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Social Media: Was macht das mit mir? Wie Facebook, Twitter und Instagram uns immer wieder verführen

Nach nichts giert der Mensch so sehr wie nach dem Gefühl, beachtet und geliebt zu werden. Die sozialen Netzwerke bedienen diese uralten Sehnsüchte und schlagen daraus mit modernster Technik Profit. Doch zunehmend durchschauen User die Methoden der Verführung.

Von Frank Ochmann und Swen Thissen

Facebook, Twitter, Instagram: So verführen uns soziale Netzwerke

So gut wie jeder weiß, dass auf Facebook oder Instagram gelogen wird, dass so gut wie alle ihr Profil schminken und ins gnädigste Licht tauchen. 

Walter: "Gernot, die Meinung eines Speichelleckers, der am Arsch der Welt arbeitet und auf der Baumschule 3. Ast studiert hat (entnommen aus Ihrem Facebook-Profil), ist mir gleichgültig!"

Walters* Boshaftigkeit an Gernot ist nur ein Kommentar von rund 150.000, die im Monat allein auf der Facebook-Seite des stern gepostet werden. Ist die Erregung groß in der Republik, kann die Zahl auf ein Vielfaches ansteigen. Und oft ändert sich dann auch der Ton. Walter kennt Gernot nicht, und angeblich ist ihm dessen Meinung auch ganz egal. Doch warum reagiert er überhaupt? Warum beleidigt er Gernot und dazu dessen Heimat als "Arsch der Welt"? Wer so draufhaut, den reizt irgendetwas oder irgendjemand aufs Blut. Ihn durchfährt ein Impuls, der, von Vernunft und Anstand so gut wie ungefiltert, bis in die Tastatur durchschlägt.

Auch der ehemalige Handball-Star Stefan Kretzschmar bekam vor einigen Tagen dieses Muster der sozialmedialen Reaktion zu spüren. Im Interview mit T-Online sagte er: "Für jeden Kommentar bekommst du eins auf die Fresse" – und erlebte sogleich, wie recht er damit hatte. Die Internetgemeinde überzog ihn mit einem Shitstorm.

Eine Minderheit pöbelt

Inzwischen ist häufig von der "Verrohung des Netzes" die Rede. Und was das Netz betrifft, geht längst die gesamte Gesellschaft an: Erstmals waren im vergangenen Jahr mehr als 90 Prozent der Deutschen mindestens gelegentlich online. Wem es gelingt, die Diskussion in den Onlinemedien zu beeinflussen oder gar zu dominieren, der prägt die gesamtgesellschaftlichen Debatten. Wer aber dort gehört werden will, muss laut werden und gegebenenfalls auch aggressiv, lauter und aggressiver als andere. So funktioniert nun mal die Erregungsspirale. Da kann dann einer wie der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck auch mal über sich selbst erschrecken, wenn er im Nachhinein ansieht, was ihm da beim Twittern auf der Seele lag. Aber ist das ein Grund, sich komplett abzumelden? Andere jedenfalls schweigen nicht.

Da ist das Twitter-Dauerfeuer Donald Trumps und seiner medialen Unterstützer. Da sind die Falschmeldungen, die Spaßvögel aus Jux und Tollerei ins Netz stellen.

Da sind aber auch die strategisch durchdachten Posts aus den Cyber-Abteilungen professioneller Propagandaschmieden. Und schon entsteht der Eindruck, die sozialen Medien seien im Grunde nicht mehr als ein neuer Tummelplatz für Raufbolde und Radikale. Dabei sind die allermeisten Kommentare, die den stern auf seinen Plattformen erreichen, sachlich oder zumindest tolerabel. Bei jedem Fünften allerdings muss genauer hingesehen werden.

Facebook-Button "Gefällt mir"

Was geht da vor im Kopf?

Beleidigungen à la Walter sind da noch die milde Form der Auseinandersetzung. Andere wollen "Arschlöcher", die den eigenen Ansichten in die Quere kommen, "halb tot schlagen" oder hoffen – da waren die Demonstranten gegen den Braunkohleabbau im Hambacher Forst gemeint –, dass "der Abschaum in den Bäumen erfriert". Es ist nur eine Minderheit, die so danebengreift, aber deshalb ist sie nicht harmlos. Würde auch nur ein Bruchteil der täglichen Drohungen und Verwünschungen in den sozialen Medien Wirklichkeit auf den Straßen, tobte hierzulande ein Bürgerkrieg. Die Welt "drinnen", die Welt von Facebook, Twitter oder Instagram, und die Welt "draußen", in der wir uns in Fleisch und Blut begegnen und in die Augen sehen, sind offenbar sehr verschieden. Und doch sind es dieselben Gehirne, die einen im analogen Leben freundlich grüßen und höflich antworten – und vielleicht schon wenig später Hass und Häme ins Netz kübeln lassen. Was geht da vor im Kopf? Warum ist das so?

