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Facebook-Seite der rechtsextremen NPD: Virtuelle Lichterkette soll Nazis vertreiben

Im Netz mobilisiert sich erstmals eine breite Masse gegen Rechtsextremismus. Über 260.000 User wollen den Seitenbetreiber Facebook zur Löschung von Seiten der NPD bewegen.

Von Felix Disselhoff

Lichterketten sind in der echten Welt ein gängiges Mittel, um gegen Missstände zu protestieren. Seit einigen Wochen scheint sich auch eine digitale Lichterkette zu entzünden. Dabei geht es um die rechtsextreme Partei NPD. Die Rechtsextremen begrüßten auf ihrer Facebook-Seite kürzlich den tausendsten Besucher. Seitdem setzt die Gegenbewegung "Kein Facebook für Nazis - NPD Seite löschen" die Rechtsextremen unter Druck. Mit einem Zuwachs, wie ihn das Social Network noch nicht gesehen hat: Aus den anfangs 500 Mitgliedern wurde innerhalb einer Woche über 260.000. Jedem NPD-Fan stehen jetzt über 190 User gegenüber.

Die Gründer der Initative rufen zur Bildung einer riesigen virtuellen Lichterkette auf. Was das heißt? Die Teilnehmer sollen ein Foto als Profilbild hochladen, auf dem sie die Hände nach links und rechts ausstrecken. In das Foto soll auch das Logo der Gruppe auf der Brust des Teilnehmers integriert sein - ein klickender Zeigefinger. Stellt man die Fotos der vielen tausend Demonstranten nebeneinander, sollen sie eine endlose, virtuelle Menschenkette bilden, ein Symbol, dass die Betreiber von Facebook aufrütteln soll. Die Lichterkette soll am kommenden Wochenende, dem 22. und 23. Mai 2010 ihren Höhepunkt finden.

In den Nutzungsbedingungen ist von rechten Inhalten keine Rede

Es ist nicht der erste Versuch, die NPD aus Facebook zu vertreiben. Der ursprüngliche Plan ging nicht auf. Man wollte die NPD beobachten, die Seite als sittenwidrig melden und zuschauen, wie die "Nazi-Seite gelöscht wird". Das Vorhaben sei "as easy as 1-2-3". Ganz so "easy" war es dann doch nicht. Das Problem liegt in der Philosophie der Plattform: Rechtsextreme Inhalte werden in den Nutzungsbedingungen von Facebook nicht erwähnt, geschrieben werden kann alles, was nicht „die Rechte einer anderen Person oder das Gesetz“ verletzt. In den Nutzungsbedingungen heißt es nur recht jovial: "Du wirst Facebook nicht verwenden, um rechtswidrige, irreführende, bösartige oder diskriminierende Handlungen durchzuführen". Die Macher der Facebook-Gruppe rufen währenddessen dazu auf, die NPD-Präsenz weiter zu melden, damit es schließlich doch noch zur Löschung kommt. Doch die Partei scheint angesichts so starker medialer Präsenz auf der Hut und gibt sich Mühe, einer Löschung zu entgehen. Unvorteilhafte Kommentare – von beiden Seiten - werden schnell wieder gelöscht.

Doch der Kampf im Netz geht weiter: Kurzerhand riefen die Initiatoren zum Online-Flashmob auf. Am Sonntag sollte für eine Stunde die NPD-Präsenz virtuell mit Kommentaren und Bildern bombardiert werden. Doch auch dieser Versuch schlug fehl. Bevor es zum Massenspam kam, deaktivierte der Administrator die NPD-Seite, mittlerweile ist sie wieder erreichbar. Kurzerhand attackierten User die regionale NPD-Auftritte und andere rechtsextreme Seiten auf Facebook. Man feierte einen Teilerfolg in beiden Lagern.

