mobilfunkanbieter will mit einem eigenen Sprachlautsprecher Apple und Amazon ablösen. Das ist mutig. Doch der Konzern sollte erst einmal seine bestehenden Probleme in den Griff kriegen.

Die Telekom fordert Amazon, Apple und Google heraus - das ist ziemlich sportlich.

Die Telekom fordert Amazon, Apple und Google heraus - das ist ziemlich sportlich.

Das Fernsehen ist tot, heißt es immer wieder. Doch das Gegenteil ist der Fall: Vielmehr scheint das TV-Netz wegen zu vieler Zugriffe ständig überlastet zu sein. Zumindest bei der Deutschen Telekom. Zuletzt schaltete ich am Dienstagabend gegen 20.30 Uhr ein. Doch statt der Höhle der Löwen bekam ich wieder einmal lediglich Pixelmatsch zu sehen.

Seit einem halben Jahr schaue ich über eine T-Entertain-Box . Beziehungsweise versuche es. Denn gerade zur Primetime ist die Box (oder der Telekom-Server) hoffnungslos überlastet. Manchmal wird der Stream für 90 Sekunden pausiert, um die Daten aus dem Internet nachzuladen. Das liegt nicht an der Leitung, die ist mit 100 Mbit pfeilschnell und bringt alle anderen Geräte mühelos ans Netz.

Schuld ist der Media Receiver 400, so heißt die Empfangsbox der Deutschen Telekom. Deren Performance ist schlicht peinlich für das Jahr 2017. Der Stream hängt ständig, die Eingaben kommen nur verzögert an, das Menü wird mit jeder Aufnahme langsamer. Das geht nicht nur mir so, die Telekom-Foren sind voll mit ähnlichen Meldungen. Und für so ein Gerät verlangt das Bonner Unternehmen auch noch monatlich Geld.

Die Telekom baut einen Sprachlautsprecher

Und genau jener Konzern, der offenbar schon mit der Umsetzung einer zeitgemäßen Fernsehbox überfordert zu sein scheint, will nun mit den ganz Großen gleichziehen: Im kommenden Jahr will die Telekom einen eigenen smarten Lautsprecher auf den Markt bringen, mitsamt eines eigenen Magenta-Assistenten. Ein Frontalangriff auf Apple (Siri), (Alexa) und Google (Assistant).

Dabei wird es sich um einen Lautsprecher handeln, der unter 150 Euro kostet. Aktiviert wird er, indem man "Hallo Magenta" sagt. Anschließend kann man etwa das Licht ein- und ausschalten oder die Heizung hochdrehen. Das kennt man soweit auch von allen anderen Anbietern. Ob Magenta auch einen Service-Techniker rufen kann, ist leider nicht bekannt.

Per Sprache soll sich auch die Fernseherlautstärke verändern lassen, der Fernseher greift auf den Telekom-Router Speedport Smart zu. Dazu muss das Fernsehsignal natürlich erstmal ankommen, siehe oben.

Telekom sieht sich auf Augenhöhe mit Apple und Amazon

"Die Bedienung von Diensten und Services über Sprachassistenten wird immer wichtiger, und die Zeit ist reif für ein erstes Angebot nach deutschen Datenschutzgesetzen", sagte Michael Hagspihl, Leiter des Privatkundengeschäfts der Telekom in Deutschland, der "Welt".

Neben dem eigenen Magenta-Assistenten ist auch Amazons Alexa vorinstalliert. Sobald man diesen nutzt, sind die Datenschutzversprechen aber nichtig, die Daten werden dann direkt an Amazon und nicht auf die deutschen Telekom-Server übertragen.

stellt in der "Welt" klar, nicht die Nische anzupeilen, sondern ganz weit vorne mitmischen zu wollen. Das sind sportliche Ambitionen, zumal die Telekom in den letzten Jahre einige Flops ablieferte. Die Whatsapp-Konkurrenz Joyn etwa war ein Reinfall, aus dem Geschäft mit E-Readern und der Tolino-Allianz hat man sich zurückgezogen.

Und die Entwicklung eines Sprachlautsprechers ist alles andere als trivial. Zuletzt demonstrierte das der Lautsprecher-Experte Sonos, dessen neustes Gerät zwar gut klingt, aber kompliziert zu bedienen ist und nur einen Bruchteil der bestehenden Funktionen beherrscht - trotz Anbindung an die gut funktionierende Alexa.

Erst die Pflicht, dann die Kür

Es ist lobenswert, dass die Telekom neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen ist und deutsche Datenschutzbestimmungen mit moderner Technik verbindet. Doch bevor man sich vollmundig in immer neue Märkte stürzt, sollte man erst einmal das bisherige Geschäft am Laufen halten. Und den Kundenservice verbessern. Ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt: Hier ist - freundlich formuliert - noch Luft nach oben. 

Die Telekom hat vor einigen Wochen übrigens eine neue Fernsehbox auf den Markt gebracht, den Media Receiver 401. Der soll deutlich schneller sein als der Vorgänger, auch wenn das nicht die größte Herausforderung ist. Als aktiver Kunde bekommt man den aber nicht einfach so. Man muss zunächst den alten Mietvertrag kündigen und die neue Box bestellen. Ist man noch in der Vertragslaufzeit von 12 Monaten, muss man 50 Prozent der verbleibenden Mietzahlungen als Einmalzahlung aufwenden. Weil man ein Produkt zurückgibt, das nicht funktioniert, wie es sollte.

Hallo Magenta, geht's noch?


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