Die simple Antwort von Psychologen und Neurowissenschaftlern: weil wir es brauchen. Differenzierter: weil wir als Homo sapiens von genetisch fest verankerten Bedürfnissen angetrieben werden. Essen, Trinken, Selbstverteidigung, Sex, Liebe, Geselligkeit, Kooperation, Solidarität, Spiritualität. Sie durchziehen unser Menschsein, sie sind von Natur aus unvermeidlich und haben nur ein Ziel: Belohnung. Gute Gefühle für richtiges Verhalten.

Eines der wichtigsten vernetzten Systeme in unserem Gehirn hat keine andere Aufgabe, als abzuschätzen, wie viel Belohnung unsere Umwelt und unsere Handlungsmöglichkeiten bieten, und diese Informationen der "Planungsabteilung" zukommen zu lassen. Im Grunde ist das, was wir Menschen im Leben anstreben, ganz einfach zu beschreiben: einen ewigen Orgasmus, einen Strom von Glücksgefühlen, der nie versiegt. Dieser Gedanke mag verstören, gar peinlich sein, doch beschreibt er, auf die Spitze getrieben, genau das, was uns antreibt.

Eine Frau schaut genervt auf ihr Smartphone

Allerdings hat uns die Evolutionsgeschichte nicht nur eine etwa in der Mitte unseres Kopfes liegende Gefühlsküche überlassen, die Forscher das limbische System nennen. Was dort an Emotionen hochkocht, an Liebe oder Hass, Angst oder Wut, wird erst einmal in den vorderen Bereich des Gehirns weitergereicht. Denn dort ist die Vernunft platziert. In den dazugehörigen Arealen wird, was von innen hochschäumt, logisch bewertet und auf seine Folgen geprüft. Es ist der präfrontale Cortex, der diese Aufgabe übernimmt – wenn alles gut geht. Die Macht der guten Gefühle wird über Neurobotenstoffe wie Dopamin ausgespielt. Doch auch wenn wir nach "Gänsehaut-Momenten" und "Emotion pur" lechzen – ohne eine nüchterne Folgenabschätzung bringen sie uns nicht in einen Himmel der Glückseligkeit, sondern in eine irdische Hölle.

Drogen schwächen die Kontrollinstanz im Kopf. Doch in den sozialen Medien braucht es die nicht einmal, denn ein anderer Faktor ist dort besonders wirksam: Es fällt uns leichter, anderen übel mitzuspielen, wenn wir ihnen dabei nicht in die Augen sehen müssen.

Unser Mitgefühl ist begrenzt

Physische Distanz schafft soziale Distanz und lässt das Mitgefühl erkalten. Ein Forscherteam der Universität Padua zeigte kürzlich, dass es schon ausreicht, den Abstand zum Gegenüber über zwei Meter hinaus zu vergrößern, um die Empathie herabzusetzen. Auf einem Foto wurde den Versuchsteilnehmern jeweils ein "Opfer" präsentiert, das bei neutralem Gesichtsausdruck mal mit einer Spritzennadel und mal mit einem Wattestäbchen berührt wurde. Die Probanden mussten sich also vorstellen, ob eine Situation zu Schmerzen führte oder nicht. Die Gesichter auf den Fotos verrieten das nicht. Die Simulation im Kopf der Teilnehmer funktionierte wie erwartet. Ihre Hirnstrommuster belegten empathische Reaktionen, doch reichte das Mitgefühl nicht viel weiter als zwei Meter.

Zahlreiche Studien kommen zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Schon in den 1960er Jahren gelangten Psychologen zu der Einsicht, dass wir den Raum um uns herum unbewusst in konzentrische Zonen einteilen. Sicher ist es kein Zufall, dass wir bei der Qualität unserer sozialen Beziehungen auch umgangssprachlich zwischen "nah" und "entfernt" unterscheiden. Entsprechend stark rührt uns das Schicksal dieser Menschen. Mit Blick auf die sozialen Medien ist sofort klar: Nie lässt es sich leichter pöbeln, beleidigen und drohen als aus der Anonymität heraus und bei Kontrahenten, die nicht zu sehen sind. Doch sogar wenn wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, wirkt Distanz enthemmend. Autofahrer kennen das, da werden von einer Spur zur nächsten Flüche ausgestoßen und Mittelfinger gereckt, selbst wenn man sich dabei in die Augen sehen kann – durch schützende Scheiben.

