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Facebook-App "EnemyGraph" Lass uns Feinde sein


Kein "Gefällt mir nicht", aber nah dran: Mit der App "EnemyGraph" können Facebook-Nutzer endlich auch ihren Unmut ausdrücken. Egal ob über den eigenen Ex oder Justin Bieber.
Von Christoph Fröhlich

Facebook ist simpel. Es gibt Freunde oder eben Nicht-Freunde. Dabei bietet das Leben so viel mehr - Feinde zum Beispiel! Die hatten bislang in Mark Zuckerbergs sozialem Netzwerk keinen Platz, dort war immer alles positiv: Freunde, "Gefällt mir", Favoriten. Ein Land mit viel Sonnenschein und ohne Regen. Das stört nicht nur die knapp 3,3 Millionen Mitglieder, die seit Jahren den "Gefällt mir nicht"-Button fordern. Das stört auch Bradley Griffith, Student an der Universität Texas. Er hat rund 400 virtuelle Freunde. Doch er sehnte sich auch nach ein paar digitalen Feinden. Gemeinsam mit Dean Terry, Direktor des "Emerging Media"-Programms, entwickelten beide eine neue Anwendung namens "EnemyGraph". Das ist eine Art Feindesliste, also das Pendant zur altbekannten Freundesliste.

Der Feind in meiner Liste

Mit der App lassen sich sowohl Mitglieder aus der eigenen Freundesliste als Feinde markieren als auch Gruppen, Fanseiten oder Interessen. Sogar der eigene Erzfeind kann auserkoren werden. Aber Achtung: Vorschnelles Klicken könnte Erklärungsbedarf provozieren. Denn Freunde, die die App ebenfalls verwenden, können sehen, ob sie als Feind markiert wurden.

Eines der Highlights ist die Bestenliste. Hier kann man sehen, wer momentan am meisten 'gehasst' wird. In der Champions League der Unbeliebten spielen unter anderem Teenieschwarm Justin Bieber, der US-Politiker Rick Santorum oder der Microsoft-Browser Internet Explorer. Aber auch Schlagworte wie "Rassismus" oder "Zigaretten" werden von der Facbook-Community verachtet. Doch zum Hassen gehört auch Gehasstwerden: Zehn "EnemyGraph"-Nutzer haben angegeben, den "EnemyGraph" zu hassen.

Für die Entwickler ist das kein Problem, der Begriff "Feind" sollte nicht allzu ernst genommen werden: "Wir benutzen 'Feind' auf dieselbe Weise wie Facebook 'Freund' verwendet", erklärt Terry der Zeitung "Chronicles of Higher Education". Er stellt klar: "Es bedeutet einfach nur, dass du mit jemandem aneinandergeraten bist."

Doch wen wollte er eigentlich unbedingt öffentlich hassen, fragte die Zeitung: "Eine der ersten auf der Liste war die Gruppe 'Journey'. Einfach nur, weil sie mich nerven, und ich dachte, das sei witzig." Außerdem auf seiner Feindesliste: die Farbe Rot und Deepak Chopra, ein populärer Autor von Büchern über Spiritualität.

Hassen per Mausklick

Eigentlich wollte das Team einen "Dislike"-Button ("Gefällt mir nicht") programmieren. Doch das Wort wird von Facebook gesperrt. Kritiker vermuten, dass soziale Netzwerk will die Plattform freundlich halten, damit Werbekunden ihre Produkte besser anpreisen können. Dass die Anwendung überhaupt erhältlich ist, wundert Terry. Der Entwickler glaubte, die App würde niemals von den Facebook-Administratoren abgesegnet werden. Er hält es auch nicht für ausgeschlossen, dass die Anwendung noch nachträglich entfernt wird. Denn mittlerweile ist das Programm so beliebt, dass die Ladezeiten immer länger werden und die App gelegentlich sogar abstürzt. Auch dies dürfte vielen Nutzern nicht gefallen.


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