NPD drängt gezielt ins Netz

Über einen Rückzug aus dem Netz denkt die NPD keineswegs nach. Mittlerweile sind über 1300 User bekennende "Fans". Unter ihrem Bundesvorsitzenden Udo Voigt versucht die rechtsextreme Partei schon lange, Terrain im Internet zu erobern. Ein Ableger auf dem wichtigsten und größten Netzwerk Facebook erscheint nur logisch, um Jugendliche schneller und einfacher anzusprechen. In der Märzausgabe der NPD-Monatszeitung "Deutsche Stimme" rief die Partei unter dem Titel "Die NPD in der virtuellen Welt" auf, Portale wie SchülerVZ, StudiVZ, MeinVZ, oder StayFriends gezielt zu nutzen. Der Artikel erklärt: "So wird erst möglich, dass Ihr von möglichst vielen Menschen entdeckt, kennengelernt und kontaktiert werdet." Das Motto laute: "Raus in den Kampf mit modernen Kommunikationsmitteln!"

Aus diesem Grund kämpft die Netzgemeinde an mehrere Fronten gegen die Online-Dependancen der Rechtsradikalen. Auf einem Blog wurden seit Freitag hunderte E-Mail-Adressen von Mitgliedern der NPD veröffentlicht. Abseits von Facebook wird versucht, Postfächer mit Spam-E-Mails zu bombardieren. Es handelt sich um die Kontaktadressen von Kreis-und Landesverbänden der Partei. Zudem findet man unzählige E-Mail-Adressen der „Jungen Nationaldemokraten“. Und selbst das Whistleblower-Portal Wikileaks kündigte vergangenen Monat an, 37.000 Mails von NPD-Anhängern zu veröffentlichen.

Lichterkette könnte Erfolg haben

In der Zwischenzeit wandten sich die Initiatoren von "Kein Facebook für Nazis" mit einem offenen Brief an die Hamburger Adresse des amerikanischen Netzwerks. Darin fordern symbolisch 250.000 Personen Facebook dazu auf, die NPD-Seite zu löschen. Die Erklärung im Wortlaut: "Wir glauben, dass soziale Netzwerke wie Facebook die Medienlandschaft verändern. Wir glauben, dass sie eine einmalige Chance darstellen, Menschen und Kulturen jeder Art miteinander zu verbinden und zu vernetzen. Wir glauben, dass soziale Netzwerke der besseren Verständigung und dem besseren Verständnis aller Menschen und Kulturen dienen sollten."

Die Aktion könnte Wirkung zeigen. Auch eine Redakteurin des wirtschaftskritischen Blogs Boocompany ging im vergangenen Jahr erfolgreich gegen rechtsextreme Inhalte auf Facebook vor. Sie hatte rund 200 Nazi-Seiten auf Facebook entdeckt, mit Namen wie "Grossdeutschland", "Erwin Rommel Fan Club" oder "Holocaust Party". Auf einigen Seiten wurde gegen Juden und Israel gehetzt, auf anderen der Holocaust geleugnet. In einem offenen Brief drohte sie den deutschen Investoren von Facebook mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung. Nur wenige Tage später wurde mehrere der genannten Seiten und Profile gelöscht.

Damit nicht genug. Studenten einer englischen Universität hatten Anfang des Jahres ein Trinkspiel namens "Adolf Hitler" erfunden, und innerhalb kurzer Zeit mehr als 12.000 Fans gewonnen. Facebook löschte die Gruppe. Und auch die tschechische Neonazi-Gruppierung "Charter 88" wurde aus dem Social Network entfernt. Über Juden hieß es dort laut „Prague Daily Monitor“, sie seien keine Menschen.

Die Lichterkette im Netz ist nun die erste Möglichkeit, eine breite gesellschaftliche Front gegen Rechtsextreme zu bilden. Denn im Gegensatz zu Straßendemonstrantionen mit Vermummten auf beiden Seiten stehen User mit Namen und Gesicht für eine Sache ein. Es bleibt also abzuwarten, wie die amerikanischen Betreiber auf den Massenprotest reagieren. Für den Fall, dass nichts passiert, können die Online-Demonstranten zumindest auf einen Vorfall beim deutschen Facebook-Konkurrenten StudiVZ hoffen. Dort gelang es den Usern, Rechtsextreme durch anhaltende Proteste zu vergraulen. In den VZ-Netzwerken sind rechtsextreme Profile und rassistische Inhalte mittlerweile verboten.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.