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Bei unserer Suche nach Lob und Zustimmung aber spielt die Distanz keine Rolle – wir begrüßen positive Reaktionen, ganz egal, von wo sie kommen. Sich mit anderen zusammentun und dabei einen guten Eindruck hinterlassen, um am Ende das persönliche Glück zu steigern – das ist die psychologische Kulisse, vor der sich unser ganzes Leben abspielt. Darum werden auch soziale Medien, wie das amerikanisch-deutsche Psychologenteam Dar Meshi, Diana Tamir und Hauke Heekeren in einem der ersten wissenschaftlichen Übersichtsartikel zum Thema beschrieb, von den Usern vor allem aus zwei Gründen eingesetzt: um sich mit anderen zu vernetzen und um zu diesem Zweck einen guten Eindruck zu machen. Wie im Leben draußen geht es auch online um "Friends" und "Likes". Schimpansen kraulen und lausen sich gegenseitig, um Zuneigung und Loyalität zu signalisieren. Wir Menschen erfinden zum selben Zweck ein globales Facebook, verteilen gereckte Daumen und werfen Emojis mit Kusshand – falls wir den Daumen nicht senken und unser virtuelles Gegenüber "dissen".

Dass sich letzten Endes alles ums eigene Ego und Wohlbefinden dreht, hat Dar Meshi mit einem Team der Freien Universität Berlin schon 2013 zeigen können. Da Facebook bis heute weltweit am weitesten verbreitet ist und für inzwischen mehr als zwei Milliarden Menschen die Chance bietet, sich im besten Licht darzustellen und neue Beziehungen zu ködern, richteten Meshi und seine Mitarbeiter ihr Interesse auf dieses soziale Netzwerk. Gab es in den Köpfen eine Markierung, aus der sich auf die Intensität der Facebook-Nutzung schließen ließ? Theoretisch musste sie da zu finden sein, wo der Gewinn an guten Gefühlen, der "Reward", beurteilt wurde. Und tatsächlich, genau dort konnten die Wissenschaftler den Unterschied finden. Menschen, für die es emotional besonders gewinnbringend war, ihren Ruf und damit ihre soziale Attraktivität zu steigern, nutzten Facebook intensiver als Menschen, die nicht ganz so großen Wert auf das Urteil anderer legten.

Natürlich ist es kein neues Verhalten, an seinem Ruf zu arbeiten, nichts, was erst durch Facebook und Co. in die Welt gekommen wäre. "Doch das Internet gibt uns jetzt die Möglichkeit", so Dar Meshi, "persönliche Beziehungen nicht nur von Angesicht zu Angesicht aufzubauen." Wie aber kommen soziale Medien dann in den Verdacht, sie könnten gefährlich sein?

So gut wie jeder weiß, dass auf Facebook gelogen wird

Eine Besonderheit der neuen Vernetzung ist die Reichweite. Fast mit jedem Menschen auf der Erde kann ich inzwischen Kontakt aufnehmen – und mich mit ihm vergleichen. Nur so erfahre ich, ob mein Profil schon dem entspricht, was gefragt ist, und was ich noch verbessern muss, um zu gefallen und neue Likes und Friends zu ernten. Wer, allein weil er jung ist, sich erst selbst noch darüber klar werden muss, wer er ist und wer er sein will, hört besonders intensiv auf die Meinung der anderen und ist entsprechend anfällig für sozialen Druck. Auch das war schon immer so. Doch während man sich früher nur mit den Jugendlichen auf der Straße oder in der eigenen Schule vergleichen musste, ist es heute buchstäblich die ganze Welt.

Da schaut also nun der Mensch auf der Suche nach Freundschaft und Bestätigung auf sein Display und kann stundenlang bestaunen, was die anderen alles schon gesehen und geleistet haben, mit welch bewundernswerten Menschen sie befreundet sind, wo sie Urlaub machen und wo Karriere. Ob das einem sensiblen Zeitgenossen auf die Stimmung schlagen kann? Natürlich. Dabei weiß so gut wie jeder, dass auf Facebook oder Instagram gelogen wird, dass so gut wie alle ihr Profil schminken und ins gnädigste Licht tauchen. Trotzdem macht das Ergebnis Eindruck. Wir können uns des schönen Scheins offenbar nicht einmal dann erwehren, wenn wir ihn als solchen durchschaut haben. Eine Folge: schlechte Laune, schlimmstenfalls Traurigkeit, gar Depression – wie toll sind die anderen, wie mies bin ich.

