HOME

Facebook: Aus dem Leben eines Abhängigen

Bei Facebook sind alle Freunde. Freundschaften wollen gepflegt werden, am besten täglich. stern.de-Redakteur Gerd Blank hat sich im sozialen Netz verfangen und erzählt von seiner Sucht.

Wie viele Freunde kann man haben? Ich muss da nicht schätzen, denn ich weiß es ganz genau. Ich habe 85 Freunde, so steht es schwarz auf weiß in meinem Facebook-Profil. Facebook ist so etwas wie der digitale Pausenhof im Internet. Hier trifft man sich, tauscht sich aus und gibt Lebenstipps. Mehr als 200 Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben sich bei Facebook angemeldet und bleiben so mit ihren Freunden in Kontakt. Auch ich bin dabei. Das Telefon hat für mich als Sprachrohr fast ausgedient - heute reicht mir eine Statusmeldung, um die verknüpften Menschen über mein Befinden zu informieren.

Einen Großteil meiner digitalen Freunde sehe ich so gut wie nie im wahren Leben. Da wird kein Bier gemeinsam getrunken, kein Videoabend veranstaltet. Ich muss mich nicht schick machen, um sie bei Facebook zu treffen. Das Leben in und mit Facebook ist so herrlich unkompliziert und unverbindlich. Hier trifft die Phrase "alles kann, nichts muss" voll ins Schwarze. Doch was macht den Reiz dieser unwirklichen Wirklichkeit aus? Ändert sich durch Facebook die Sicht auf Freundschaft an sich?

Bevor es Facebook gab, war mein Freundeskreis sehr überschaubar, gerade eine Handvoll Menschen würde ich als wirkliche Freunde bezeichnen. Menschen, auf die ich mich verlassen kann, die ich auch mitten in der Nacht anrufen könnte, um ihnen von meinem Leid zu erzählen. Mit einigen von ihnen fahre ich mal in den Urlaub, mit anderen treffe ich mich regelmäßig zum Kino-, Spiel- oder Kneipenabend. Groß ist dagegen die Zahl meiner Bekannten, also alte Schulkameraden, Arbeitskollegen, Freunde von Freunden und Nachbarn. Menschen, die mich zwar auch privat kennen, mit denen ich aber nicht ständig zu tun habe. So weit, so durchschnittlich.

Digitales Déjà-vu-Erlebnis

Inzwischen bin ich digital und sozial vernetzt, viele meiner Bekannten allerdings noch nicht. Deren Umgang mit Facebook erinnert mich an die Zeit, als ich mein erstes Handy erwarb. Vor rund zwölf Jahren schloss ich meinen ersten Vertrag ab und war stolz auf meine erste Handy-Nummer. In meinem Freundeskreis war ich einer der ersten mit einem Mobiltelefon. "Ich will gar nicht immer erreichbar sein", hörte ich damals oft von Freunden und Kollegen. Ich musste mich rechtfertigen, warum ich dieses Gerät nutzte. Inzwischen hat sich viel geändert: In Deutschland gibt es mehr Handys als Festnetzanschlüsse und wohl kaum einen Bundesbürger ohne Mobiltelefon.

Nun bin ich wieder in Erklärungsnot. Warum schaue ich täglich bei Facebook nach, was meine Freunde machen? Warum schreibe ich selbst dauernd über belanglose Dinge aus meinem Leben? Ich wurde von meinen nicht vernetzten Freunden bereits als "Heavy-User" und "Facebook-süchtig" gebranntmarkt. Wahrscheinlich gar nicht mal ganz zu unrecht.

Schwimmen im sozialen Netz

Meine erste Berührung mit Facebook war eher zaghaft, ich hielt quasi meinen Zeh ins Wasser und wollte prüfen, ob ich da wirklich mitschwimmen will. Doch wenn man nur sporadisch bei Facebook mitmischt, kann man nicht verstehen, wie das ganze System funktioniert. Um im Bild zu bleiben: Wer mitschwimmen will, muss auch ins Wasser springen. Natürlich gibt es wie beim Baden auch Freunde, die nur am Strand sitzen und anderen beim Plantschen zuschauen. Ich habe Freunde, die noch keinen eigenen Betrag geschrieben haben. Dennoch verfolgen diese Facebook-Freunde ohne eigene Statusmeldung meine digitalen Aktivitäten. "Du Gerd, war es wirklich so kalt auf dem Hurricane-Festival?" oder "Der Urlaub hat Dir also nicht so gut gefallen" höre ich dann in persönlichen Gesprächen. So schwappt die digitale Information wieder zurück in die reale Welt.

Für mich wäre reines Zuschauen aber nur der halbe Spaß. Je mehr man sich bei Facebook beteiligt, Beiträge von Freunden kommentiert und eigene Statusmeldungen abgibt, desto mehr bekommt man auch zurück. Zudem ist es häufig sehr lustig, wie sich andere Menschen präsentieren.

Unterwegs Netze auswerfen

Man braucht nicht einmal mehr einen Computer, um sich über Facebook auszutauschen. Mit den neuen Handy-Alleskönnern ist die Nutzung von sozialen Diensten noch einfacher geworden. Direkt aus dem Urlaub habe ich per iPhone meinen Entspanntheitsgrad veröffentlicht. Auch meinen Besuch des Schlagermoves habe ich fast als Facebook-Liveticker festgehalten.

Inzwischen ist der tägliche Facebook-Blick ein festes Ritual. Dabei vermeide ich inzwischen auch Fehler aus der Anfangszeit. Beiträge, die nur für ein Augenpaar bestimmt sind, schreibe ich an keine Pinnwand, sondern dafür nutze ich direkte Botschaften oder den Chat. Auch veröffentliche ich keine intimen Details aus meinem Privatleben oder Fotos, auf denen andere Personen zu sehen sind. Alle Werbeangebote habe ich blockiert. Auch per Google lässt sich mein Profil nur schwer finden. Der automatische Reflex, jedes Freundschaftsangebot sofort anzunehmen, ist zudem schnell verschwunden. Schließlich möchte ich nicht jede Freizeiterfahrung mit Vorgesetzen und Geschäftspartnern teilen. Und natürlich ist mir bewusst, dass mich ein öffentliches Facebook-Profil zum gläsernen Surfer macht.

Doch trotz einiger Kritikpunkte ist Facebook ein herrlicher Spielplatz für extrovertierte Internetnutzer mit einem Hang zur Selbstdarstellung. Man tauscht sich mit Freunden, aber auch oberflächlichen Bekannten ohne Verpflichtung aus. Ich bekomme oder gebe über Facebook Kultur- und Restaurant-Tipps und erfahre, wo die beste Party steigt. Kleine Infos muss ich nicht mehr mehrfach erzählen und damit mich selbst langweilen. Aus der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation wurde die Massenaussendung.

Wenn ich mich mit meinen Freunden fürs Kino oder Bier verabreden oder einfach nur plaudern will, rufe ich sie an. Aber Facebook hilft mir dabei, Bekanntschaften zu pflegen. Meine Sucht nach Informationen erstreckt sich so auch über mein Privatleben. Außerdem kann ich bei Facebook meine Neugier ausleben, ohne diese zu offenbaren: Beim Stöbern in den Profilen meiner digitalen Freunde hinterlasse ich keine Spuren.

Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(