Wer sich sozialen Vergleichen aussetzt, muss mit Enttäuschungen rechnen und fertigwerden. Die Fülle der Informationen und Vernetzungsmöglichkeiten auf den sozialen Plattformen aber kann uns überfordern. Eine neue Untersuchung der University of Pennsylvania zeigt, dass es uns besser geht, wenn wir den Besuchen in der Onlinewelt Grenzen setzen. Die Psychologin Melissa Hunt rekrutierte eine Gruppe von 143 Freiwilligen, die regelmäßig auf Facebook, Snapchat und Instagram unterwegs waren. Zu Beginn der Studie wurde das mentale Befinden der Probanden dokumentiert. Dann teilte Hunt sie in zwei Gruppen auf. Die eine nutzte die drei genannten sozialen Plattformen weiter wie bisher. Die andere Gruppe durfte sich auf jeder nur für zehn Minuten pro Tag einloggen, insgesamt also eine halbe Stunde täglich. Das wurde auch kontrolliert. Schon nach drei Wochen zeigten sich die Folgen: Die Teilnehmer mit dem Limit waren psychisch fitter als zu Beginn des Versuchs. Die Botschaft sei klar, so Hunt: "Wer die sozialen Medien deutlich weniger nutzt als gewöhnlich, verringert sein Risiko, sich einsam oder deprimiert zu fühlen." Der Effekt war zudem umso ausgeprägter, je niedergeschlagener ein Versuchsteilnehmer in die Studie gekommen war.

Es sind wohl nicht die Medien selbst, die uns Probleme bereiten. Es sind unsere Köpfe, die mit oft noch unbekannten Chancen und Gefahren umgehen müssen. Psychologen ist seit Langem klar, dass für unser Gehirn bei einer bestimmten Zahl von Beziehungen Schluss ist. Die bekannteste Grenze hat der britische Anthropologe Robin Dunbar bei 150 gezogen, der "Dunbar-Zahl". Andere sehen Kapazität für vielleicht weitere 100 Menschen. Mehr Beziehungen können wir nicht pflegen, auch wenn wir über 1000 Freunde auf Facebook haben und, wie manche "Celebrities" und "Influencer", Millionen Follower auf Twitter.

Unsere Verweildauer regelt den Profit

Weil wir Menschen dennoch die Masse suchen und uns überhaupt von großen Zahlen beeindrucken lassen, weil die uns ein sicheres Urteil in unsicheren Situationen versprechen, verlieren wir womöglich die Kontrolle über unsere Entscheidungen. Zugleich werden wir für alles anfällig, was uns Glück verspricht. Und so betreten wir die Welt der Algorithmen, das Reich der Verführung durch Big Data und die dahinterstehenden Geschäftsideen, die nur funktionieren, wenn uns online das Dopamin in Strömen durchfließt. Je verwirrter wir sind, je gefügiger, weil von Emotionen aufgeweicht, desto leichter sind wir zu steuern.

Vor allem eines sollen wir nicht tun: uns ausloggen, gar abschalten. Denn unsere Verweildauer regelt den Profit. Nur online können uns die raffinierten Tools der Verführer noch bis in den letzten Winkel unserer Seele analysieren. Jedes Foto, das wir posten, jedes Emoji, ja jeder Anschlag auf der Tastatur lässt sich inzwischen automatisiert bewerten und mit Blick auf unsere Persönlichkeitsstruktur deuten. Es gilt, uns anzufixen, zu kalkulieren und zu lenken. Über die alten, biologisch in uns verankerten Sehnsüchte gelingt es so, aus einem Konsumenten das Produkt zu machen. Mark Zuckerberg, der Herr über das Facebook-Imperium, hat an der Harvard University nicht nur Computerwissenschaften studiert, sondern auch Psychologie. Bis heute verschmilzt in seinem und den anderen virtuellen Reichen das eine mit dem anderen und lässt immer mächtigere Instrumente entstehen, mit denen wir manipuliert werden können.

Selbst Pioniere solcher Plattformen zeigen sich inzwischen überwältigt von ihren eigenen Entwicklungen. "Wer weiß, was es mit den Gehirnen unserer Kinder anstellt?", fragte etwa 2017 Sean Parker, erster Präsident von Facebook, den die Onlinewelt wie viele andere dieser Branche zum Milliardär machte. Und Chamath Palihapitiya, der einst bei Facebook für das Wachstum der Nutzerzahl zuständig war, wird noch deutlicher: "Die hochfrequenten, von Dopamin angetriebenen Feedback-Schleifen, die wir geschaffen haben, zerstören das gesellschaftliche Leben." Er schäme sich, dazu beigetragen zu haben, fügte Palihapitiya an.

Vielleicht weil sie selbst am besten beurteilen können, was sie anrichten, halten etliche Akteure im Silicon Valley die Technik von ihren Kindern fern, setzen auf Waldorfschulen und meditative Übungen. Gegenbewegungen entstehen allerdings immer, wenn sich eine neue Technologie etabliert oder gar das Leben zu dominieren scheint. Sie sind Teil eines zivilisatorischen Anpassungsprozesses, wie wir ihn gerade erleben. Längst hat sich, weit über die Elite des Silicon Valley hinaus, eine Skepsis zur noch vor Jahren euphorischen Nutzung von Onlineplattformen etabliert. So war die Zahl der regelmäßigen Facebook-Nutzer nach den jährlich erhobenen Zahlen der ARD/ZDF-Online-Studie 2018 rückläufig: 2017 hatten sich noch 33 Prozent der Gesamtbevölkerung ab einem Alter von 14 Jahren mindestens einmal pro Woche bei Facebook eingeloggt. Vergangenes Jahr waren es 31 Prozent. Folge von "Digital Detox", von "digitalem Fasten"? Nicht unbedingt, denn gleichzeitig stieg beispielsweise die Zahl der regelmäßigen Instagram-User in Deutschland sehr deutlich von neun auf 15 Prozent. Womöglich werden einfach nur andere Plattformen attraktiver.

Die User helfen sich selbst

Forscher wie der Soziologe Christian Papsdorf von der Technischen Universität Chemnitz sehen für die Zukunft viel Bewegung auf dem Feld der sozialen Medien, nach einer eben veröffentlichten Untersuchung aber keinen Grund zur Panik. Den allermeisten Digital Natives scheint nämlich klar zu sein, dass sie sich auch Gefahren aussetzen. Es waren zwar erst 30 Digital Natives im Alter von 14 bis 25 Jahren, 13 davon Mädchen, die von Papsdorf und seinem Team intensiv im Rahmen einer qualitativen Studie befragt wurden. Doch schon diese ersten Interviews waren aufschlussreich.

Die Skepsis der User reichte vom der Sorge, häufig gestört zu werden, über den Druck ständiger Erreichbarkeit und mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen bis hin zu ethischen Bedenken. "Warum scrollst du jetzt bei Facebook alles runter? Willst du das überhaupt wissen oder verschwendest du deine Zeit damit?", fragt sich einer. "Aber trotzdem macht man das, [...] und ich denke mir: Das ist so ein Zwang irgendwie."

Dem aber kann man durchaus entgegenwirken. Zu den Strategien der Befragten gehören Auszeiten, bei denen man sich beispielsweise zu Brettspielrunden an denselben Tisch setzt, ebenso wie ein Wechsel der Medien oder eine Begrenzung der Kontakte. "Neulich hat mich der Vater einer Freundin geaddet und der postet irgendwelche Sachen von irgendwelchen Schauspielerinnen, tagtäglich fünf Bilder von dieser Schauspielerin. Ich so: 'Entabonnieren!'"

Durchweg galt: Je wichtiger den Befragten ein Mensch oder ein Austausch war, desto "analoger" wurde die Form des Umgangs miteinander. "Wichtige Gespräche führe ich natürlich nicht per Whatsapp [...] und auch nicht per Facebook; dann würde ich [...] anrufen oder, das ist natürlich noch besser [...], ein persönliches Gespräch führen."

Auch die User werden erwachsen

Christian Papsdorf gibt zu, dass er mit solchen Antworten nicht gerechnet hatte. "Wir waren sehr überrascht. Bei allen 30, die wir interviewt haben, konnten wir feststellen, dass sie Nachteile für den Umgang mit sozialen Medien benennen konnten und diese Medien aufgrund der Nachteile darum auch zurückhaltender nutzten."

Das darf noch nicht verallgemeinert werden, weitere Studien werden folgen. Doch zumindest die nächste Generation ist wohl nicht ganz verloren. "Es wird manchmal gesagt, das Internet werde nach der ersten Euphorie allmählich erwachsen", sagt Papsdorf. "Mein Eindruck ist: Auch die User werden erwachsen."

*Alle Vornamen von der Redaktion geändert

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Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.